Etliche Frauen feiern die Aktion

Schul-Arbeitsblatt schockiert Mutter - dann setzt sie ein deutliches Zeichen

Lynne Polvino aus New York half ihrer sechs Jahre alten Tochter bei den Hausaufgaben. Doch als sie sich das Arbeitsblatt genauer ansah, war sie geschockt.  

New York –  Weil sie die Hausaufgabe ihrer Tochter als „Schlag in die Magengrube“ empfand, fackelte die Amerikanerin Lynne Polvino nicht lange und schrieb sie kurzerhand um. Der Mutter einer sechsjährigen Tochter passte die Erzählweise der Geschichte, in der die Kinder fehlende Wörter ergänzen mussten, nämlich gar nicht. Der Grund: In dem Lückentext mit dem Titel „Zurück in der Arbeit“ geht es um eine Frau, die nach ihrer Zeit zuhause wieder anfängt zu arbeiten und ihre Tochter damit sehr traurig macht.

Der Text beginnt so: „Lisa war nicht glücklich. Ihre Mutter ging wieder zur Arbeit.“ Lisa hat einen schrecklichen Tag: Der Morgen ist nun stressig, alle müssen sich beeilen. Das Frühstück, das ihr Vater zubereitet hat, schmeckt nicht, und auf dem Nachhauseweg von der Schule grübelt das Mädchen, ob ihre Mutter noch genug Zeit für sie habe. Trotz des Happy-Ends – wegen ihrer Tochter arbeitet die Mutter nicht so lange – ärgerte sich Polvino über die negative und anachronistische Darstellung der Rollenbilder in der Familie.

Um ihrem Ärger Luft zu machen, schrieb sie die Geschichte um 

Polvino war geschockt von der negativen Geschichte: „Das löste so viel in mir aus, und mit jedem Satz wurde es schlimmer“, sagte die Mutter den amerikanischen today-Nachrichten. „Schock und Entsetzen wandelten sich schnell in Wut. In welchem Jahrzehnt sind wir?“ Worüber sich die Kinderbuchverlegerin weiter empört: In der heutigen Zeit werde Kindern noch immer erzählt, dass Mütter, die arbeiten, ihre Kinder und Familien unglücklich machen und dass Väter normalerweise Dinge wie Kochen oder Abspülen nicht machen. 

Während sich die sechs Jahre alte Hazel eher darauf konzentrierte, die Lücken mit den richtigen Wörtern zu füllen, kam Polvino immer mehr ins Grübeln. Sie fragte sich, welche Botschaft die Geschichte den Kindern in Hazels Klasse vermittelt, deren Mütter arbeiten gehen. „Welche Botschaft erhalten kleine Mädchen, die sowohl von Beruf als auch von Familie träumen?“, fragt Polvino. „Und was ist mit all den anderen berufstätigen Müttern – haben sie sich beim Lesen, wie ich, gefühlt, als hätten sie einen Schlag in die Magengrube bekommen?“ 

Um ihrem Ärger Luft zu machen, entschied sich die Mutter, die Hausaufgabe umzuschreiben. Entstanden ist eine positive Geschichte, „um die Art von Welt, in der ich leben möchte, zu reflektieren. Die Art von Welt, in der meine Kinder leben sollen, wenn sie alt genug für Jobs und Familien sind“, erklärt die zweifache Mutter laut today

Lehrerin gibt zu: Arbeitsblatt sei „veraltet“

Polvinos Protagonistin Lisa ist nämlich glücklich, dass ihre Mutter wieder arbeiten geht. Der ganze Tag verläuft wundervoll für die Familie. Mutter und Tochter müssen pünktlich los. Lisas Vater, der in Elternzeit ist, um sich um Lisas jüngeren Bruder zu kümmern und sich mit seiner Frau den Haushalt teilt, bleibt zuhause. Niemand ist in Eile, denn der Vater hat „alles unter Kontrolle“. Das Frühstück schmeckt sehr gut, und in der Schule hat das Mädchen viel Spaß. Auf dem Nachhauseweg fragt sie sich, ob sie auch eine Ingenieurin werden würde wie ihre Mama, oder Lehrerin oder etwas anderes. „Ich kann alles machen!“ Zuhause wartet ihre Mutter schon auf sie, die ganze Familie ist zusammen. „Lisa war froh, dass sie in einer Gesellschaft frei von Geschlechter-Vorurteilen und Frauenfeindlichkeit aufwuchs“, lautet der letzte Satz von Polvinos Geschichte.

Wie today berichtet, schickte die Mutter ihre Version zwar nicht an Hazels Schule in Queens, schrieb der Lehrerin ihrer Tochter jedoch eine Mail. Diese stimmte zu, dass das Arbeitsblatt „veraltet“ sei und versprach, die Aufgaben in Zukunft sorgfältiger zu kontrollieren.  Ihr Facebook-Post wurde über 1800 Mal geteilt und mehr als 300 Mal kommentiert. Etliche Frauen bedanken sich bei Polvino, finden ihre Reaktion großartig und erzählen von ihren eigenen Erlebnissen. Kommentare wie „Diese Mama rockt“ und „Daumen hoch“ ist dutzendfach zu lesen. Ein Nutzer fasst zusammen, was der Großteil denkt: Polvinos Aktion sei enorm wichtig, um die Augen dafür zu öffnen, vermeintlich kleinen Dingen ebenfalls Bedeutung beizumessen, um die Orientierung der jungen Generation zu ändern. 

Die Balance zwischen Familie und Beruf ist nicht einfach. Beides zu vereinen, bereitet Eltern in Deutschland laut einer Umfrage oft große Probleme. Vor allem für Alleinerziehende ist der Alltag oftmals schwierig, aber auch mit Partner finden es viele Mütter nicht einfach, ihre Kinder großzuziehen. Außerdem müssen sich Frauen in Deutschland oft noch zwischen Karriere und Kindern entscheiden.

mh

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