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Tödliche Schüsse in Kusel: Mann nach Aufruf zu Polizistenmord in Untersuchungshaft

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Von: Sophia Lother, Sarah Neumeyer

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In Kusel sterben eine Polizistin und ihr Kollege durch Schüsse. Nach der Tat ruft ein Mann in sozialen Netzwerken zum Cop-Hunting auf. Er ist nun in Untersuchungshaft.

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Update vom Mittwoch, 09.02.2022, 15.19 Uhr: Das Amtsgericht Koblenz hat Haftbefehl gegen einen Mann erlassen, der nach dem Doppelmord an zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz in sozialen Netzwerken zum Mord an Polizisten aufgerufen haben soll. Er sitzt damit rund eine Woche nach dem Aufruf in Untersuchungshaft, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Mittwoch (09.02.2022) mitteilte.

Der 55-Jährige aus dem Raum Idar-Oberstein soll am vergangenen Donnerstag (03.02.2022) in Videos auf Facebook zu sogenanntem Cop-Hunting aufgerufen haben. Hintergrund sei der Doppelmord an den Polizisten im Landkreis Kusel gewesen. Eine 24-Jährige und ihr 29-jähriger Kollege waren dabei am frühen Montagmorgen (31.01.2022) vergangener Woche bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden.

Diese Tat soll der 55-Jährige zum Anlass genommen haben, die Videos hochzuladen. Darin habe er behauptet, dass er Polizisten gegen eine Gebühr von 500 Euro in einen angrenzenden Wald locken könne. Interessenten könnten die Beamten dort dann erschießen. Anschließend habe der 55-Jährige in einem Kameraschwenk Hochsitze gefilmt, die als Versteck für Schützen geeignet seien. Für „einen Treffer zwischen die Augen“ soll er ein Preisgeld von 500 Euro in Aussicht gestellt haben.

Polizisten-Morde in Kusel
Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22, rund einen Kilometer von dem Tatort entfernt, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden. © Sebastian Gollnow/dpa

Tödliche Schüsse auf Polizei Kusel - Jagdverbandschef: „Keine Jäger, sondern Kriminelle“

+++ 21.37 Uhr: Der Chef des Landesjagdverbands, Dieter Mahr, zeigt sich über den Tod von zwei Polizeikräften in Rheinland-Pfalz betroffen. Eine Polizeibeamtin und ein Polizeibeamter wurden während einer Kontrolle durch Schüsse getötet. Die zwei inzwischen gefassten Verdächtigen sollen auch gewildert haben. Der Verdacht besteht, dass die Beamten erschossen wurden, um die illegale Wilderei zu vertuschen.

Landesjagdverbandschef über Wilderei: Sie sind keine Jäger, sondern Kriminelle

In einem Interview mit Focus Online zeigte sich der Chef des Landesjagdverbandes am Freitag (04.02.2022) schockiert über die Tat. Dieter Mahr berichtet über Regeln, die Jäger:innen unterworfen seien. Wilderer hingegen hielten sich nicht an diese Gesetze. Sie seien keine Jäger, sondern Kriminelle, so Mahr. „Ihm geht es schlicht und einfach nur darum, so viel Wild wie irgend möglich zu töten. Er agiert nicht als Waidmann, sondern als Krimineller. Das hat wirklich überhaupt nichts mehr mit Jagd zu tun“, sagte Mahr über den Verdächtigen Andreas S.

Ein Polizeiwagen steht an einer Absperrung rund einen Kilometer von dem Tatort in Kusel entfernt.
Ein Polizeiwagen steht an einer Absperrung rund einen Kilometer von dem Tatort in Kusel entfernt. © Sebastian Gollnow/dpa

Tödliche Schüsse auf Polizei Kusel: Kontrollen mit vorgehaltener Waffe sind keine Lösung

+++ 13.35 Uhr: In Rheinland-Pfalz wurden zwei Polizeikräfte durch Schüsse getötet. Nachdem schon der Vize der Polizeigewerkschaft GdP, Jörg Radek, ein Umdenken in der Gesellschaft forderte, äußerte sich nun auch Herbert Reul (CDU) ähnlich. Reul ist Innenminister von Nordrhein-Westfalen und fordert mehr Rückhalt für die Polizei.

