Neues Virus G4 EA H1N1

Forscher entdecken neue Art der Schweinegrippe - löst sie bei uns eine Pandemie aus?

Neue Art der Schweinegrippe in China: Das Virus, das Forscher 2020 neu entdeckt haben, heißt G4 EA H1N1. Droht die nächste Pandemie, obwohl Corona noch längst nicht überstanden ist?

  • Forscher in China haben eine neue Art der Schweinegrippe - ausgelöst durch den Erreger G4 - entdeckt.
  • Das Schweinegrippe-Virus G4 könnte den Wissenschaftlern zufolge Menschen infizieren.
  • Offenbar hat das Virus G4 ähnlich wie das Coronavirus im Jahr 2020 Pandemie-Potenzial

China - Corona ist noch längst nicht ausgestanden, da kommen im Jahr 2020 schon Bedenken wegen einer weiteren möglichen Pandemie auf, wie wa.de* berichtet. Forscher in China haben ein Virus namens G4 EA H1N1 entdeckt - abgekürzt heißt es auch einfach G4. Das Virus löst eine Art der Schweinegrippe aus, die die Forscher neu entdeckt haben. Auch eine Pandemie unter Menschen könnte den Erkenntnissen nach durch das Virus ausgelöst werden.

China
HauptstadtPeking
Bevölkerung1,393 Milliarden (Stand 2018)
RegierungssystemSozialistisches Einparteiensystem

Das Virus G4 besitze „alle wesentlichen Eigenschaften, um Menschen infizieren zu können“, heißt es in einem am Montag, 29. Juni 2020, in der US-Fachzeitschrift PNAS („Proceedings of the National Academy of Sciences“) veröffentlichten Artikel der Forscher aus China zu der Variante der Schweinegrippe. Diese Erkenntnisse werden ausgerechnet jetzt bekannt, wo die Corona-Pandemie längst noch nicht ausgestanden* ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte einmal mehr, dass die Corona-Pandemie noch lange nicht vorbei sei.

Schweinegrippe/G4 in China: Forscher entdecken 2020 Erreger mit Pandemie-Potenzial, der vom H1N1-Virus abstammt

Wie die Forscher mehrerer Universitäten in China und des chinesischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung und -prävention in der Fachzeitschrift darlegten, stamme der Erreger G4 vom H1N1-Virus ab. Bei vielen dürfte das Erinnerungen wecken: Das H1N1-Virus hatte 2009 eine Schweinegrippe-Pandemie ausgelöst und weltweit rund 18.500 Tote gefordert - es wurde aber recht schnell unter Kontrolle gebracht.

Landwirt Huang Demin treibt in dem Dorf Guanshan im Landkreis Ningxiang (China) seine Schweine in den Stall. Wissenschaftler haben ein neues Schweinegrippe-Virus identifiziert, von dem in Zukunft die Gefahr einer weiteren Pandemie ausgehen könnte - und all das zu einem Zeitpunkt, an dem Corona längst nicht besiegt ist. Das Virus mit dem Namen G4 EA H1N1 kann auch Menschen infizieren, heißt es in einer neuen Studie.

Die Corona-Pandemie 2019/2020 ist übrigens keineswegs Anlass für die Studie der Forscher aus China zu G4. Diese läuft schon sehr viel länger. Die Wissenschaftler um George Gao nahmen 30.000 Nasenabstriche von Schweinen in Schlachthöfen in zehn chinesischen Provinzen sowie in einer Tierklinik - und das schon zwischen 2011 und 2018. 179 verschiedene Schweinegrippe-Viren konnten dabei isoliert werden. Darunter waren die meisten von einer neuen Art, die seit 2016 vermehrt bei Schweinen auftritt.

Auch das Coronavirus hat sich in Deutschland zuletzt besonders in Schlachtbetrieben ausgebreitet, insbesondere im Zerlegebetrieb der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh/NRW)*. Nach bisherigen Erkenntnissen liegt die massive Ausbreitung aber hauptsächlich an der heruntergekühlten Luft in dem Betrieb, die nicht mit Frischluft angereichert, sondern lediglich in einer Anlage aufbereitet wird.

Schweinegrippe/G4: Forscher aus China führen Experimente an Frettchen durch, um Gefahr für Menschen zu beurteilen

Im nächsten Schritt führten die Forscher aus China auch Experimente an Frettchen durch. Auf diese Tiere wird in Grippestudien zurückgegriffen, weil sie - infiziert mit einem Virus - ähnliche Symptome wie Menschen entwickeln. Bei diesen Experimenten im Zusammenhang mit der neuen Art der Schweinegrippe konnten die Forscher beobachten, dass G4 hochinfektiös ist und bei den Frettchen schwerwiegendere Symptome verursacht als andere Viren. Außerdem vermehrt sich der Erreger den Untersuchungen zufolge in menschlichen Zellen. Grund also zur Sorge vor einer Pandemie ähnlich wie Corona im Jahr 2020?

Dass Menschen durch die saisonal auftretende Grippe eine gewisse Immunität gegen manches Virus gewinnen, bringt ihnen im Zusammenhang mit der neuen Art der Schweinegrippe/G4 wenig. Tests zeigten, dass die Immunität keinen Schutz vor G4 bietet - was die Forscher wiederum in puncto Pandemie in Alarmbereitschaft versetzt.

Schweinegrippe/G4 in China: Menschen haben Antikörper gegen Virus im Blut - Gefahr einer Pandemie?

