Am 11. November

Sankt Martin im November 2017: Warum feiern wir den Martinstag?

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Eine Statue von Sankt Martin vor der Basilika in Tours.

Am 11. November 2017 feiern wir Sankt Martin mit Laternen-Umzügen und Martinsgänsen. Hier erfahren Sie die Geschichte des Heiligen und der Bräuche.

München - „Ich geh’ mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir“ – tausendfach stimmen Kinder am 11. November zu Sankt Martin wieder diesen eingängigen Singsang an und trällern die restlichen Strophen in die Dunkelheit, wenn sie mit ihren Lichtern im Entenmarsch durch Bayerns Ortschaften ziehen. Vielerorts werden sie angeführt von einem römischen Soldaten, eingehüllt in einen roten Mantel: dem Heiligen Martin von Tours. Anlässlich des 1700. Geburtstags des Schutzpatrons der Armen und Bettler haben wir die wichtigsten Fakten und Bräuche rund um den Martinstag zusammengestellt.

Wer war Sankt Martin? Die Geschichte des Heiligen

Der Heilige Martin von Tours kam im Jahr 316 nach Christus im heutigen Ungarn zur Welt. Schon als Jugendlicher mit 15 Jahren schloss er sich dem römischen Heer an. Während seiner Dienstzeit in Frankreich (damals hieß es noch Gallien) kam es an einem bitterkalten Wintertag des Jahres 334 vor dem Stadttor von Amiens zu einer Begegnung mit einem Bettler. Dieser bat den römischen Soldaten um eine Gabe. Martin hatte Mitleid mit dem armen Mann, dem niemand half. Kurz entschlossen durchtrennte er mit seinem Schwert seinen Mantel in zwei Teile und gab dem Bettler einen davon. In der folgenden Nacht erschien ihm der Überlieferung zufolge Christus im Traum und gab sich als der frierende Bettler zu erkennen, dem er die Hälfte seines Mantels geschenkt hatte.

Martin ließ sich taufen, wurde Schüler des Bischofs Hilarius von Poitiers, gründete ein Kloster und wurde zehn Jahre später gegen seinen Willen zum Bischof von Tours gewählt. Die Legende erzählt, dass er sich in einem Gänsestall versteckt hatte, um sich dem Bischofsamt zu entziehen, jedoch von den Gänsen durch ihr Geschnatter verraten wurde. Die heute gerade bei uns in Oberbayern so beliebte Martinsgans ist ein Symbol für diesen Teil der Martinsgeschichte.Als Bischof kümmerte sich Martin vor allem um die Missionierung im damals noch in weiten Teilen heidnischen Europa und gründete zahlreiche Pfarreien und Klöster. Statt in einer Residenz lebte er in einer Klosterzelle.

Martin von Tours starb im Alter von 81 Jahren eines natürlichen Todes und wurde am 11. November 397 in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt und später heiliggesprochen.Sankt Martin nimmt in der Kirchengeschichte auch deshalb eine besondere Stellung ein, weil er nicht wegen seines Todes als Märtyrer heiliggesprochen wurde, sondern weil er ein sittliches Leben führte und vielen Menschen durch seine Nächstenliebe und seine Barmherzigkeit half.

Brauchtumsexperte: Sankt Martin hat das christliche Ideal verkörpert

„Anders als viele Bischöfe ist Martin dem Prunk, den das Amt mit sich bringt, nicht erlegen“, sagt Michael Ritter, Brauchtumsexperte des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. „Er lebte ein vorbildlich asketisches Leben.“ Deshalb und wegen seines Einsatzes für die Armen habe ihn das Volk derart verehrt, erklärt Ritter: „Martin von Tours hat das christliche Ideal verkörpert.“

Sankt Martin: Nationalheiliger und Schutzpatron

König Chlodwig I. erhob Martin von Tours posthum zum Nationalheiligen und zum Schutzpatron des fränkisch-merowingischen Volkes. Aufgrund der Größe des damaligen Frankenreichs verbreitete sich der Brauch der Martins-Verehrung schon früh in weiten Teilen Mitteleuropas, erzählt Ritter. Sankt Martin ist unter anderem der Schutzpatron der Reisenden, Armen, Bettler und Reiter.

Die Geschichte von Sankt Martin

Wann feiern wir Sankt Martin?

