Online-Umfrage

Schüler lernen bis zu 45 Stunden pro Woche

Berlin - Schule und Hausaufgaben nehmen bei Kindern einer Umfrage zufolge den weitaus größten Raum im Alltag ein. Viele Jugendliche arbeiten für die Schule so viel wie Erwachsene in Vollzeitjobs.

Kinderschutzverbände fordern mehr Freiräume für die Jüngsten. Mehr als 38,5 Stunden pro Woche arbeiten Kinder und Jugendliche im Schnitt in der oder für die Schule, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten UNICEF-Umfrage anlässlich des Weltkindertages (20. September) hervorging. Mit zunehmendem Alter steigt die Arbeitsbelastung - in den Klassen 9 bis 13 bis zur 45-Stunden-Woche. Dieser eng gesteckte Rahmen raubt den Kindern notwendige Zeit zum Spielen und zur Erholung, wie mehrere Organisationen kritisieren. Der Weltkindertag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Kinder brauchen Zeit!“

Bei der Altersgruppe bis einschließlich sechs Jahren liegt der Umfrage des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen zufolge der Zeitaufwand für die Schule bei rund 31 Wochenstunden, bei den Sieben- bis Zwölfjährigen sind es mehr als 37 Stunden. Ab 13 Jahre arbeiten die Jugendlichen fast 44 Wochenstunden in der oder für die Schule.

Die Kinderschutzorganisation World Vision warnte vor starker Erschöpfung. „Zeit zur Erholung und Freiraum zum Spielen ist wichtig für das Wohlbefinden von Kindern und fördert ihre Entwicklung besser als manches strukturierte Lernprogramm“, sagte Andrea Müller de Merino, Bildungsreferentin des Kinderhilfswerks. „Beim scheinbaren Nichtstun passiert in Wirklichkeit sehr viel“.

Zeitliche Vorgaben beim Medienkonsum gefordert

An der UNICEF-Online-Umfrage beteiligten sich seit Juni rund 2.000 Mädchen und Jungen. In einem Wochenplan hatten sie ihren Tagesablauf von 7.00 Uhr bis 22.00 Uhr beschrieben.

Nach den schulischen Verpflichtungen verbringen Kinder die meiste Zeit mit der Familie (18 Stunden pro Woche) und dem Faulenzen oder Musikhören (gut 15 Stunden). Danach folgen Computerspiele und Fernsehen (fast 14 Stunden). Letzteres ist vor allem bei Jungen beliebt. Mehr als 17 Stunden pro Woche sitzen sie nach eigener Einschätzung vor der Konsole, dem PC oder dem Fernseher. Bei Mädchen sind es rund zehn Stunden.

Die Initiative „Schau hin! Was Deine Kinder machen.“ ermahnte Eltern, Kindern zu einem klar begrenzten, sinnvollen Medienkonsum zu verhelfen. Ihnen müsse Zeit bleiben, sich mit anderen zum Spielen zu treffen, Hobbys zu pflegen oder einfach nur auszuspannen. Daher seien klare zeitliche Vorgaben beim Medienkonsum nötig.

Der UNICEF-Umfrage zufolge kommen bei beiden Geschlechtern und in allen Altersgruppen Hobbys wie Sport im Verein, Musik machen, Haustiere oder Nebenjobs zu kurz. Diese nehmen rund acht Stunden pro Woche ein.

Steinbach: Kampf gegen Missbrauch stärken

Die Deutsche Kinderhilfe forderte Bundesregierung und -tag derweil auf, religiöse Beschneidungen bei Jungen nicht überstürzt zu legalisieren. Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, mahnte anlässlich des Weltkindertages zu stärkeren Bemühungen im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern.

„Nach wie vor werden auf abscheuliche Art und Weise in zahlreichen Staaten der Welt Kinder ihrer Kindheit und Würde beraubt. Sie werden aus ihren Familien gerissen, als Arbeitssklaven, Soldaten und Prostituierte verkauft, gedemütigt, diskriminiert und brutal ausgebeutet“, sagte Steinbach.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd (Symbolbild)

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