Krawalle in London gehen weiter

London - London steht den zweiten Tag in Folge im Zeichen gewalttätiger Krawalle. Brennende Autos und Plünderungen werden aus inzwischen acht Stadtteilen gemeldet. Am Montagabend wurden weitere Häuser in Brand gesetzt.

London hat zum zweiten Mal in Folge im Zeichen gewalttätiger Krawalle gestanden. Plündernde und brandschatzende Banden gingen in der Nacht zum Montag vom Nordlondoner Stadtteil Tottenham in mindestens sieben weitere Stadtteile, vor allem im Norden, Osten und Süden der Metropole. Die Polizei nahm inzwischen weit mehr als 150 Randalierer fest. Mehr als 30 Polizisten wurden verletzt. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren waren unterwegs. Die Polizei stockte ihre Einsatzkräfte auf, um sich für eine dritte Nacht der Randale zu wappnen.

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Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Vizepremierminister Nick Clegg sagte in Tottenham, die Randalierer seien “opportunistische Kriminelle“. Sie hätten schon jetzt “große Narben“ in der Gesellschaft hinterlassen. Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag im Problemviertel Tottenham begonnen. Zwei Tage zuvor war dort der 29-jährige Mark Duggan von einem Polizisten erschossen worden. Unklar war, ob der Familienvater, der der Banden- und Drogenszene zugerechnet wird, das Feuer eröffnet hatte. Ergebnisse ballistischer Tests sollten am Dienstag veröffentlicht werden.

Der Mann hatte nach Darstellung der Polizei bei einer Kontrolle aus einem Taxi auf die Fahnder geschossen. Eine Kugel , die das Funkgerät eines Polizisten traf, stammte nach einer ersten Untersuchung aber offenbar aus einer Polizeiwaffe, berichteten mehrere britische Medien. Die britische Innenministerin Theresa May brach am Montag ihren Urlaub ab, um nach London zurückzukehren.

Randalierer hatten in Tottenham Büros, Wohnungen, Supermärkte Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus in Brand gesetzt und Geschäfte ausgeplündert. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern übrig. Familien wurden obdachlos, weil ihre Wohnungen ausbrannten. “Das hat absolut nichts mit dem Tod von Mark Duggan zu tun“, sagte Vize-Premier Nick Clegg. Die Gewalt sei “total unakzeptabel“. Der örtliche Abgeordnete David Lammy sagte, Tottenham sei “das Herz entrissen“ worden. Die Sachschäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen gehen in den mehrstelligen Millionenbereich.

Familienvater erschossen: Bilder von den Krawallen in Tottenham

Die "Schlacht um London": Bilder von den Krawallen 

Im Stadtteil Brixton im Süden verwüsteten in der Nacht zum Montag mehr als 200 Jugendliche die zentrale Einkaufsstraße. In Enfield im Norden sowie den Stadtvierteln Walthamstow und Waltham Forest im Nordosten griffen Jugendliche Polizisten an, zerstörten Schaufenster und plünderten Läden. Die Feuerwehr musste rund 50 Brände löschen. Einige dieser Gegenden sind für soziale Probleme bekannt. Rund 50 Jugendliche randalierten aber auch am Oxford Circus - mitten in der Londoner Innenstadt. Am Montag rief die Polizei Händler und Büroinhaber im Stadtteil Hackney auf, die Läden zu schließen und die Büros zu verlassen.

Die Familie des getöteten Mannes distanzierte sich von der Gewalt. Das sei nicht im Sinne des 29-Jährigen, sagte dessen Bruder. Bei den Tätern handle es sich offenbar um “Trittbrettfahrer“, erklärte Scotland Yard. Die Beamten seien schockiert über das Ausmaß der Gewaltbereitschaft. London ist in einem Jahr (27. Juli bis 12. August 2012) Austragungsort der Olympischen Spiele. Die Sicherheit ist eines der meistdebattierten Themen im Vorfeld der Spiele.

Die Jugendlichen bildeten laut Polizei über das Internet “kleine und mobile“ Gruppen. Sie hätten sich mit Smartphones organisiert und seien sehr schnell von einem Ort zum nächsten weitergezogen, berichteten Beobachter. Die Polizei habe daher große Probleme gehabt, die Randalierer unter Kontrolle zu bekommen. Scotland Yard drohte Twitter-Usern, die über den Kurznachrichtendienst zu Gewalt aufrufen, hohe Strafen an.

Wieder brennende Häuser in London

Die Welle der Gewalt in London gerät allmählich außer Kontrolle. Immer mehr Stadtteile waren am Montagabend von gewalttätigen Ausschreitungen betroffen. In Peckham und Croydon im Süden der Stadt brannten Häuser lichterloh. Die BBC berichtete, in Birmingham wurden erstmals auch Krawalle außerhalb der Hauptstadt gemeldet.

Der amtierende Chef der Londoner Polizei Scotland Yard, Tim Godwin, rief alle Eltern auf, ihre Kinder zu kontaktieren. Die Menschen sollten die Straßen räumen. “Es sind viel zu viele Schaulustige auf den Straßen“, sagte er. Die Polizei hatte am Montag 300 Beamte aus anderen Städten Großbritanniens nach London beordert. Von Anwohnern wurde der Einsatz der Armee gefordert.

dpa

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