Skurrile Konstellation

Selbstjustiz in Mexiko - Erfolgreicher Austausch der Gefangenen 

San Miguel Totolapan - In manchen Teilen Mexikos stehen Gewaltverbrechen und Entführungen an der Tagesordnung. Banden sind oft Schuld daran. Ein Ort im Süden wollte sich das nicht mehr gefallen lassen.

Wütende Angehörige von Entführungsopfern in Mexiko haben nach der Freilassung eines verschleppten Ingenieurs auch die entführte Mutter eines Bandenchefs wieder freigelassen. María Félix de Almonte Salgado sei am Mittwoch der Polizei übergeben worden, teilte die Regierung des südlichen Bundesstaats Guerrero mit. 19 weitere Geiseln, die ebenfalls mit der Bande "Los Tequileros" (Die Tequila-Trinker) in Verbindung stehen sollen, würden "in den kommenden Stunden" freigelassen.

Entführungen als lukrative Einnahmequelle

Der Ingenieur Isauro de Paz Duque war am Sonntag von Mitgliedern der Bande "Los Tequileros" entführt worden, die in einer abgelegenen Region von Guerrero schon seit längerem mit Entführungen Geld verdient. Daraufhin griffen wütende Bewohner der Stadt San Miguel Totolapan zur Selbstjustiz: Sie schlossen sich zu einer Bürgerwehr zusammen und nahmen selbst rund 20 Menschen als Geiseln, darunter die Mutter des Bandenchefs Raybel Jacobo de Almonte alias "El Tequilero".

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Am Dienstag forderte die Ehefrau des verschleppten Ingenieurs von Almonte die Freilassung ihres Mannes: "Wir haben Ihre Mutter hier, Herr sogenannter 'El Tequilero'", erklärte Yadira Guillermo García in einem Video. "Ich schlage einen Austausch vor: Ihre Mutter gegen das Leben meines Mannes - ich will ihn wohlbehalten zurück." Am Mittwoch veröffentlichte die Bürgerwehr dann noch ein Video, in dem die betagte Mutter des Bandenchefs ihren Sohn darum bittet, den Ingenieur freizulassen. "Sohn, wenn du ihn hast, dann gib ihn bitte heraus", sagt die Mutter, die mit versteinertem Gesicht, aber ungefesselt in einem Raum sitzt. "Ich weiß, dass du ihn übergeben wirst, wenn du ihn hast. Mach es bitte."

Zur Deeskalation: Riesiges Soldaten- und Polizeiaufgebot

Die Behörden schickten rund 220 Soldaten und Polizisten nach San Miguel Totoloapan, um eine "Konfrontation" zu verhindern. Nach Angaben von Guerreros Gouverneur Hector Astudillo wurde schließlich ein Austausch des verschleppten Ingenieurs gegen Almontes Mutter vereinbart. Am Mittwoch ließen beide Seiten ihre Geiseln frei. Astudillo zeigte sich "zufrieden", dass De Paz wieder bei seiner Familie sei. Nicht nur im Bundesstaat Guerrero leidet die Bevölkerung seit Jahren unter der Brutalität und Gewalt, die häufig von rivalisierenden Drogenkartellen ausgeht. Mexiko gehört zu den Ländern mit den höchsten Mordraten weltweit.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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