Stadt in Paraguay in Angst

Dramatischer "Jahrhundert-Raub": Millionenbeute und Tote

+
Mehr als 50 schwerbewaffnete Verbrecher haben aus dem Tresor vermutlich mehrere Millionen Dollar erbeutet.

Asunción - Mit einem spektakulären Raubüberfall haben rund 60 Verbrecher eine ganze Stadt in Schrecken versetzt. Sie sprengten einen Tresor, zogen mit mehreren Millionen Dollar ab. Der Coup endet mit einem tödlichen Schusswechsel mit der Polizei.

Bei dem Raubüberfall gegen ein Geldtransport-Unternehmen in Paraguay haben in der Nacht zum Montag rund 60 Verbrecher nach ersten Schätzungen um die 30 Millionen Dollar (etwa 28 Millionen Euro) aus einem Tresor entnommen. 

Die Täter gingen bei dem Angriff auf das streng gesicherte Lager in Ciudad del Este, einer für Schmuggel und kriminelle Geschäfte berüchtigten Stadt an der Grenze zu Brasilien, planvoll und äußerst brutal vor. Sie legten mehrere Sprengsätze, um bis zum Tresor vorzudringen. Bei der zweistündigen Attacke wurde das Prosegur-Gebäude mit Bomben und Raketen in Schutt und Asche gelegt, ein Polizist getötet und weitere fünf Menschen verletzt. 

Raffiniertes, brutales Ablenkungsmanöver

Gleichzeitig griffen Bandenmitglieder mit Sturmgewehren auch das lokale Polizeipräsidium und das regionale Regierungsgebäude an und setzten mehr als ein Dutzend Fahrzeuge in der Stadt in Brand, um die Sicherheitskräfte von dem Überfall abzulenken und die Verfolgung zu erschweren. Sie verstreuten auf der Flucht zudem Tausende Krähenfüße hinter sich.

Der Anwohner Antonio del Puerto berichtete über kriegsähnliche Szenen. Zwei Stunden lang seien in der Stadt Bombenexplosionen zu hören gewesen. Gouverneur Justo Zacarías sprach von "Chaos und Terror" in Ciudad del Este. Ein vergleichbares Verbrechen habe es in Paraguay noch nicht gegeben. Die Polizei sprach von einem "Jahrhundert-Raub".

Bande flüchtet mit Booten nach Brasilien

Anschließend flüchteten die Gangster mutmaßlich mit Motorbooten über den Paraná-Fluss nach Brasilien. Die brasilianische Polizei stieß einige Stunden später bei Itaipulandia, 50 Kilometer nördlich von Ciudad del Este, auf eine Gruppe der Bande. Bei einem Schusswechsel wurden drei Verbrecher getötet und weitere vier festgenommen, wie das paraguayische Innenministerium mitteilte. Ein Teil der Beute wurde dabei sichergestellt, wie die Zeitung „ABC Color“ berichtete.

Die Polizei fand wenige Kilometer vom Tatort entfernt fünf verlassene Autos mit brasilianischer Zulassung, in denen sich Waffen und Sprengstoff befanden. 

Die Ermittlungen weisen auf die berüchtigte brasilianische Verbrecherbande Primeiro Comando da Capital (PCC/Erstes Kommando der Hauptstadt) hin, wie der Polizeisprecher Augusto Lima erklärte. Sie hat ihren Sitz in São Paulo und dominiert in vielen Regionen den Drogenhandel. Anfang des Jahres kam es zu Gefängnismeutereien mit über hundert Toten, an denen auch PCC-Mitglieder beteiligt waren.

Steckten Polizisten mit den Gangstern unter einer Decke?

Paraguays Staatschef Horacio Cartes ordnete den Einsatz des Militärs bei der Verfolgung der Räuber an. Die Behörden hatten Informationen über die Vorbereitung eines großen Überfalls bekommen, ohne jedoch das Ziel und den Zeitpunkt zu kennen, wie Innenminister Lorenzo Lezcano dem Sender ABC Cardinal erklärte.

Paraguays Polizeichef Luis Rojas schloss nicht aus, dass Polizisten an dem Raub beteiligt waren. Er bat seine Kollegen in Brasilien und Argentinien um Hilfe bei den Ermittlungen. Brasiliens Präsident Michel Temer sagte der Polizei des Nachbarstaats jede erdenkliche Hilfe bei der Aufklärung des Falls zu. Den Angehörigen des getöteten Polizisten sprach er sein Beileid aus.

Bilder vom brutalen „Jahrhundert-Raub“ in Paraguay

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare