Millionen-Kopfgeld: USA jagen Mumbais Attentäter

+
Hafiz Saeed soll verantwortlich sein für die blutigen Anschläge in Mumbai.

Neu Delhi - Die USA haben Kopfgeld auf einen pakistanischen Extremisten ausgesetzt. Er soll verantwortlich für die blutigen Anschläge in Mumbai 2008 sein. Doch der Mann hat enge Kontakte zum pakistanischen Sicherheitsapparat.

Fast dreieinhalb Jahre nach der Terrorserie im indischen Mumbai mit mehr als 160 Toten hat die US-Regierung ein hohes Kopfgeld auf den mutmaßlichen Drahtzieher ausgesetzt. Wie das Außenministerium in Neu Delhi am Dienstag mitteilte, wollen die USA 10 Millionen Dollar (7,5 Millionen Euro) für die Ergreifung des Gründers der verbotenen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (LeT), den Pakistaner Hafiz Muhammad Saeed, zahlen. Die indische Regierung macht LeT für die Angriffe 2008 und weitere Terroranschläge in den vergangenen Jahren verantwortlich.

Zwei Plätze frei! Die Top Ten der US-Fahndungsliste

WANTED! Die Top Ten der US-Fahndungsliste

Außenminister S.M. Krishna lobte den Schritt der US-Regierung als “starkes Signal“ an die Terrororganisation und deren “Gönner“. Das Kopfgeld zeuge vom Willen Indiens und der USA, die Verantwortlichen des Terroranschlags von Mumbai zur Verantwortung zu ziehen. Indische Regierungskreise erhoffen sich, dass nun der Druck auf Pakistan erhöht wird, gegen Saeed vorzugehen.

Ende November 2008 hatten zehn Terroristen drei Tage lang Geiseln genommen sowie Luxushotels und andere Gebäude im Stadtzentrum von Mumbai besetzt gehalten. Unter den 166 Todesopfern waren 26 Ausländer. Auch neun der Angreifer starben. Dem einzigen Überlebenden wird derzeit in Indien der Prozess gemacht.

Die pakistanischen Behörden hatten Saeed nach der Terrorserie festgenommen, ihn aber später wieder freigelassen. Zunächst müsse Indien “stichhaltige Beweise“ gegen ihn vorlegen, hieß es. Seitdem lebt Saeed unbehelligt in Pakistan. Dort leitet er den muslimischen “Wohlfahrtsverband“ Jamaat-ud-Dawa, der als Frontorganisation der LeT gilt. Ein Sprecher von Jamaat-ud-Dawa erklärte am Dienstag, Saeed störe das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld nicht.

Nach Angaben aus Pakistan unterhält Saeed enge Kontakte zum mächtigen Geheimdienst ISI. Beobachter gehen daher davon aus, dass zunächst keine Schritte gegen ihn unternommen werden. “Islamabad ist der Ansicht, dass es keine Beweise (gegen Saeed) gibt“, erklärte die pakistanische Publizistin Ayesha Siddiqa im indischen Fernsehen. Auch die Aussetzung eines Kopfgelds werde daran nichts ändern.

Die Anschläge von Mumbai hatten die Beziehungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan erheblich belastet. Inzwischen haben sich beide Seiten wieder angenähert und die 2008 ausgesetzten Friedensgespräche fortgesetzt. An diesem Sonntag wird Pakistans Präsident Asif Ali Zardari zu einem Kurzbesuch in Indien erwartet. Auch ein Gespräch mit Premierminister Manmohan Singh ist geplant.

dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare