Täter am Louvre niedergeschossen

Macheten-Mann am Louvre war „sehr wahrscheinlich“ Terrorist

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Mit Sturmgewehren bewaffnete Polizisten positionieren sich nach dem Zwischenfall in der Nähe des Louvre Museum in Paris.

Paris - Terror-Angst in Paris: Ein Mann hat am Pariser Louvre mit einer Machete eine Wach-Patrouille angegriffen. Er wurde niedergeschossen. Alle aktuellen Entwicklungen erfahren Sie in unserem Newsblog.

  • Am frühen Freitagvormittag hat ein Mann mit einer Machete eine Gruppe von Polizisten und Soldaten am Eingangsbereich des Louvre attackiert, dabei soll er „Allahu akbar“ gerufen haben.
  • Ein Soldat streckte ihn mit fünf Schüssen nieder und verletzte ihn schwer.
  • Das Gelände rund ums Museum wurde evakuiert

+++ Nach Angaben des französischen Präsidenten François Hollande handelte es sich bei dem Angreifer sehr wahrscheinlich um einen Terroristen. Es gebe „kaum Zweifel“ am „terroristischen Charakter“ der Tat, sagte der Staatschef am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Valletta. Es sei aber natürlich an der Justiz, die notwendigen Ermittlungen durchzuführen. Hollande räumte gleichzeitig ein, dass Frankreich trotz erheblich gesteigerter Sicherheitsmaßnahmen weiter Angriffe von Terroristen fürchten muss. „Die Gefahr besteht, sie wird bleiben, und wir werden das bewältigen müssen“, sagte er.

+++ US-Präsident Donald Trump sprach auf Twitter von einem "radikalen islamistischen Terroristen", der den Louvre attackiert habe. Die USA müssten "schlau" werden - offenbar ein Verweis auf seine Einreiseverbote für Bewohner von sieben mehrheitlich muslimischen Staaten.

+++ Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich am Rande seiner USA-Reise "heilfroh, dass kein Schaden angerichtet werden konnte, weil die französischen Sicherheitskräfte so schnell reagiert haben".

+++ Ein Militärsprecher sagte, zunächst hätten die Soldaten versucht, ihn mit Nahkampf-Techniken zu überwältigen. Weil dies nicht gelang, gab ein Soldat fünf Schüsse ab.

+++  Die rund 250 Besucher, die sich zum Zeitpunkt der Attacke im Louvre aufhielten und zunächst an einem sicheren Ort ausharren mussten, wurden mittlerweile aus dem Museum gebracht.

+++ Frankreichs Staatschef François Hollande lobte "den Mut und die Entschlossenheit" der Soldaten.

+++  Im Hinblick auf das Motiv des Angreifers warnte der Sprecher des Innenministeriums vor voreiligen Schlüssen. Der Ausruf „Allahu akbar“ habe natürlich eine Konnotation, der Untersuchungen in dieser Richtung rechtfertige, sagte Brandet. Die Identität des Angreifers sei noch nicht klar.

+++ Eine zweite Person wurde von Sicherheitskräften wegen "verdächtigen Verhaltens" festgenommen. „Sie befand sich vor Ort“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet. Die Ermittlungen müssten zeigen, ob es eine Verbindung zu dem Angriff auf eine Militärpatrouille gebe.

Video: Erste Bilder von vor Ort

Was wir bisher wissen

Nach einer Attacke mit einer Machete am weltberühmten Pariser Louvre hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen Terrorverdachts eingeleitet. Das teilte die Behörde am Freitag mit. 

Ein Mann hatte sich am Vormittag gegen 9.45 Uhr mit einer Machete bewaffnet auf eine Militärpatrouille gestürzt und dabei „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Ein Soldat eröffnete anschließend das Feuer und verletzte den Angreifer schwer, wie Polizeipräfekt Michel Cadot sagte. Demnach gab er fünf Schüsse ab und traf den Angreifer im Bauch. Ein weiterer Soldat sei leicht an der Kopfhaut verletzt worden. Beide würden derzeit im Krankenhaus behandelt.

Der Mann hatte zwei Rucksäcke bei sich, in denen aber kein Sprengstoff gefunden wurde. Möglicherweise habe der Mann auch eine zweite Waffe bei sich gehabt, erläuterte Cadot.

Der Angriff ereignete sich in einem Treppenhaus, das von einem Platz neben dem Louvre in ein unterirdisches Einkaufszentrum, das „Carrousel du Louvre“, führt.

Terrorverdacht

Die Schreie des Mannes ließen darauf schließen, dass er seinen Angriff in einem "terroristischen Rahmen" habe ausüben wollen, sagte Cadot. Premierminister Cazeneuve sagte bei einem Besuch im nordfranzösischen Bayeux, es habe sich "offensichtlich" um einen "Anschlagsversuch mit terroristischem Charakter" gehandelt. Bei der Bewertung sei aber Vorsicht geboten.

Das Museum, das jährlich von Millionen Menschen aus aller Welt besucht wird, wurde nach dem Zwischenfall zunächst geschlossen. Die im Louvre anwesenden Besucher müssten im Inneren bleiben, sagte eine Mitarbeiterin des Museums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Es komme niemand mehr rein oder raus. Laut Cadot waren etliche Besucher davon betroffen, sie sollten nach Überprüfungen in kleinen Gruppen aus dem Gebäude gebracht werden.

Frankreich war in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge. Im Land gilt seit den Anschlägen vom 13. November 2015 der Ausnahmezustand, in der französischen Hauptstadt patrouillieren an vielen Orten Soldaten, unter anderem vor Touristenattraktionen wie dem Louvre.

Frankreich und der Terror - Anschläge vergangener Jahre

7. Januar 2015: Beim Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und anschließenden Angriffen unter anderem auf einen jüdischen Supermarkt sterben in Paris 17 Menschen. Die drei islamistischen Täter werden von der Polizei erschossen.

26. Juni: Ein 35-jähriger Islamist wird bei dem Versuch überwältigt, in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion herbeizuführen. Er hatte seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt.

21. August: Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Brüssel nach Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November: Bei einer koordinierten Anschlagserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

7. Januar 2016: Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Schlachterbeil bewaffnet.

13. Juni: Ein Mann ersticht in Magnanville westlich von Paris einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin. Die Polizei erschießt den Täter, der sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte.

14. Juli: Am französischen Nationalfeiertag rast in der Hafenstadt Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen werden getötet, mehr als 200 verletzt.

26. Juli: In einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray nahe Rouen nehmen zwei Terroristen während der Morgenmesse Geiseln und töten den Priester. Sie werden von der Polizei erschossen, der IS reklamiert die Tat für sich.

hn/dpa/afp/Video: snacktv

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