800 Mini-Luthers auf Wittenberger Marktplatz

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Hier stehen sie und können nicht anders, die kleinen Plastik-Reformatoren in Wittenberg.

Wittenberg - Auf dem Marktplatz von Wittenberg in Sachsen-Anhalt tummeln sich für einen Monat 800 Skulpturen des Reformators Martin Luther im Kleinformat.

Die neueste Installation des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl wurde am Samstag in der Lutherstadt offiziell eröffnet. Er hat den sonst als übermannsgroßes Denkmal vor dem Wittenberger Rathaus stehenden Reformator als Miniaturausgabe nachgebildet und die knapp einen Meter großen Figuren auf dem Platz aufgestellt. Auf einem Lattengerüst aus Holz fest verankert, sollen sie bis zum 12. September 2010 wie einst Martin Luther künden: “Hier stehe ich...“ Anschließend können die farbigen Figuren zum Stückpreis von jeweils 250 Euro erworben werden.

Die Kunstinstallation hat das Projektbüro “Luther 2017 - 500 Jahre Reformation“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angeregt, weil das “richtige“ Lutherdenkmal von Gottfried Schadow auf dem Wittenberger Marktplatz wegen einer dringend nötigen Sanierung abgebaut werden musste. Er multipliziere Luthers Präsenz, interpretiert Hörl sein mobiles Luther-Denkmal. So werde es zum Botschafter für die Luther-Dekade und verbinde Wittenberg mit der ganzen Welt.

Zur Eröffnung der Installation hatte er Bürgermeister aus ganz Deutschland nach Wittenberg eingeladen und ihnen einen seiner Luther-Botschafter als Geschenk in Aussicht gestellt. Etwa ein Dutzend Stadtoberhäupter, darunter die von Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Magdeburg und Göttingen, folgten der Einladung. Vom Verkaufserlös der auf dem Marktplatz stehenden Luther-Figuren im Kleinformat soll die ausschließlich privat finanzierte Aktion in Wittenberg gedeckt werden.

Die Installation “Martin Luther: Hier stehe ich...“ findet im Rahmen der Luther-Dekade statt. Im Herbst 2008 ausgerufen, weist sie auf den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 hin. 1517 hatte Martin Luther mit der Veröffentlichung seiner Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg die Reformation eingeleitet.

Kritisch äußerte sich der Theologe Friedrich Schorlemmer zu dem Projekt. “Das ist theologischer und ästhetischer Schindluder. Martin Luther ist doch nicht serienmäßig zu haben“, sagte der Wittenberger im Gespräch mit der “Leipziger Volkszeitung“. Den geplanten Verkauf der Luther-Zwerge nannte Schorlemmer einen “geschmacklosen Ablasshandel mit Plastefiguren“.

apn

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