So kommt es nach Auskünften der Wissenschaftler aus China offenbar auch, dass bereits 10,4 Prozent der Mitarbeiter von Schweinezucht- und -schlachtbetrieben infiziert waren. Diese Beschäftigen in der Schweinehaltung hatten im Blut Antikörper gegen den Erreger. Ähnlich wie das Coronavirus springt auch das Virus G4 wohl schnell über - und gibt Anlass zur Sorge vor einer Pandemie. Laut den Wissenschaftlern seien auch 4,4 Prozent der Bevölkerung - abseits der Arbeit mit Schweinen - dieser Art des Schweinegrippe-Virus ausgesetzt gewesen. Das alles fanden die Forscher durch Antikörpertests heraus.

Schweine gelten als wichtige Überträger von Influenza-Viren, weil sie sich mit Influenza-Viren sowohl von Vögeln als auch von Menschen anstecken können.

Schweinegrippe/G4 in China: Sorge vor weiterer Pandemie nach Corona - Virus von Mensch zu Mensch übertragbar?

Zwar gibt es bislang keinen Nachweis dafür, die größte Sorge der Forscher aus China ist aber, dass die neue Variante der Schweinegrippe, ausgelöst durch G4, von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Es sei besorgniserregend, dass sich das Virus an den Menschen anpasse und sich damit das Pandemie-Risiko erhöhe, schrieben die Studienautoren 2020 in der Fachzeitschrift.

James Wood, Leiter der Abteilung für Veterinärmedizin an der Universität Cambridge, findet deutliche Worte. Die Studie zur Schweinegrippe (G4) sei „eine Erinnerung daran, dass wir ständig dem Risiko des erneuten Auftretens zoonotischer Krankheitserreger ausgesetzt sind und dass Nutztiere, mit denen der Mensch mehr Kontakt hat als mit Wildtieren, als Quelle für wichtige Pandemieviren dienen können“. Springt ein Erreger von einem Tier auf einen Menschen über, spricht man von einer zoonotische Infektion.

Schweinegrippe/G4: China will Ausbreitung des Virus verhindern

Wie Zhao Lijian, chinesicher Außenamtssprecher, in Bezug auf die neuen Ergebnisse der Forscher zu G4 aus 2020 sagte, beobachte China die Entwicklung dieser Schweinegrippe aufmerksam und werde alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die Corona-Pandemie hat es 2020 weltweit eindeutig gezeigt: Es können nicht früh genug Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung eines für den Menschen gefährlichen Virus rechtzeitig einzudämmen. Die Forscher aus China fordern nicht zuletzt deshalb - auch in Bezug auf die neu entdeckte und vom Erreger G4 ausgelöste Art der Schweinegrippe - regelmäßige Untersuchungen von Menschen, die mit Schweinen arbeiten.

Ein Mundschutz und eine Schutzbrille sind in einem Besprechungszimmer der „Task-Force Infektiologie“ am Flughafen München vor einer Landkarte zu sehen. Die „Task-Force Infektiologie“ kämpft gegen unsichtbare Gegner, die eine Pandemie auslösen könnten: Gegen SARS, die Schweinegrippe, gegen Lassafier, Masern und Windpocken. Auch das neue Virus G4 dürfte dort Thema sein.

Nicht aber die Schweinegrippe bzw. deren Erreger G4 hält China und die Welt in Atem. Alles in allem ist es die Corona-Pandemie, die derzeit die weitreichenden Gefahren durch neuartige Erreger vor Augen führt. Inzwischen sind auf der ganzen Welt bereits mehr als zehn Millionen Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen worden, mehr als eine halbe Million Infizierte starben.

Alle Menschen wünschten sich 2020 ein Ende der Pandemie, damit sie wieder ihr gewohntes Leben führen können, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montagabend. „Aber die harte Realität ist es, dass es nicht einmal annähernd vorbei ist.“ Auch wenn viele Länder Fortschritte im Kampf gegen das Virus gemacht hätten, nehme die Pandemie global derzeit an Fahrt auf.

Aber die harte Realität ist es, dass es nicht einmal annähernd vorbei ist.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Insbesondere breitet sich der Corona-Erreger derzeit in Lateinamerika aus. Auch im bevölkerungsreichen Indien steigen die Infektionszahlen. Dramatisch ist die Pandemie-Lage im weltweit am schwersten betroffenen Land USA. Dort hat sich das Infektionsgeschehen im Laufe des Jahres 2020 mittlerweile in die südlichen und westlichen Bundesstaaten verlagert - da dürfte wohl kaum jemand ausgerechnet an die Schweinegrippe denken.

Schweinegrippe/G4 in China: Neue Pandemie? Und das, wo Corona auch in Deutschland noch nicht besiegt ist?

Auch in Deutschland ist die Coronavirus-Pandemie noch lange nicht besiegt. Etwa in der Stadt Hamm bei Dortmund in NRW werden immer wieder neuer Infektionen bekannt, wie wa.de* auch via Facebook berichtet:

Das Coronavirus war übrigens vor mindestens einem halben Jahr erstmals bei Menschen in China aufgetreten. Die WHO will laut Tedros daher kommende Woche ein Expertenteam in die Volksrepublik schicken, um die Ursprünge der Pandemie zu erforschen.

Schweinegrippe/G4 in China: Neues Virus darf nicht aus den Augen verloren werden, auch wenn Corona-Pandemie die Welt in Atem hält

So fordernd die Bekämpfung der Corona-Pandemie im Jahr 2020 auch ist - andere möglicherweise gefährliche Viren - wie jene Erreger, die Schweinegrippe auslösen, dürften trotzdem nicht aus dem Fokus geraten, wie der an der Studie zum Virus G4 beteiligte Veterinärmediziner Kin-Chow Chang von der Universität Nottingham sagte: „Wir sind derzeit zu Recht mit dem Coronavirus abgelenkt. Aber wir dürfen neue potenziell gefährliche Viren nicht aus den Augen verlieren.“ - Mit Material von afp und dpa. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Guo Quan/FEATURECHINA/dpa

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