„Was wir brauchen, ist ein klares Bekenntnis zur Polizei und Vertrauen in die Polizei“, schrieb Reul in einem Gastbeitrag in der Zeitung Welt am Sonntag. Dazu gehöre, nicht jede Verfehlung einzelner Beamtinnen und Beamter „als symptomatisch für den ganzen Berufsstand hinzustellen“. Reul wolle damit keine Probleme innerhalb der Polizei kleinreden oder verschweigen, sondern den Blick in der Debatte neu ausrichten.

„Mit moralischer Herrenreiter-Attitüde vorschnell den Stab über Menschen zu brechen, die ihr Berufsleben in den Dienst der Gemeinschaft stellen, ist in jedem Fall der falsche Weg“, führte Reul weiter aus.

Jörg Radek: Verschärfung der polizeilichen Kontrollen nicht sinnvoll

Update vom Samstag, 05.02.2022, 09.00 Uhr: Nach Tötung von einer Polizistin und ihrem Kollegen in Kusel lehnt der Vize der Polizeigewerkschaft GdP, Jörg Radek, ein robusteres Vorgehen der Polizei ab. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Radek auf die Frage, ob Polizisten künftig nach amerikanischem Vorbild Fahrzeugkontrollen mit vorgehaltener Waffe vornehmen sollten: „Nein, das ist doch keine Lösung.“ Radek fügte hinzu: „Die Polizei in Deutschland entspricht dem Idealbild einer bürgernahen, zivilen Polizei, die die Gesellschaft schützt. Das soll so bleiben.“

Radek geht nicht davon aus, dass eine bessere Schutzausrüstung oder häufigere Trainings die Tötung der beiden Polizisten hätten verhindern können. Der Gewerkschafts-Vize sagte: „In dem Fall Kusel haben zwei Täter skrupellos und kaltblütig bei einer Fahrzeugkontrolle zwei Polizisten ermordet. Dagegen kann sich Polizei nicht schützen.“

In der öffentlichen Debatte geht es seiner Ansicht nach weniger darum, dass die Polizei aus dieser Tat Lehren ziehen muss, sondern dass die Gesellschaft daraus lernen müsse: „Nämlich herauszufinden, was sich ändern muss, damit so etwas nicht mehr vorkommt“, sagte Radek. Die Polizei benötige mehr Respekt für ihre Arbeit.

Die Polizei trauert um die getötete Kollegin und den getöteten Kollegen.
Die Polizei trauert um die getötete Kollegin und den getöteten Kollegen. © Philipp Schulze/dpa

Tödliche Schüsse auf Polizei: Neue Details zu Andreas S. bekannt

+++ 18.54 Uhr: Hat die Polizei neben Andreas S. und Florian V. einen weiteren Mann im Visier? Die Saarbrücker Zeitung berichtet, es habe eine Durchsuchung bei einer dritten Person gegeben. Eine solche Durchsuchung konnte das Polizeipräsidium Westpfalz auf Nachfrage nicht bestätigen.

„Nach dem gegenwärtigen Stand gibt es keinen dritten Tatverdächtigen für die Morde oder für die Jagdwilderei“, teilt die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern mit. Im Zuge der bisherigen Ermittlungen seien mehrfach Durchsuchungen bei Zeugen erfolgt. Ein Tatverdacht gegen die betreffenden Besitzer des Durchsuchungsobjekts könne daraus nicht geschlossen werden. 

Laut dem Bericht der Saarbrücker Zeitung sollen sich die beiden Tatverdächtigen bei einer Person gemeldet und um Pannenhilfe gebeten haben.

„In dem Anwesen in Sulzbach, wo beide Tatverdächtige festgenommen wurden, wurden eine Schrotflinte und ein Gewehr (Einlader) sichergestellt“, teilt die Staatsanwaltschaft weiter mit. Zudem seien weitere Schusswaffen sichergestellt worden. Die laufenden Ermittlungen würden sich auch auf die Frage beziehen, was die beiden Tatverdächtigen zwischen den Schüssen und der Festnahme gemacht haben, soweit das für die Aufklärung der Tat relevant ist.

