Verrückt: "Schrottrallye" mit Trabis nach Istanbul

Kattowitz - Die polnischen Organisatoren nennen sie "Zlombol" - eine jährlich stattfindende "Schrottrallye" ausschließlich mit Trabant und anderen Oldtimern aus sozialistischer Zeit. Das Video:

Dieses Wochenende sind die Fahrer von Kattowitz Richtung Istanbul gestartet, im vergangenen Jahr ging es an den Nordpol. Die Teilnehmer haben ordentlich mit den Tücken der real existierenden Technik zu kämpfen - einige schon vor dem Start. "Zlombol" ist eine Rallye, die anders ist als andere: Im Rampenlicht der "Schrottrallye" stehen beim Start im polnischen Kattowitz Autos, die alle noch aus sozialistischer Epoche stammen. Darunter natürlich auch der Trabant. Denn Geschwindigkeit ist hier nicht die Frage, es zählt die Ausdauer.

Das sind die nervigsten Autofahrer

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Über zweitausend Kilometer soll es in diesem Jahr bis ins türkische Istanbul gehen. Vier Tage haben die Teilnehmer Zeit - und sind dabei ganz auf sich selbst gestellt. Ko-Koordinatorin Martyna Kindermann erzählt: "Es gibt keine Unterstützung auf der Strecke. Wir sind ja auch kein Reisebüro. Wir garantieren nur für den Spaß. Aber bei Technik-Problemen müssen die Fahrer schon selbst ran." Und wenn man tatsächlich ein paar Stunden unter der Motorhaube verbringen muss, wen kümmert's? Die gegenseitige Hilfe ist Teil der Erfahrung. Denn schließlich werden schon die Teilnahmegebühren komplett an polnische Waisenhäuser gestiftet, was allen Teams zu einem eisernen Willen verhilft.

Das sagen die Teilnehmer:

Teilnehmer Marek Lewandowski: "Wir haben fast noch ein zweites Auto in Ersatzteilen dabei. Die Technik kommt quasi noch aus der Steinzeit, da können wir alles selbst reparieren."Manche schaffen es dennoch nicht. Vergangenes Jahr ging die Rallye Richtung Nordpol, zwei Teams schieden vorzeitig aus: Ihre Autos hatten schlicht den Geist aufgegeben.

Dawid Rudnicki: "Als wir am Meer ankamen, mussten wir umkehren. Wir konnten die Fähre nicht mehr nehmen. Diese Mal wollen wir es bis ins Ziel schaffen und uns in Istanbul noch amüsieren."

Der Name "Schrottrallye" mag ungehobelt klingen, doch tatsächlich ist ziemlich viel Erfindergeist gefragt. Einer der Organisatoren hätte fast vor dem Start aufgeben müssen, weil sein Trabbi nicht mehr wollte. Doch in letzter Minute fand er noch Ersatzteile. Der Ko-Organisator Jan Badura sagt: "Ich konnte mir das Auto nicht einmal mehr genau anschauen. Ich weiß überhaupt nicht, was mich erwartet, aber so ist nun einmal die Schrottrallye. Man geht bis ans Limit." Nach einigen Schönheitsreparaturen kann der Polonez - pardon, der Trabant - schließlich starten. Durch die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien auf den Weg zum Bosporus. Für manche könnte das vielleicht doch ein bisschen zu weit sein.

oms

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