Sie fühlen sich im Stich gelassen

Tödliche Massen-Erkrankungen in einem Dorf: Einwohner greifen zum letzten Mittel

Mysteriöse Erkrankungen: Seit Jahrzehnten sterben viele Bewohner eines Dorfs in West Virginia an Krebs. Von der Regierung fühlen sie sich alleine gelassen. Nun greifen sie zum letzten Mittel.

250 Menschen leben in dem verarmten Örtchen Minden im Niemandsland von West Virgina (USA) - nur noch. Das Dorf leidet seit Jahrzehnten an einem mysteriösen Massensterben. Die Ursache ist immer dieselbe: Krebs. Wie die britische Daily Mail berichtet, liegt die Krebs-Sterberate in Minden bei 642,1 auf 100.000 Menschen jährlich. Zum Vergleich: Der amerikanische Durchschnittswert ist viermal niedriger, bei 171 auf 100,000. In den vergangenen Jahren soll sie sogar bei über 2.000 gelegen haben. Das heißt: Circa 2 Prozent der Menschen sterben jährlich, also 5 der 250 Dorfbewohner. Das sind die offiziellen Zahlen.

Die Untersuchungsergebnisse des Umweltschützers Brandon Richardson sind fast noch schockierender. Er unterhielt sich mit den Menschen in Minden, fragte, wer Familienangehörige zu beklagen habe, die an Krebs erkrankten. 110 Menschen seinen das in den letzten vier Jahren gewesen. 110 von 250 wohlgemerkt - ein gutes Drittel also.

Giftige Stoffe haben Fluss und Boden kontaminiert

Wo liegen die Ursachen für das Leid der Mindener? Brandon Richardson ist sich wie viele andere sicher: Minden liegt in einem ehemaligen Kohleabbaugebiet, das dem Örtchen in den 1970er und 1980er Jahren einen Boom bescherte. Der Segen der Vergangenheit wurde zum Fluch, der sich auf die Bewohner niederließ. Nachdem die Produktion eingestellt wurde, verarmte die Region nicht nur. Das Bergbau-Unternehmen hätte den Menschen ein giftiges Land hinterlassen. Es hatte für die Maschinen ein Öl verwendet, das einen gesundheitsschädlichen Stoff beinhaltet: PCB, eine Chlorverbindung. Nachdem PCB eine krebserregende Wirkung nachgewiesen werden konnte, wurde es 1979 von der Umweltschutzbehörde verboten. Trotzdem benutzte man es weiterhin. Als 1984 staatliche Experten die Firma inspizierten, stellten sie fest, dass der Boden und das Wasser des nahe gelegenen Flusses bereits kontaminiert waren. 

Mindener wollen den gesamten Ort verlegen

Die Bürger von Minden fühlen sich von der Regierung in Stich gelassen. Außer kleiner Korrekturen (wie die Installation einer Art Kappe für den giftigen Boden) haben die Behörden nicht auf die Bedrohung reagiert, dem das Dorf seit Jahrzehnten ausgesetzt ist. Jetzt suchen die Mindener den letzten verbliebenen Ausweg: sie wollen den gesamten Ort verlegen. Dafür haben sie den republikanischen  Gouverneur Jim Justice um Hilfe gebeten.

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bah

Rubriklistenbild: © Screenshot Google Maps

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