Tödliche Schüsse auf Polizei: Neue Details zu Andreas S. bekannt

+++ 14.45 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen auf eine 24-jährige Polizeianwärterin und ihren 29-jährigen Kollegen, sitzen zwei Männer aus dem Saarland in Untersuchungshaft. Über den Hauptverdächtigen Andreas S. werden nun immer mehr Informationen bekannt. So soll er unter Jägern im Saarland als Wilderer bekannt gewesen sein, berichtet die Saarbrücker Zeitung. „Andreas hatte zwar einen Jagdschein, doch er war kein Jäger. Er hat wahllos Tiere abgeballert. Mit den Werten einer Jagd hatte das nichts zu tun. Ihm ging es nur um Profit“, zitiert die Zeitung einen Jäger, der den 38-Jährigen gut kennen soll. Auch nachdem Andreas S. seine Waffenbesitzkarte und seinen Jagdschein verloren hatte, sei er verbotenerweise weiterhin auf die Jagd gegangen und habe in fremden Revieren gewildert. In den vergangenen Jahren soll er zum Wildern übergangen sein, berichtet auch das Nachrichtenportal Focus Online. Er hatte zuvor beim Landesbetrieb Saarforst in großer Menge erlegte Tiere aufgekauft. Saarforst hatte die Geschäftsbeziehung mit Andreas S. schließlich jedoch beendet.

Andreas S. soll im Bereich zwischen der französischen Grenze, Kaiserslautern und Kusel etwa 400 bis 500 Stück Schalenwild pro Jahr geschossen und verarbeitet haben – sprich: Rehe, Hirsche, Wildschweine. Das geht offenbar aus einer Sprachnachricht von Dieter Mahr, Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, an seine Jagdgemeinde hervor, die Focus Online vorliegt. Demnach soll Andreas S. verbotene Nachtzieltechnik genutzt haben, mit vier Jagdhunden unterwegs gewesen sein und sogar Jagdeinladungen in fremde Reviere ausgesprochen haben. Mahr soll die Jäger in der Sprachnachricht gewarnt haben: „Im Notfall mit der Waffe im Anschlag ans Auto zurückkehren, wenn man ein ungutes Gefühl hat.“

Tödliche Schüsse in Kusel: Andreas S. soll „ein Spitzen-Schütze“ gewesen sein

Nach Angaben eines Bekannten soll Andreas S. schon immer „richtig versessen auf die Jagd und ein Spitzen-Schütze“ gewesen sein, heißt es im Bericht des Nachrichtenportals. Es habe immer wieder Gerüchte gegeben, dass er wildern würde. Gegen die beiden Tatverdächtigen hat die saarländische Justiz in der Vergangenheit mehrfach ermittelt. Andreas S. hatte 2006 einen Jagdkollegen mit einem Schuss im Hals- und Brustbereich sowie insbesondere im Bereich eines Auges erheblich verletzt, teilte die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken am Donnerstag mit. Zudem soll er 2017 in einem fremden Jagdrevier ein Reh geschossen haben und danach mit dem Auto gefährlich auf einen Mann zugefahren sein. Das Verfahren wurden laut Staatsanwaltschaft allerdings eingestellt.

Tödliche Schüsse auf Polizei: Ministerpräsidentin Malu Dreyer äußert sich bei Gedenkveranstaltung

+++ 11.30 Uhr: Die Schüsse auf die Polizei in Kusel haben bundesweit für Entsetzen gesorgt. Bei einer Schweigeminute wurde nun den ermordeten Polizeikräften gedacht. Vor Beginn der Gedenkveranstaltung erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer: „Diese grausame Tat schweißt die Polizeifamilie noch stärker zusammen“. Sie sprach ihre Anteilnahme aus, und sagte, sie sei sich darüber im Klaren, dass „Worte in einer solchen Situation kaum trösten können.“

Bundesinnenministerin Nancy Faeser nahm an einer Gedenkminute der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Frankfurt teil. Sie dankte den Polizistinnen und Polizisten, die „Tag für Tag unter Einsatz ihres Lebens“ für die Sicherheit der Gesellschaft einstünden.

