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SpaceX-Mission „Inspiration4“: Laiencrew beginnt mehrtägigen Ausflug ins Weltall

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Von: Tanja Banner

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Eine SpaceX Falcon 9 Rakete mit vier Privatpersonen an Bord hebt von der Rampe 39A des Kennedy Space Centers ab.
Eine SpaceX Falcon 9 Rakete mit vier Privatpersonen an Bord hebt von der Rampe 39A des Kennedy Space Centers ab. © dpa

Die Weltraumtourismus-Mission „Inspiration4“ von SpaceX schickt vier Privatleute hinaus ins Weltall – die erste All-Mission ohne Profis an Bord.

Update vom Donnerstag, 16.09.2021, 05.30 Uhr: Jared Isaacman war begeistert. „Die Ausblicke sind spektakulär“, jubelte der 38-jährige, der als dritter Milliardär nach Richard Branson und Jeff Bezos ins All gestartet war. Zusammen mit Hayley Arceneaux, Sian Proctor und Chris Sembrosk bildet Isaacman die Crew, die nur mit Laien besetzt ist. An Bord ist kein ausgebildeter Profi, die Kapsel fliegt weitgehend automatisch.

Der Start verlief reibungslos. Die SpaceX-Rakete vom Typ Falcon 9 hob um kurz nach 20.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr MESZ) vom Kennedy Space Center im Bundesstaat Florida ab. Rund zwölf Minuten nach dem Start löste sich die „Dragon“-Raumkapsel mit den Passagieren von der zweiten Antriebsstufe der Rakete.

Der Start sei „ein bedeutender Meilenstein beim Streben danach, das All für alle zugänglich zu machen“, kommentierte Nasa per Twitter. Die US-Raumfahrtbehörde stellte die Infrastruktur für den Start, ist aber sonst an der dreitägigen Mission des Weltraumtourismus nicht beteiligt. 

Die Crew der SpaceX-Mission „Inspiration4“ besteht aus vier Laien (v.l.): Chris Sembroski, Sian Proctor, Jared Isaacman und Hayley Arceneaux.
Die Crew der SpaceX-Mission „Inspiration4“ besteht aus vier Laien (v.l.): Chris Sembroski, Sian Proctor, Jared Isaacman und Hayley Arceneaux. © Inspiration4/dpa

SpaceX-Mission „Inspiration4“: Vier Privatleute fliegen weiter hinaus ins Weltall als die Profis

Erstmeldung vom 15.09.2021: Kennedy Space Center – Wenn in der Nacht von MIttwoch (15.09.2021) auf Donnerstag im Kennedy Space Center in Florida eine vierköpfige Crew ihre Raumkapsel besteigt, nimmt etwas Historisches seinen Lauf: Kein Mitglied der Crew ist ausgebildeter Astronaut oder ausgebildete Astronautin. Trotzdem wird eine SpaceX*-Rakete die „Crew Dragon“-Raumkapsel mit den vier Personen an Bord ins Weltall schießen – das Ziel ist die Erdumlaufbahn. Drei Tage sollen die vier Laien-Astronaut:innen die Erde in einer Höhe von 575 Kilometern umkreisen, dann soll die Kapsel vor der Küste Floridas wassern.

Es ist die Mission „Inspiration4“, die die Milliardäre Elon Musk* und Jared Isaacman Anfang des Jahres angekündigt hatten*. Isaacman hat den Raumflug bei Musks Unternehmen SpaceX gebucht und kommt für die Kosten auf, die drei weiteren Crewmitglieder hat er – teilweise im Rahmen eines Gewinnspiels – ausgesucht. So entstand eine recht diverse Crew, bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: Keiner von ihnen war jemals im Weltall.

