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Feigen sind nicht vegan - in jeder Frucht steckt eine tote Wespe, die mitgegessen wird

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Von: Franziska Schuster

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Feigenfrüchte aufgeschnitten und ganz
Streng genommen sind Feigen nicht vegan. Denn beim Bestäubungsprozess sterben Wespen in den Blüten. © Z Jan/omago images

Auch wenn Feigen zum Obst zählen - nicht jede Sorte ist vegan. Der Grund dafür liegt in der Befruchtungsmethode.

Stuttgart - Wer gerne frisches Obst isst, kennt die Gefahr: In ungespritzten Früchten wie Äpfel, Kirschen und Co. können sich Bewohner eingenistet haben. Allein der Gedanke, in ein Insekt zu beißen, lässt vielen die Haare zu Berge stehen. Vor allem Fans von Feigen wird es nun schütteln, denn die Früchte sind alles andere als vegan: Wer Feigen isst, verspeist dabei auch tote Wespen. Grund ist das Bestäubungsverfahren des Feigenbaumes.

Wespen verenden bei der Bestäubung in Blüten des Feigenbaumes

Bei der Bestäubung von Blüten spielen Insekten eine große Rolle. Im Fall der Feigen sind es Wespen, die dafür sorgen, dass die Pollen der Blüten von Pflanze zu Pflanze getragen werden. Doch wie gelangen die Insekten dabei in die Frucht? Um das zu verstehen, muss der Bestäubungsprozess näher erklärt werden. Die sogenannte Essfeige hat nur weibliche Blüten. Um sich zu vermehren, ist die Essfeige auf die Pollen der ungenießbaren Bocksfeige angewiesen. In den Blüten der Bocksfeige wachsen die Feigenwespen heran.

Feigen an einem Feigenbaum
Viele Feigenbaumsorten sind auf die Bestäubung durch Wespen angewiesen. © IMAGO/Rene Traut

Sind sie ausgewachsen, verlassen die flugfähigen, weiblichen Feigenwespen die Blüten, um ihre Eier in andere Bocksfeigenblüten zu legen. Fliegen die Wespenweibchen dabei aus einer männlichen Blüte, bleibt Blütenstaub an ihren Körpern haften. Die weiblichen Wespen fliegen sowohl in die weiblichen Blüten der Bocksfeigen, als auch in die der Essfeigen. Da die Öffnung der nach innen gekehrten Blüten sehr eng sind, verlieren die Weibchen dabei ihre Flügel. Dadurch wird zwar die Blüte bestäubt, die Wespe aber verendet in ihr.

Vegan oder nicht? Einige Feigen-Sorten kommen ohne Wespen-Bestäubung aus

Die Blüte reift schließlich zur Feige, das Insekt wird dabei durch ein Enzym namens Ficin in der Frucht verdaut, die Wespe löst sich komplett auf. Was bleibt, ist ein Abbauprodukt der toten Wespe. Ist die Feige somit gar nicht vegan? Streng genommen kann die Frucht dennoch als vegan durchgehen. Schließlich ist in der fertigen Feige kein totes Tier zu finden, sondern, wie in anderen Lebensmitteln auch, lediglich ein Abbauprodukt davon. Andere Argumentationen sagen allerdings, dass der Tod der Wespen die Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Früchte überhaupt heranwachsen können. Was für viele überraschend sein dürfte: In Hinblick auf die Insekten sind auch Avocado, Kürbis und Mandeln nicht vegan.

Ob man als Veganer oder auch als Vegetarier weiterhin Feigen essen möchte, bleibt somit jedem selbst überlassen. Wer ganz sicher gehen möchte, kann zu Alternativen greifen. Neben der Echten Feige und der Bocksfeige gibt es auch Feigensorten, die für die Entwicklung der Früchte nicht auf die Feigenwespe angewiesen sind. Sorten wie „Brown Turkey“, „Negronne“ oder „Valle Negra“ können sich selbst befruchten und sind in diesem Sinne vegane Feigen. Vor allem in Regionen, in denen die Feigenwespen nicht vorkommen, sind solche Sorten verbreitet.

Mittlerweile gibt es für viele Lebensmittel vegane Alternativen. Ein Rewe-Markt in Kaarst (Nordrhein-Westfalen) hat für seine veganen Kunden ein besonderes Angebot. Die Kunden feiern den Markt für seine vegane Fleischtheke.

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