Bislang 254 Todesopfer

Schlammlawine in Kolumbien: Suche nach Überlebenden geht weiter

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Unwetterkatastrophe in Kolumbien

Mocoa - Nach der verheerenden Schlammlawine in der kolumbianischen Stadt Mocoa mit mehr als 250 Todesopfern haben Behörden und Einwohner mit der Bewältigung der Katastrophe begonnen.

Präsident Juan Manuel Santos überwachte am Sonntag die Aufräumarbeiten, Gesundheitsexperten wurden in die Stadt entsandt. Rettungskräfte suchten unterdessen weiter unter Schlamm und Geröll nach Lebenszeichen. Einwohner der Kleinstadt sagten, die Katastrophe sei vorhersehbar gewesen.

Nach Angaben von Präsident Juan Manuel Santos wurden bis zum Sonntag 254 Tote geborgen, unter ihnen 43 Kinder. Mindestens 203 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Helfer gaben die Hoffnung auf weitere Überlebende noch nicht auf: "Wir liegen noch in den 72 Stunden nach der Katastrophe", in denen noch Überlebenschancen bestehen, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes.

Überall herrschte Chaos: Helfer nutzten herumliegende Matratzen als Gehwege

Die Strom- und Wasserversorgung in der 40.000-Einwohner-Stadt konnte vorerst nicht wiederhergestellt werden. Santos kündigte an, dass vier mobile Stationen zur Aufbereitung von Trinkwasser eingerichtet werden, "um eine Epidemie und eine größere Gesundheitskrise zu verhindern". Überall herrschte Chaos: Aus dem Schlamm ragten fortgespülte Autowracks, entwurzelte Bäume, Kinderspielzeuge und Schuhe. Helfer nutzten herumliegende Matratzen als Gehwege.

Überlebende berichteten von ihren schlimmen Erlebnissen. "Ich habe nach meiner Nichte gesucht", sagte die 38-jährige Marta Gomez. "Ich habe sie nicht gefunden." Beim hartnäckigen Graben habe sie dann einen schrecklichen Fund gemacht: "Es war die Hand eines Babys, es war furchtbar." Die Hoffnung auf das Wiederfinden ihrer Nichte gab Gomez auf. "Der Schlamm hat sie fortgetragen, ich werde sie nie wieder sehen."

Carlos Acosta berichtete, wie er mit seinem dreijährigen Sohn Camilo im Arm von der Schlammlawine im Schlaf überrascht wurde. "Ich war kurz davor, zu ersticken", sagte der 25-Jährige in einer Notunterkunft. "Ich habe einen Finger in den Hals gesteckt und sehr viel Schlamm erbrochen, so konnte ich wieder atmen." Die ins Haus eindringenden Wassermassen rissen ihn und seinen Sohn fort. Er wurde bewusstlos - und als er wieder zu sich kam, war Camilo verschwunden.

Die Farc-Guerilla bot überraschend ihre Hilfe an. Chefunterhändler Iván Márquez sagte, die Rebellen hätten den Wunsch geäußert, nach Mocoa zu gehen, um dort zu arbeiten und beim Wiederaufbau zu helfen. In Mocoa leben viele Vertriebene des inzwischen beigelegten Konflikts zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc - vor allem in den besonders betroffenen ärmeren Vierteln der Stadt.

Sintflutartige Regenfälle hatten am Freitagabend Schlammlawinen ausgelöst. Sie wälzten sich durch die Straßen und rissen ganze Häuser, zwei Brücken, Autos und Bäume fort.

Einwohner sagten, die Katastrophe sei vorhersehbar gewesen 

Der 22-jährige Wilson Chilito, der mindestens vier Angehörige verlor, warf den Behörden vor, sie hätten die Bedrohung "auf die leichte Schulter genommen". "Es gibt einen Dokumentarfilm, in dem es heißt, dieses Gebiet sei gefährdet", sagte Chilito, der im Alter von zehn Jahren als Flüchtling des Farc-Konflikts nach Mocoa gekommen war.

"Man glaubt es immer erst, wenn es passiert", sagte der 46-jährige Arturo Heras, dessen Haus als eines der wenigen in seinem Viertel den Schlammlawinen standgehalten hatte. Bürgermeister José Antonio Castro sagte, die 1563 gegründete Stadt habe schon immer mit der Gefahr gelebt. "Es gibt ungefähr zehn Flüsse in der Nähe, die Stadt dürfte hier eigentlich gar nicht existieren", sagte er.

Die Behörden wiesen Befürchtungen von Einwohnern zurück, dass ein weiterer Erdrutsch kurz bevorstehe. Bei einem Überflug des betroffenen Gebietes seien dafür keine Anzeichen entdeckt worden.

Afp

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