„Die Antwort der Behörden ist grotesk“

Schamane bezeichnet Putin als „Dämon“ - Russische Behörden reagieren extrem 

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Ein Dämon? Wladimir Putin beobachtet Militärübungen (Archivbild).

Ein Schamane hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin als Dämon bezeichnet - kurz darauf wurde er festgenommen und in eine Psychiatrie eingewiesen worden. 

München - Ein Schamane hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin als Dämon bezeichnet - und ist in Sibirien festgenommen worden. Medienberichten zufolge stürmten am Donnerstagmorgen nahe Ulan-Ude am Baikalsee maskierte Polizisten das Zelt des Mannes und nahmen ihn ohne Angaben von Gründen mit. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Ursprünglich wollte der Mann mehrere Tausend Kilometer durch Sibirien bis nach Moskau wandern, „um Putin aus Russland zu vertreiben“. Bei der Pilgerreise organisierte der Schamane auch immer wieder Kundgebungen. 

Schamane: „Putin ist kein Mensch, sondern ein Dämon“

Vor Hunderten Menschen soll er gerufen haben: „Putin ist kein Mensch, sondern ein Dämon.“ Er müsse aus dem Kreml verbannt werden. Er wolle dies mit Protesten versuchen, scheue sich aber nicht, auch Magie einzusetzen, sagte der Schamane demnach. Seine Mission erregte zunehmend Interesse in den sozialen Netzwerken und in den Medien und sorgte immer wieder für Probleme mit örtlichen Behörden, so die AFP.

Menschenrechtler kritisierten die Festnahme scharf. „Die Aktion des Schamanen ist vielleicht exzentrisch, aber die Antwort der russischen Behörden ist grotesk“, sagte die Russland-Chefin von Amnesty International, Natalja Swjagina. „Das ist ein weiterer Akt brutaler Unterdrückung von Menschenrechten.“ 

Kreml weist Kritik von Menschenrechtlern zurück

Das russische Innenministerium hingegen erklärte, der Mann sei wegen eines ganz anderen Verbrechens in seiner Heimat Jakutien gesucht worden. Details nannte das Ministerium jedoch nicht.

Die russische Regierung dürfte größere Probleme haben. Putins Regierungspartei kämpft zur Zeit mit herben Verlusten.  Im Sommer zog das gemeinsame Treffen des Kremlchefs mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharfe Kritik nach sich. Zudem soll ein mutmaßlicher CIA-Spion im Kreml nahe an Putin heran gekommen sein.

Schamanismus ist in Russland vor allem in Sibirien verbreitet. Mit jahrhundertealten Riten bitten die Schamanen vor wichtigen Ereignissen um Hilfe der Götter, Geister und Ahnen. Im Frühjahr sorgte ein Fall für Aufsehen, als Schamanen mehrere Kamele zu Ehren Russlands opferten. Der Fall blieb jedoch für die Schamanen ohne größere Folgen.

Präsident Putin verbrachte seinen Geburtstag kürzlich offenbar mit seinem designierten Nachfolger Sergei Schoigus. Diese Ansichten vertritt der aktuelle Verteidigungsminister.

Der Russe Juri Luschkow starb bei einer Routineoperation in München. Der ehemalige Bürgermeister von Moskau war eines der bekanntesten Gesichter Russlands.

dpa/AFP/frs

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