Weltraumtourismus-Mission „Inspiration4“: SpaceX fliegt vierköpfige Laien-Crew in Erdorbit

Dann enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Während Milliardär Isaacman Kampfflugzeuge fliegt und Flug-Weltrekorde hält und die Teilnehmerin Dr. Sian Proctor bereits in der engeren Auswahl als Nasa-Astronautin war, hat die zweite Teilnehmerin Hayley Arceneaux keinerlei Berührungspunkte mit dem Weltall. Im Gegenteil: Als sie von ihrer Auswahl erfuhr, fragte sie naiv, ob sie nun „zum Mond“ fliegen werde – nur um zu erfahren, dass seit vielen Jahrzehnten keine Menschen mehr auf dem Mond waren. Diese Frage hätte der Vierte im Bunde, Chris Sembroski, nicht gestellt: Er interessiert sich schon lange für Raumfahrt und arbeitet in der Branche.

SpaceX: Auf die Crew der „Inspiration4“-Mission wartet Historisches

Zwar fliegt die „Inspiration4“-Crew nicht zum Mond, sie hat jedoch trotzdem etwas Außergewöhnliches vor: 575 Kilometer wird sich die Raumkapsel von der Erde entfernen – seit der letzten Mondmission im Jahr 1972 war kein Mensch mehr so weit „draußen“ im Weltall und abgesehen von den „Apollo“-Astronauten gibt es bisher nur vier Menschen, die weiter von der Erde entfernt waren: Die Crews der Nasa-Missionen „Gemini 10“ (763 Kilometer) und „Gemini 11“ (1372 Kilometer). Die Internationale Raumstation ISS (ca. 420 Kilometer) und das Weltraumteleskop „Hubble“ (ca. 540 Kilometer) befinden sich beide näher an der Erde, als es die „Inspiration4“-Crew in Kürze sein wird.

Der Start der SpaceX-Mission ist für den 16. September 2021 ab 2.02 Uhr geplant. Dann öffnet sich das fünstündige Fenster für den Start, der an einem historischen Ort stattfindet: Startplatz 39A im Kennedy Space Center in Florida. Dort starteten sämtliche „Apollo“-Missionen zum Mond und viele Flüge der Space Shuttles, bevor sie eingemottet wurden. Mittlerweile hat SpaceX den Startplatz gepachtet und nutzt ihn für Starts der Rakete „Falcon 9“.

Die „Falcon 9“-Rakete von SpaceX steht im Kennedy Space Center bereit. Ganz oben zu sehen: Die „Crew Dragon“-Raumkapsel.
Die „Falcon 9“-Rakete von SpaceX steht im Kennedy Space Center bereit. Ganz oben zu sehen: Die „Crew Dragon“-Raumkapsel. © Inspiration4/dpa

„Inspiration4“-Mission: SpaceX gibt Startschuss für Weltraumtourismus

Dreimal sind SpaceX-Kapseln mit Personen an Bord von der Erde abgehoben und jedes Mal sind sie bisher zur Internationalen Raumstation ISS geflogen. Doch auch hier ist „Inspiration4“ eine Ausnahme: Die vierte astronautische Mission von SpaceX peilt nicht die Raumstation an, die US-Raumfahrtorganisation Nasa* ist in den Flug nicht involviert. Die Raumkapsel selbst ist weitgehend automatisiert, die Crew muss im Normalfall nicht eingreifen – andernfalls wäre es nicht möglich, eine Crew von Laien in der Kapsel ins Weltall zu schicken*.

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Nach den touristischen Ausflügen der Milliardäre Richard Branson und Jeff Bezos ins Weltall beginnt spätestens mit dem Start der SpaceX-Mission „Inspiration4“ das Zeitalter des Weltraumtourismus endgültig. Für jeden erschwinglich ist er dagegen noch längst nicht: Während ein Platz an Bord eines Virgin-Galactic-Weltraumflugs etwa 450.000 US-Dollar kosten soll, sind die Preise von SpaceX und Blue Origin noch nicht bekannt, dürften aber nicht günstiger sein. Für einen Platz in einer SpaceX-Kapsel, die zur ISS fliegt, sollen potenzielle Weltraumtourist:innen derzeit etwa 55 Millionen US-Dollar zahlen müssen, heißt es. (tab) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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