Gedenken an die in Kusel getöteten Polizeikräfte: Schweigeminute um 10 Uhr

+++ 10.30 Uhr: In ganz Deutschland wurde um 10.00 Uhr bei einer Schweigeminute an die beiden getöteten Polizisten aus Kusel gedacht, so auch bei der Hamburger Polizei. „Die Polizei Hamburg nimmt Anteil und ist in Gedanken bei den Kolleginnen und Kollegen der Polizei Rheinland-Pfalz, den Familien und Freunden der Verstorbenen“, hatten die Beamten zuvor mitgeteilt. „Wir gedenken in Stille.“

Polizeibeamte stehen an einer Absperrung rund einen Kilometer von dem Tatort, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden.
Polizeibeamte stehen an einer Absperrung rund einen Kilometer von dem Tatort, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden. © Sebastian Gollnow/dpa

Bundesweite Schweigeminute: Gedenken an getötete Polizisten in Kusel

+++ 09.00 Uhr: Die Polizei in ganz Deutschland gedenkt am Freitag um 10.00 Uhr mit einer Schweigeminute der beiden ermordeten Beamte aus dem rheinland-pfälzischen Kusel. In Kusel wird es zudem eine polizeiinterne Gedenkveranstaltung geben, an der die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landesinnenminister Roger Lewentz (beide SPD) als Gäste teilnehmen wollen. Das Gedenken findet nicht öffentlich statt. Laut Angaben des Innenministeriums plant die Landesregierung einen öffentlichen Trauerakt zu einem späteren Zeitpunkt.

Tödliche Schüsse auf Polizisten: Andreas S. soll zweiten Verdächtigen mit dem Tode bedroht haben

Update von Freitag, 04.02.2022, 07.30 Uhr: Der jüngere der beiden Männer, die nach der tödlichen Attacke auf eine 24-jährige Polizeianwärterin und ihren 29-jährigen Kollegen in Untersuchungshaft sitzen, gab bei seiner Vernehmung an, selbst von dem Tatverdächtigen Andreas S. mit dem Tod bedroht worden zu sein. Dies berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf Justizkreise.

Nach der Schilderung seines Anwalts sei der 32-jährige Florian V. geständig, Andreas S. beim Wildern geholfen zu haben, indem er etwa die getöteten Tiere verlud. Jedoch habe er auch angegeben, noch nie mit einer scharfen Waffe geschossen zu haben. Für die Tatnacht, als in Kusel zwei Polizeikräfte starben, soll das ein Schmauchspurentest belegen, an dem V. nach Angaben des Anwalts „aktiv teilgenommen“ habe. Ein offizielles Ergebnis des Tests stünde laut RND jedoch noch aus.

Tödliche Schüsse auf Polizisten in Kusel: Anwalt macht Angaben zu 32-Jährigem

Zu dem 32-jährigen mutmaßlichen Mittäter Florian V. waren bislang nur wenige Details bekannt, die der Anwalt des Tatverdächtigen im Gespräch mit dem RND nun ergänzt hat. Demnach hätte Florian V. in „äußerst beengten wirtschaftlichen Verhältnissen“ gelebt und zu seinem Mittäter kein besonders enges Verhältnis gehabt. Die Bekanntschaft zwischen den beiden Männern sei weder langjährig noch eng gewesen. Florian V. lebe außerdem in einer Beziehung und seine Partnerin halte zu ihm.

Zu seinem Motiv, sich nicht auf eigene Initiative bei der Polizei gemeldet zu haben, hatte V. nach RND-Informationen ausgesagt, selbst von Andreas S. mit dem Tod bedroht worden zu sein. Sein Anwalt äußerte sich zu dieser Angabe jedoch nicht. Dessen öffentlichen Angaben nach, werde V. nun vorerst keine weiteren Aussagen gegenüber der Polizei mehr machen. Einem psychiatrischen Gutachten würde er sich vorerst ebenfalls nicht unterziehen.

