Für Klimaschutz

Kühe sollen auf die Toilette - um ein drängendes Problem zu bekämpfen

Kühe sollen lernen, auf die Toilette zu gehen. Wie bitte? Ja, tatsächlich wollen Forscher ihnen beibringen, Urin in bestimmten Zonen loszuwerden - für den Klimaschutz.

Auckland - Es klingt erst einmal mindestens außergewöhnlich: Kühe sollen lernen, auf die Toilette zu gehen. Konkret haben Wissenschaftler Kühen beigebracht, in einem dafür vorgesehenen Bereich zu urinieren. Hintergrund ist ein Forschungsprogramm zur Verringerung von Treibhausgasemissionen.

StadtAuckland
LandNeuseeland
Fläche1.086 km²

Kühe sollen auf die Toilette: Urin auffangen könnte beim Klimaschutz helfen

Die Möglichkeit, den Urin aufzufangen, könnte die Umweltbelastung durch Rinderhaltung erheblich reduzieren, erklärte ein Team neuseeländischer und deutscher Wissenschaftler in einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Current Biology.

Doch wie weit ist die Idee von Kühen auf der Toilette schon vorangekommen? Bislang läuft das Projekt in einem überschaubaren Rahmen. Die Wissenschaftler trainierten 16 Kälber mit Hilfe von Futterbelohnungen darauf, in einen Latrinenstall zu urinieren. Die Ergebnisse seien vergleichbar mit dem, was von einem dreijährigen Kind zu erwarten sei, erklärten die Forscher.

Kühe auf die Toilette? Idee für den Klimaschutz entstand durch einen Witz

Die Idee, Kühe zum Toilettengang zu trainieren, um ihren Urin aufzufangen, sei ursprünglich durch einen Witz entstanden, sagt der Tierverhaltensforscher Lindsay Matthews. „Die Reaktion der Leute ist natürlich ‚verrückte Wissenschaftler‘“, aber das mache durchaus Sinn.

Ein Kalb betritt eine Latrine. Kühe können offenbar darauf trainiert werden, ihren Urin auf einer Art Toilette abzugeben - das soll sowohl dem Klima- als auch dem Umweltschutz dienen.

Denn die Urin-Ausscheidungen von Kühen sind in zweierlei Hinsicht problematisch: Sie setzen das Treibhausgas Distickstoffmonoxid, allgemein bekannt als Lachgas frei. Und sie enthalten große Mengen Nitrat, das sich im Boden und in Gewässern ablagert.

Kühe für den Klimaschutz auf Toilette - mehr als eine verrückte Idee

„Wenn wir zehn oder 20 Prozent der Urin-Ausscheidungen auffangen, könnten wir den Ausstoß von Treibhausgasen und die Nitratauswaschung erheblich reduzieren“, sagt Douglas Elliffe von der Universität Auckland. Der aufgefangene Urin soll danach behandelt werden.

Elliffe zufolge zeigen die Forschungsergebnisse, dass das Toiletten-Training von Kühen grundsätzlich möglich ist. Die Herausforderung bestehe nun darin, das Konzept zu erweitern, um große Herden zu trainieren und es an Umgebungen wie Neuseeland anzupassen, wo die Tiere die meiste Zeit im Freien und nicht im Stall verbringen.

Kühe sollen auf die Toilette gehen - intensive Forschung für Klimaschutz

In Neuseeland verursacht die Landwirtschaft etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen, hauptsächlich in Form von Methan und Lachgas. Seit Jahren wird deshalb intensiv nach möglichen Lösungen geforscht. Andere Projekte sind die Zucht von Nutztieren mit geringem Methanausstoß, die Verwendung alternativer Futtermittel oder gar Impfungen von Tieren, damit sie weniger schädliche Gase produzieren.

Das Thema Klimaschutz ist auch vor der Bundestagswahl 2021 in Deutschland ein beherrschendes: Die Organisation Fridays for Future ruft für den 24. September zum globalen Klimastreik auf. Zwei Tage vor der Wahl wollen die Aktivisten die Bevölkerung weltweit für mehr Klimaschutz mobilisieren und Druck auf politische Entscheidungsträger ausüben. (mit Material von AFP)

Rubriklistenbild: © HANDOUT

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