Drama in Stuttgart

Mit Klinikkeim besiedelter Patient gestorben - aber aus anderem Grund

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Der Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene Matthias Trautmann (r-l) spricht am 04.01.2017 während einer Pressekonferenz im Klinikum Stuttgart in Stuttgart neben dem Geschäftsführer des Klinikums, Reinhard Schimandl, und dem Ärztlichen Direktor der Neurologischen Klinik, Hansjörg Bäzner. Auf der Intensivstation des Krankenhauses Bad Cannstatt ist bei fünf Patienten ein hochresistenter Keim nachgewiesen worden, daraufhin wurden die betroffenen Patienten isoliert.

Für Ärzte und Patienten ist es ein Alptraum: multiresistente Keime im Krankenhaus. In einer Stuttgarter Klinik trugen fünf Menschen solche Erreger. Einer von ihnen ist nun tot - aber nicht wegen des Keims.

Im Krankenhaus Bad Cannstatt ist einer der mit einem hochresistenten Keim besiedelten Patienten gestorben - allerdings nicht wegen des Erregers. „Die Todesursache steht eindeutig nicht in Zusammenhang mit dem Keim“, betonte das Klinikum Stuttgart aus dem Krankenhausverbund am Samstag, ohne weitere Details zu nennen. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass bei fünf Patienten in Bad Cannstatt das Bakterium Acinetobacter baumannii nachgewiesen wurde. Alle waren laut Krankenhaus mit dem Keim nur besiedelt, Symptome einer Infektion zeigten sie nicht.

Vier der fünf Patienten trugen eine hochresistente Variante des Erregers, gegen die fast alle Antibiotika nicht mehr wirken. Der fünfte mit A. baumannii besiedelte Patient hatte einen Typ mit schwächerer Resistenz, der noch auf mehrere Antibiotika anspricht. Er wurde den Angaben zufolge von der Intensivstation in ein isoliertes Zimmer einer Normalstation verlegt.

Anfang Dezember war der Erreger den Angaben zufolge bei einem Patienten bei der Aufnahme zur Intensivbehandlung festgestellt worden. Danach wurde er in einem isolierten Bereich behandelt und gepflegt. Bei einer routinemäßigen Überprüfung wurde der Keim demnach bei vier weiteren Patienten festgestellt.

Für Gesunde ist A. baumannii im Regelfall ungefährlich. Bei geschwächten Menschen können die Bakterien aber unter anderem Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen verursachen.

Die vier besiedelten Patienten werden dem Klinikum zufolge weiter unter besonders strengen Hygienevorschriften versorgt und regelmäßig auf das Bakterium untersucht. Die Intensivstation bleibe für weitere Aufnahmen geschlossen. Der Zustand der drei noch mit dem hochresistenten Keim besiedelten Patienten ist demnach stabil.

Im vergangenen Juni war in Ulm die Intensivstation des Universitätsklinikums wegen des gleichen Erregers gesperrt worden. Drei Patienten waren damals infiziert.

In Europa sterben einer Studie zufolge mehr als 90 000 Patienten pro Jahr an Krankenhausinfektionen. Forscher gehen von jährlich mehr als 2,5 Millionen Infektionen aus, die sich Menschen erst in einer Klinik zuziehen. Ein europäisches Team mit deutscher Beteiligung hatte kürzlich in einer Studie sechs häufige Krankenhausinfektionen untersucht. Dazu zählen Lungenentzündungen, Sepsis (Blutvergiftung) sowie Harnwegs- und Wundinfektionen, wie die Forscher 2016 im Fachblatt „PLOS Medicine“ berichteten.

In Deutschland infizieren sich rund 3,5 Prozent der Patienten auf Allgemeinstationen mit einem Krankenhauskeim, 15 Prozent auf Intensivstationen. Zwischen 1000 und 4000 Todesfälle gehen hierzulande pro Jahr auf das Konto multiresistenter Erreger.

dpa

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