Tödliche Schüsse auf Polizisten in Kusel - Justiz mit weiteren Details

+++ 21.45 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen im Kreis Kusel in Rheinland-Pfalz wird am Freitag (04.02.2022) eine bundesweite Schweigeminute und eine interne Trauerfeier der Polizei stattfinden, um der erschossenen 24-jährigen Polizistin und ihrem 29-jährigen Kollegen zu gedenken. Zu der nicht-öffentlichen Trauerfeier im pfälzischen Kusel werden neben Angehörigen und Kolleginnen und Kollegen der getöteten Beamten auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landesinnenminister Roger Lewentz (beide SPD) erwartet. Eine offizielle Trauerfeier ist für einen späteren Zeitpunkt geplant.

Der rheinland-pfälzische Landtag will der beiden Polizisten im Rahmen der Plenarsitzung am 16./17. Februar gedenken. Im Saarland legte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Donnerstag in der Staatskanzlei ein Kondolenzbuch aus.

Nach Beifall aus „Querdenker“-Szene: Ermittlungsgruppe gegen Hasskommentare im Internet

Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz richtete unterdessen eine Ermittlungsgruppe gegen Hasskommentare im Internet ein. Die 14 Beamten sollen die Verfasser und Verfasserinnen von Beifallsbekundungen für die Täter von Kusel ausfindig machen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) ist geplant.

Die rheinland-pfälzische Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sabrina Kunz, teilte mit, sie gehe davon aus, dass die Ermittlungsgruppe und die Staatsanwaltschaft unter Hochdruck daran arbeiten, Täter solcher Hass- und Hetzkommentare zu ermitteln. Kunz rief dazu auf, solche Taten nicht hinzunehmen. „Ich frage mich ernsthaft, was bei diesen Menschen falsch läuft, dass sie diesen tiefgründigen Hass öffentlich zum Ausdruck bringen.“

Nach tödlichen Schüssen in Kusel: Justiz nennt neue Details

+++ 16.30 Uhr: Um Wilderei zu verdecken, haben zwei Männer im Kreis Kusel in Rheinland-Pfalz mutmaßlich eine Polizistin und einen Polizisten erschossen. Nun nennt die Justiz neue Details zu den Ermittlungen. Im Auto der Tatverdächtigen wurden insgesamt 22 Stück Damwild gefunden, teilte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern mit. Außerdem seien in der Wurstküche eines Tatverdächtigen im saarländischen Sulzbach Tierabfälle sichergestellt worden.

Die beiden Tatverdächtigen sitzen wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes und der gewerbsmäßigen Jagdwilderei in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft wurden am Aufenthaltsort eines Tatverdächtigen in Spiesen-Elversberg im Saarland 20 ausgeweidete Wildtier-Kadaver sowie Tierabfälle entdeckt. Vor der Tür habe dort ein Kühlanhänger mit verkaufsfertig verpacktem Fleisch im Wert von mehreren tausend Euro gestanden. Die Ergebnisse der Durchsuchungen würden weiter ausgewertet, hieß es.

Tödliche Schüsse auf Polizei in Kusel: Verdächtige schon zuvor mit Gesetz im Konflikt

Gegen beide Tatverdächtige hat die saarländische Justiz in der Vergangenheit mehrfach ermittelt. Einer der beiden Männer sei 2006 vom Landgericht Saarbrücken wegen fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit einem Jagdunfall zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken mit. Der heute 38-Jährige hatte demnach einen Jagdkollegen mit einem Schuss im Hals- und Brustbereich sowie insbesondere im Bereich eines Auges erheblich verletzt. Zudem soll der Mann 2017 in einem fremden Jagdrevier ein Reh geschossen haben und danach mit dem Auto gefährlich auf einen Mann zugefahren sein. Das Verfahren sei eingestellt worden, weil er ein Alibi hatte.

Gegen den 38-Jährigen laufen der Staatsanwaltschaft zufolge weitere Ermittlungen - unter anderem wegen einer möglichen vorgetäuschten Straftat, um an Geld aus einer Versicherung zu kommen. Der Mann habe die Tat nicht eingeräumt, hieß es.

Der zweite festgenommene Tatverdächtige, ein 32-Jähriger, sei seit 2018 dreimal verurteilt worden, unter anderem wegen Verkehrsdelikten. Zuvor hatten darüber mehrere Medien berichtet.

