UN-Klimachefin: Zeit zu Handeln

Tianjin - Nach dem Scheitern des Weltklimagipfels in Kopenhagen sind die Aussichten für einen Weltklimavertrag schlecht. Ausgerechnet in China, unternehmen 160 Länder jetzt einen neuen Anlauf.

Mit einem eindringlichen Aufruf zur Einigkeit hat UN-Klimachefin Christiana Figueres am Montag eine sechstägige UN-Konferenz zum Kampf gegen Erderwärmung in der chinesischen Stadt Tianjin eröffnet. “Jetzt ist die Zeit gekommen, die Suche nach Gemeinsamkeiten zu beschleunigen“, sagte Figueres vor den 2500 Teilnehmern aus 160 Ländern. “Es muss verhindert werden, das anhaltende Meinungsverschiedenheiten zu nicht akzeptabler Untätigkeit führen.“ Wer den Weltklimagipfel in zwei Monaten im mexikanischen Cancún zu einem Erfolg zu bringen wolle, müsse jetzt handeln.

Das Treffen in Tianjin ist die vierte und letzte Verhandlungsrunde vor dem Gipfel in Mexiko. Es ist das erste Mal, dass eine große UN-Klimakonferenz in China stattfindet. Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist noch vor den USA der größte Treibhausgasproduzent und Energieverbraucher. Ein Durchbruch wurde bei dem Treffen nicht erwartet. Doch hoffen die Teilnehmer zumindest in Teilbereichen auf Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung. Internationale Umweltschutzgruppen mahnten “mutige Schritte“ für den Klimaschutz an. Es gebe eine “große Kluft“ zwischen dem Mangel an politischer Führung und dem Willen der zunehmend besorgten Menschen in der Welt, endlich zu handeln, erklärte eine “TckTckTck“ genannte internationale Koalition von regierungsunabhängigen Gruppen, Gewerkschaften und anderen Organisationen.

Angesichts der bislang unzureichenden Zusagen forderte die Umweltorganisation Greenpeace weitergehende Beschränkungen der Treibhausgase durch die reichen Industrienationen. “Solange sie nicht den Mut haben, drastische Grenzen für Umweltverschmutzung in ihren eigenen Ländern durchzusetzen und in saubere Energien zu investieren, werden sie nicht in der Lage sein, eine Vereinbarung zu unterschreiben“, hieß es in einer Erklärung zum Auftakt. Die Regierungen müssten sich in Tianjin zur Fortsetzung der Begrenzungen durch das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verpflichten und entscheiden, welches Rechtsform ein Nachfolgeabkommen haben soll. Die “Schlupflöcher“ in den Zusagen müssten geschlossen werden.

Die Industrieländer müssten zugeben, dass auch die bisherigen Versprechen den Klimawandel nicht stoppen könnten, forderte Greenpeace. Es müsse ferner Einigung auf konkrete Mechanismen für die Finanzierung des Klimaschutzes, die technologische Kooperation und die Hilfen für die Entwicklungsländer zur Bewältigung des Klimawandels geben. Angesichts des Stillstandes der amerikanischen Klimapolitik durch den Widerstand im US-Kongress forderte Greenpeace ein Zeichen seitens der USA, dass sich der zweitgrößte Klimasünder auch weiter den Verhandlungen verpflichtet fühle. Klimachefin Figueres forderte auch Fortschritte bei dem geplanten Klimafonds mit Hilfen für Entwicklungsländer zur Bewältigung der Erderwärmung. “Diese Fragen sind entscheidend für die Verhandlungen, kommen aber noch nicht voran“, sagte Figueres.

Die reichen Nationen hatten auf dem gescheiterten Weltklimagipfel in Kopenhagen bis zu 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Fonds versprochen. Die Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar (22 Milliarden Euro) für 2010 bis 2012 kommt aber erst langsam in Gang. Die Hilfsorganisation Oxfam hob die Bedeutung des Klimafonds hervor. “Die Schaffung eines Klimafonds, der den ärmsten Männern und Frauen hilft, sich dem Klimawandel anzupassen, wird Menschenleben retten und könnte helfen, die Hoffnungen auf ein Klimaabkommen zu wahren“, sagte Kelly Dent von Oxfam.

dpa

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