Gestorben ist der Heilige Martin im Jahr 397 zwar schon am 8. November, gedacht wird seiner allerdings drei Tage später. Denn am 11. November wurde der Bischof im französischen Tours beigesetzt. Brauchtumsexperte Ritter vermutet, dass sich jener Tag schon im Frühmittelalter als Martinstag etabliert hat. Mit zahlreichen Bräuchen ehrt man den Heiligen am 11. November. „Einige Martinsbräuche stammen nachweisbar aus dem 16. oder 17. Jahrhundert“, sagt Ritter. Für ihn steht fest: „Sankt Martin ist neben dem Nikolaus die interessanteste Brauchtumsfigur, die wir kennen.“

Warum gibt es an Sankt Martin ein Martinsfeuer?

Zu den ältesten Bräuchen an Sankt Martin zählt das Martinsfeuer. Dass eben jenes allerdings auf vorchristliche Feuerbräuche der Germanen zurückzuführen ist, hält Michael Ritter für reine Spekulation. „Einen nachweislichen Hintergrund gibt es nicht.“

Für den Brauchtumsexperten steht das Martinsfeuer eher in Verbindung mit einer Bibel-Stelle aus dem Neuen Testament: Dem Gleichnis vom Licht unter dem Scheffel. Dies besagt, man solle sein Licht, gemeint ist wohl der Glaube, nicht verstecken, sondern in die Welt hinaustragen.

Warum gibt es an Sankt Martin einen Umzug mit Laternen?

Passend dazu tragen die Teilnehmer der Martinsumzüge allesamt Lichter in Form von Laternen oder Fackeln vor sich her. Die Umzüge wiederum gehen laut Ritter zurück auf alte Bräuche, bei denen Kinder und Bedürftige von Haus zu Haus zogen und um Gaben baten. Damals konnten die Schenkenden, so wie der Heilige Martin dem Bettler in Amiens, ihre Nächstenliebe beweisen.

Heute sind die Umzüge durch die Dunkelheit zu Sankt Martin eher ein Erlebnis für die Kinder. Vielerorts wird jedoch Geld für gemeinnützige Zwecke gesammelt. Brauchtumsexperte Ritter sagt: „Eine sehr schöne Idee. So bleibt der Gedanke, Bedürftigen zu helfen, erhalten.“

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne... Der Martinsumzug gehört zum 11. November dazu. Seinen Ursprung hat er wohl in einem alten Brauch, bei dem arme Menschen von Haus zu Haus zogen und um Gaben baten.

Lieder zu Sankt Martin

Früher erinnerten die Kinder bei den Umzügen zu Sankt Martin mit ihren Liedern und Versen an die Barmherzigkeit des Heiligen und wollten somit die potenziell Schenkenden animieren. Auch heute nehmen die Lieder beim Martinssingen noch Bezug auf den Schutzpatron der Armen, immer häufiger werden jedoch auch weltliche Lieder gesungen wie „Ich geh’ mit meiner Laterne“. Der Klassiker zum Laternenumzug bleibt aber immer noch das Lied „Sankt Martin“

Sankt Martin - Kinderlied zum Mitsingen

Sankt Martin: Warum gibt es eine Martinsgans?

Die wohl kurioseste Legende rankt sich um den Ursprung der Martinsgans, die am 11. November traditionell zu Sankt Martin verspeist wird. Demnach hat sich der Heilige Martin in einem Gänsestall versteckt, als er davon erfuhr, dass er zum Bischof ernannt werden soll. Er erachtete sich schlicht als nicht würdig. Jedoch schnatterten die Gänse dermaßen laut, dass er entdeckt und anschließend zum Bischof geweiht wurde.

Brauchtumsexperte Ritter gibt sich da pragmatisch.Er sieht den Zusammenhang Sankt Martin/Gans eher darin begründet, dass bis Anfang des 20. Jahrhunderts am 11. November die voradventliche Fastenzeit begann und Gänse zu dieser Jahreszeit „die optimale Schlachtreife“ aufwiesen. Ritter sagt: „Die Leute haben es sich noch einmal richtig gut gehen lassen. Die Gänse haben sich angeboten, um üppig und fettig zu schmausen.“

Eine weitere Erklärung der Martinsgang: Zum alljährlichen Pachtzins lieferten früher die Bauern ihren kirchlichen und weltlichen Pachtherren auch fette Gänse. Mit dem Martinstag war stets der Abschluss der Feldarbeiten verbunden. Dies feierten die Bauern mit ihrem Gesinde mit einem Schlachtfest. Zur Martinsgans gab’s auch den noch jungen Martiniwein.

Lesen Sie hier: Debatte um ;„Laternenfeste“: Wer kennt eigentlich noch St. Martin?

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