Nach tödlichen Schüssen auf Polizisten - Verdächtiger äußert sich zur Tatnacht

+++ 12.30 Uhr: Noch viele Fragen sind nach dem Doppelmord an zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz offen. Derzeit geht die Polizei davon aus, dass die beiden Verdächtigen ihre Wilderei in Kusel vertuschen wollten und deshalb auf die 24-jährige Polizistin und ihren 29 Jahre alten Kollegen schossen. Einer der beiden Verdächtigen legte bereits ein Teilgeständnis ab und räumte den Vorwurf der Wilderei ein. Jedoch habe der 32-Jährige bestritten, selbst geschossen zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Beim Verhör habe er sich noch detaillierter zur Tatnacht geäußert und den 38-jährigen Andreas S. schwer belastet, wie das Nachrichtenportal Focus Online berichtet.

Demnach soll der 32-Jährige erklärt haben, dass der Hauptverdächtige Andreas S. ihn lediglich um seine Hilfe bei einem illegalen Jagdzug gebeten habe. Unter anderem habe er dabei helfen sollen, die getöteten Tiere in den Transporter zu wuchten. Die Schüsse habe alleine Andreas S. abgegeben. Der 32-Jährige soll zudem erklärt haben, dass der Hauptverdächtige der 24-jährigen Polizisten mit einer Schrotflinte in den Kopf schoss, als diese um Papiere bat. Das will Focus Online aus Justizkreisen erfahren haben. Ihren Kollegen soll Andreas S. anschließend mit vier Schüssen aus einem Einzellader-Gewehr getötet haben.

Tödliche Schüsse in Kusel: Zweiter Verdächtiger belastet Andreas S. schwer

Zudem soll der 32-Jährige gegenüber der Polizei beteuert haben, noch nie mit einer scharfen Waffe geschossen zu haben. Er habe bei der Tat laut eigener Aussage nicht mehr in das Geschehen eingreifen können, um die Morde zu verhindern. Bisherige Untersuchung zu Schmauchspuren an den Händen sollen diese Aussagen nicht widerlegen können, berichtet Focus Online weiter. Offiziell bestätigt sind diese Informationen bislang noch nicht.

Eine Polizistin und ein Polizist wurden in Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle erschossen.
Eine Polizistin und ein Polizist wurden in Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle erschossen. © Harald Tittel/dpa

Nach tödlichen Schüssen in Kusel: Neue Informationen zum Tatverdächtigen

Erstmeldung vom 03.02.2022, 09.45 Uhr: Kusel – „Die schießen“, war das Letzte, was die Kolleginnen und Kollegen von den zwei Polizeikräften in Kusel hörten, bevor die tödlichen Schüsse fielen. Der Vorfall in Rheinland-Pfalz hatte deutschlandweit für Bestürzung gesorgt. Bundesinnenministerin Nancy Faeser* (SPD)* sprach auf Twitter von einer „Hinrichtung“.

Noch am Montag (31.01.2021), dem Tag des Vorfalls, meldete die Polizei dann den Fahndungserfolg. Zwei Männer wurden im Saarland festgenommen. Doch was ist bisher über die mutmaßlichen Täter und die schreckliche Tat bekannt? Ein Überblick.

Tödliche Schüsse auf Polizei in Kusel: Das ist über die Tat bekannt

Am Morgen waren eine 24-jährige Polizistin und ihr 29 Jahre alter Kollege in einem Zivilfahrzeug unterwegs. Ihr Auftrag war, gegen Eigentumskriminalität vorzugehen, sagte der Leiter des Polizeieinsatzes, Heiner Schmolzi, bei einer Pressekonferenz zum Vorfall in Kusel. Weil die Kontrolle an einer Stelle stattfand, die dafür nicht geeignet gewesen sei, gehe er davon aus, dass die Polizisten das Fahrzeug mit den Verdächtigen stehend vorfanden. Vermutlich seien die beiden Beamten von einer Panne oder einem Wildunfall ausgegangen. Laut Angaben der Polizei sei der Kofferraum des Wagens voller Wild gewesen.

