Evakuierung abgeschlossen

Fährunglück: Einsatzkräfte stürzen in den Tod

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427 Menschen wurden von der brennenden Fähre „Norman Atlantic“ gerettet - aber von Dutzenden, die auf der Passagierliste standen, ist der Verbleib unklar.

Rom - Die Evakuierung ist abgeschlossen, die Suche nach Opfern aber noch nicht. Bei dem Versuch die havarierte Fähre abzuschleppen, starben nun zwei Einsatzkräfte.

Nach dem Schiffsunglück in der Adria wächst die Befürchtung, dass weitere Menschen ums Leben gekommen sind. Bestätigt sind bisher zwölf Tote. Darunter sind zwei albanische Einsatzkräfte, die am Dienstag beim Abschleppversuch der „Norman Atlantic“ ums Leben kamen. Da es unterschiedliche Angaben zu der Passagierliste gab, wissen die Behörden nicht genau, wie viele Menschen an Bord waren.

Laut ursprünglicher Passagierliste waren es 478, gerettet wurden 427. Die griechische Anek Lines korrigierte die Zahl der Passagiere an Bord am Dienstag auf 475. Da unter den Geretteten auch blinde Passagiere waren, wurde befürchtet, dass mehr illegale Einwanderer an Bord waren. Die italienische Marine teilte am Dienstag mit, dass die Suche nach möglichen Opfern weitergehe.

Nach dem Fährunglück konnten nach Angaben des Auswärtigen Amtes bislang 17 Deutsche gerettet werden. Bei zwei weiteren Fällen dauerten die Nachforschungen noch an, da die Situation vor Ort noch unübersichtlich sei und die Geretteten erst nach und nach und in verschiedenen Häfen an Land kämen, teilte eine Sprecherin des Außenamtes der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. „Es liegen derzeit keine Hinweise darauf vor, dass Deutsche unter den Opfern dieser Schiffskatastrophe sind.“ Die Bundesregierung danke allen, die in Italien, Griechenland und Albanien an der schwierigen Rettungsmission beteiligt seien.

Nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt wurden auch Menschen gerettet, die nicht auf der ursprünglichen Passagierliste standen. Etwa 20 Unbekannte waren unter den Geretteten, die eine griechische Militärmaschine im italienischen Bari aufnehmen sollte, wie der griechische Minister für Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis, am Montagabend sagte.

Das Schiffswrack wurde beschlagnahmt und sollte nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa in den albanischen Hafen Vlora geschleppt werden. An der Bergung ist auch die niederländische Firma Smit beteiligt, die schon bei der Bergung der „Costa Concordia“ geholfen hatte.

Fähr-Unglück: Bilder von der Rettung

Fähr-Unglück: Bilder von der Rettung

Gegen den italienischen Kapitän Argilio Giacomazzi und den Eigentümer der italienischen Reederei Visemar, Carlo Visentini, leitete die Staatsanwaltschaft in Italien nach Angaben der Agentur Ansa Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie ein. Der italienische Kapitän hatte als letzter das Schiff verlassen, auf dem am Sonntagmorgen auf dem Weg von Patras nach Ancona ein Brand ausgebrochen war.

Aussagen von Geretteten legten nahe, dass auf den Autodecks schlafende Lkw-Fahrer ums Leben gekommen sein könnten. Eine Lkw-Fahrerin sagte gegenüber griechischen Medien: „Drei meiner Kollegen sind umgekommen.“ Die Trucker hätten in der Fahrerkabine geschlafen. Niemand hätte die Passagiere rechtzeitig alarmiert. Das Feuer war vermutlich im Autodeck ausgebrochen.

Weitere Überlebende des Fährunglücks in der Adria wurden in italienischen Häfen erwartet. Die Ankunft des Marineschiffs „San Giorgio“ mit etwa 180 Geretteten an Bord verzögere sich allerdings. Das Schiff sei immer noch in der Nähe der „Norman Atlantic“, um bei der Suche nach Opfern zu helfen, teilte die Marine mit. Eigentlich war das Boot am Morgen in der süditalienischen Stadt Brindisi erwartet worden. Ein weiteres Schiff mit 39 Geretteten sollte im Hafen von Manfredonia in der Region Apulien eintreffen.

Ein geretteter Lkw-Fahrer klagte im griechischen Fernsehen, von der Besatzung sei keinerlei Hilfe gekommen. „Es gab keinen Feueralarm, der Rauch hat uns geweckt. Wir mussten Wasser vom Deck trinken und uns mit dem zudecken, was wir gerade finden konnten.“ Auch die Retter hätten sich nicht gekümmert. „Wir waren zwischen Feuer und Wasser, und niemand hat geholfen. Sie haben nicht eine Flasche Wasser oder eine Decke für die Kinder abgeworfen, und die waren zum Teil in Unterwäsche. Es war ein schwimmender Vulkan.“

dpa

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