Blutige Gefängnisrevolte

Viele Tote bei Revolte in brasilianischer Haftanstalt

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Rauchwolken stehen über dem Gefängnis Anísio Jobím in Manaus, Brasilien. Foto: A Critica/Xinhua

Zwischen rivalisierenden Häftlingsgruppen in Manaus eskaliert ein Streit. Zwölf Sicherheitskräfte werden zeitweise als Geiseln genommen. Am Ende sind mehr als 60 Häftlinge tot, von extremen Grausamkeiten ist die Rede.

Manaus (dpa) - Bei einer Gefängnisrevolte in Brasilien sind mehr als 60 Häftlinge getötet worden. Das teilten die Sicherheitsbehörden des Bundesstaates Amazonas mit. Mehrere Opfer seien geköpft worden, sagte Sicherheitssekretär Sérgio Fontes laut einem Bericht des Nachrichtenportals G1.

Erst nach 17 Stunden konnten die Sicherheitskräfte die Kontrolle über die Haftanstalt wiedergewinnen. Rund 90 Häftlinge seien geflüchtet, berichtete der Fernsehsender Globo News.

Die Meuterei in dem Gefängnis Anísio Jobím in der nordbrasilianischen Stadt Manaus brach am Sonntag aus, als rivalisierende Häftlingsgruppen aneinander gerieten - mutmaßlich ging es um die Kontrolle des Drogenhandels in der Anstalt. Zwölf Gefängniswärter und 74 Häftlinge seien zeitweise als Geiseln genommen worden. Kopflose Leichen von sechs Inhaftierten seien von Aufständischen aus dem Gebäude geworfen worden.

Dutzende Angehörige von Häftlingen versammelten sich vor der Haftanstalt, um Auskunft über inhaftierte Verwandten zu bekommen. Pressevertretern wurde der Zugang verweigert.

Zwei berüchtigte Banden sollen an dem Gewaltausbruch beteiligt gewesen sein: die Primeiro Comando da Capital (PCC/Erstes Kommando der Hauptstadt) mit Hauptsitz in São Paulo und die Familia del Norte (FDN). "Mitglieder der FDN wollten Häftlinge des PCC töten", sagte Fontes. In der Anstalt mit Kapazität für 454 Inhaftierte waren 585 Häftlinge untergebracht.

Es handelt sicht um die höchste Opferzahl bei einer Gefängnisrevolte in Brasilien seit der Meuterei 1992 in der Haftanstalt von Carandiru in São Paulo. Dort kamen 111 Häftlinge um, als die Polizei das Gefängnis stürmte. Im Oktober 2016 wurden bei mehreren Revolten in nur einer Woche mindestens 18 Häftlinge getötet.

Die kriminellen Banden sind landesweit organisiert. Mitglieder können auch in Haft in der Regel untereinander per Handy kommunizieren. Die Polizei hält sich im Inneren der Gefängnisse aus dem Geschehen heraus. So blüht auch hinter den Mauern der Drogenhandel. Die Gewerkschaften der Haftwärter kritisieren vor allem eine völlig unzureichende Personalausstattung.

Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl an Gefängnisinsassen. Nach Angaben des Instituts IPCR gibt es derzeit über 620 000 Häftlinge im Land.

Bericht Zeitung Folha de Sao Paulo, Port.

Bericht Nachrichtenportal G1, Port.

Statistiken zu Häftlingszahlen in Brasilien, Engl.

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