Dann seien die Schüsse gefallen. Die 24 Jahre alte Polizistin wurde mit einem Schuss in den Kopf getötet. Der 29-jährige Oberkommissar wurde nach Darstellung der Ermittelnden von vier Schüssen getroffen, davon einer in den Kopf. Er selbst habe 14 Mal geschossen, nach bisherigen Erkenntnissen sei aber keiner der beiden Verdächtigen getroffen worden

Nach tödlichen Schüssen in Kusel: Polizei nennt Details

Die Tatverdächtigen waren zunächst auf der Flucht, konnten am Montag jedoch im Saarland festgenommen werden. Personalausweis und Führerschein von Andreas S. wurden am Fahrzeug gefunden. Der 38 Jahre alte Mann wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Am Abend wurde er in Sulzbach in der Nähe seines Wohnorts festgenommen. Im Zuge der Durchsuchung mehrerer Objekte habe dann der zweite Tatverdächtige widerstandslos festgenommen werden können, ein 32-jähriger Mann.

Seit Dienstag (01.02.2022) sitzen die Saarländer wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei in Untersuchungshaft. Andreas S. schwieg bisher. Der 32-jährige Florian V. legte ein Teilgeständnis ab, so die Ermittelnden. Er habe den Vorwurf der Wilderei eingeräumt. Auch seien Schüsse gefallen. Jedoch habe der 32-Jährige bestritten, selbst geschossen zu haben.

Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen jedoch davon aus, dass mindestens zwei Waffen verwendet – und diese von beiden Beschuldigten genutzt wurden. Die Behörden wollen nun unter anderem klären, ob die Männer über Waffenbesitzkarten verfügten, wie die Staatsanwaltschaft in Kaiserslautern mitteilte. Bei der Festnahme der Männer war ein großes Waffenarsenal sichergestellt worden. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder etwa Verbindungen in die sogenannte Reichsbürgerszene gebe es nicht. Zum Motiv hat die Polizei bereits eine Vermutung.

Kusel: Nach tödlichen Schüssen auf Polizei – Das Motiv

Zum Motiv der Tat in Kusel hatten die Ermittelnden bereits einen Verdacht. Die glauben, dass die Verdächtigen ihre Wilderei vertuschen wollten. Es herrscht Fassungslosigkeit. Auf der Pressekonferenz zur Tat fragt ein Journalist die Ermittlerinnen und Ermittler: „Das reicht doch eigentlich nicht aus, um einfach zwei Polizisten jetzt totzuschießen?“.

Es seien zwar Faktoren genannt worden, brüchige soziale Verhältnisse und eine schwierige wirtschaftliche Lage, doch das gehe ihm nicht in den Kopf. Auf die Frage, ob Alkohol- oder Drogen-Einfluss möglich wäre, oder psychologische Faktoren eine Rolle spielten, erklärt der Oberstaatsanwalt: „Im Moment kann ich ihnen noch nichts dazu sagen, außer dass man fassungslos davor steht, ist das nicht erklärbar.“

Tödliche Schüsse in Kusel: Häme in den sozialen Netzwerken

Der Kaiserslauterner Polizeipräsident Michael Denne sagte, nach dem Tod der Kollegen herrsche „sehr große Betroffenheit“ bei der gesamten rheinland-pfälzischen Polizei. „Seit 4.22 Uhr gilt für uns eine neue Zeitrechnung. Wir sind schockiert, zutiefst entsetzt und traurig.“ Montagmorgen, 4.22 Uhr, ist der mutmaßliche Zeitpunkt des Verbrechens. Die Ermittelnden sprachen auch von Beifallsbekundungen in Richtung der Täter in sozialen Medien.

Dies werde man nicht hinnehmen, kündigte Frank Gautsche von der Kriminaldirektion Westpfalz an. Die Behörden würden diese „abscheulichen Postings“ genau untersuchen und alles daran setzen, die Absender von Hassnachrichten strafrechtlich zu verfolgen. Unter anderem aus dem Bereich der „Querdenken“-Szene hatten Telegram-Nachrichten zur Tat in Kusel für Entsetzen gesorgt.

(slo/sne mit dpa/AFP/rtr)*fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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