Peinliche Panne

Polizei macht unschuldige Bäckerin zur Betrügerin: „Fühlte mich vollkommen hilflos“

Eine 59-jährige Bäckerin ist Opfer eines peinlichen Polizei-Schlamassels geworden - irrtümlicherweise geriet sie ins Visier der Behörden und erlebte Stunden des Schreckens. Doch was war der Grund?

München - Diesen Vorfall wird Silvia Angermüller (59) aus Hennigsdorf (Brandenburg) vermutlich ihr Leben lang nicht vergessen. Kein Wunder! Nichtsahnend fand sich die Bäckersfrau auf einem Fahndungsplakat der Polizei wieder, dabei hatte sie doch gar nichts falsch gemacht. 

Der kuriose Vorfall von vergangener Woche nahm erst so richtig seinen Lauf, als sich Sohn Marcus (38) bei ihr via Whatsapp-Nachricht meldet. Beim Lesen der Kurzmitteilung dürfte ihr das Herz in die Hose gerutscht sein. Denn darin befand sich ein Link zu einem Fahndungsaufruf: Wer kennt diese EC-Kartenbetrügerin? Dazu ein Bild, auf dem ganz eindeutig Silvia Angermüller an einem Geldautomaten ihrer Hausbank zu erkennen ist. 

„Ich fühlte mich vollkommen hilflos und habe nur geweint“

Gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) sagte die Bäckerin: „Geht gar nicht. Ich bin Geschäftsfrau. Und das ist das Allerschlimmste. Man ist bekannt und sieht sich auf einmal auf einem Fahndungsfoto.“

Sohn Marcus hatte den Fahndungsaufruf von einer Freundin geschickt bekommen, die auf Facebook die Anzeige gesehen hatte. „Ich habe von einer Freundin eine Whatsapp-Nachricht bekommen. Die hat das auf Facebook gesehen und mir gleich den Link geschickt und hat gesagt: Das kann nicht sein“, berichtet er gegenüber rbb

Das denkt auch Silvia Angermüller. „Ich war geschockt und völlig verzweifelt“, wird sie von der Bild zitiert, die ebenfalls von der kuriosen Geschichte berichtet. „Wie kann man mich einfach so öffentlich zu einer Straftäterin abstempeln? Ich habe mit dem Betrug nichts zu tun. Ich fühlte mich vollkommen hilflos und habe nur geweint.“

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Beschuldigte Bäckerin: „Das hat in meinem Kopf gerattert: Du hast doch gar nichts gemacht“

Ihrem Sohn erscheint die Sache von Anfang an faul zu sein. Dennoch ist die Lage ernst: Wegen Diebstahls und Betrugs kann man schließlich jahrelange ins Gefängnis wandern. Daher meldet sich Silvia Angermüller sofort bei der örtlichen Polizei und wird dort vernommen. Endlich wird sich dieser dubiose Fall aufklären, so die Hoffnung der Bäckerin. Zunächst jedoch scheint ihre Situation schlimmer zu werden. „‘Sie sind jetzt eine Beschuldigte und brauchen mir keine Auskünfte geben.‘ Das hat in meinem Kopf gerattert: Du hast doch gar nichts gemacht“, erzählt Angermüller dem rbb.

Doch was war genau passiert? Im März dieses Jahres soll einem Rentner sein Portemonnaie samt EC-Karte gestohlen worden sein. Der Dieb soll anschließend in eine Filiale der Berliner Volksbank gegangen sein und dort einen großen Geldbetrag abgehoben haben. Kurz zuvor hatte Silvia Angermüller ebenfalls in dieser Filiale Geld abgehoben. Die Bank schickt die Videoaufnahmen an die Polizei und dort kam es dann bei der Auswertung zu dem peinlichen Malheur. 

Gegenüber dem rbb nimmt die Polizei zu diesem Vorfall Stellung. „Es ist die falsche Sequenz ausgewählt worden und daraufhin war die betroffene Frau abgebildet und nicht der eigentliche Täter.“ Eine Entschuldigung an die Bäckersfrau folgte, dürfte jedoch nur ein kleiner Trost gewesen sein, blickt man auf den Horror-Tag, den Silvia Angermüller durchgemacht hatte. 

kus

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Rubriklistenbild: © dpa

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