"Selbst Tiere verhalten sich nicht so"

Jetzt spricht der Freund der indischen Studentin

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Der Freund der nach einer Vergewaltigung verstorbenen Studentin hat sich erstmals in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet.

Neu-Delhi - Rund drei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Indien hat sich erstmals ihr Freund öffentlich zu dem grausamen Verbrechen geäußert.

Brutale Gewalt, tatenlose Polizisten und gaffende Passanten: Drei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Indien hat sich ihr Begleiter erstmals öffentlich zu dem grausamen Verbrechen geäußert und schwere Vorwürfe gegen die Beteiligten erhoben. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie brutal der Angriff war“, sagte der Mann am Freitag einem indischen TV-Sender. „Selbst Tiere verhalten sich nicht so.“ Neben den mutmaßlichen Tätern, die am (heutigen) Samstag von einem Schnellgericht zur Anhörung zitiert wurden, gerät nun auch die Polizei ins Zwielicht.

„Sie haben untereinander gestritten und konnten sich nicht entscheiden, welche Polizeistation für den Fall zuständig sei“, sagte der nicht näher identifizierte Mann, den die übertragende Fernsehstation Zee News bloß als „Indiens Held“ vorstellte. 20 Minuten seien so vergangenen, schließlich habe er selbst die Schwerverletzte ins Auto hieven müssen. „Vielleicht wollten sich die Polizisten nicht die Hände schmutzig machen mit all dem Blut.“

Der Bruder der 23-Jährigen, die zwei Wochen später ihren schweren Verletzungen erlag, machte die verzögerte Hilfeleistung für den Tod seiner Schwester mitverantwortlich. Fast zwei Stunden habe es nach deren Erzählung gedauert, bis sie und ihr ebenfalls misshandelter Freund ins Krankenhaus kamen. „Bis dahin hatte sie schon eine Menge Blut verloren“, zitierte die Nachrichtenagentur Press Trust of India den Bruder.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Der Polizeivertreter Vivek Gogia wies am Samstag den Vorwurf zurück, die Beamten hätten lange gestritten, bevor die beiden in die Klinik gebracht wurden. Die Beamten seien vielmehr schon drei Minuten nach ihrer Alarmierung eingetroffen und zwölf Minuten später mit den Verletzten zum Krankenhaus gefahren. Die Zwischenzeit sei genutzt worden, um in einem Hotel ein Betttuch aufzutreiben, mit dem sich die Entblößten bedecken konnten.

Zuvor war die Studentin auf dem Heimweg von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einen Minibus in der Hauptstadt Neu-Delhi gestiegen und dort vergewaltigt worden. Sie und ihr Begleiter wurden verprügelt und nackt aus dem fahrenden Bus geworfen. Die Tortur soll sich quälend lange hingezogen haben.

Eigentlich hätten er und seine Freundin an jenem Abend lieber mit einer Autorikscha nach Hause fahren wollen, sagte der Freund des Opfers Zee News. Dann seien sie jedoch in den mit sechs Männern besetzten Bus gestiegen und nach einer Weile erst belästigt und dann angegriffen worden.

„Ich habe mich mit drei von denen geprügelt“, schilderte der junge Mann, der während des Interviews mit einem gebrochenen Bein im Rollstuhl saß. „Ich schlug hart zu. Aber dann haben mich zwei andere mit einer Eisenstange traktiert.“ Seine Freundin habe versucht, mit dem Handy die Polizei zu alarmieren, aber die Männer hätten es ihr weggenommen, sagte er. Dann hätten sie die Frau zu den Rücksitzen im Bus gezerrt und vergewaltigt. Nach der Tortur seien einige der Angreifer schließlich davon ausgegangen, dass ihr Opfer tot sei.

Nachdem ihre nackten und blutenden Körper aus dem Bus geworfen worden seien, habe er bei vorbeifahrenden Rikscha- und Autofahrern um Hilfe gewunken. Doch vergeblich: „Sie verlangsamten ihr Tempo, schauten auf unsere nackten Körper und fuhren weg.“ Anstatt medizinisch versorgt zu werden, habe er dann vier Tage auf einer Polizeistation verbracht, um bei den Ermittlungen zu helfen.

„Täter sollten bei lebendigem Leibe verbrannt werden“

Seine mit dem Tod ringende Freundin habe noch im Krankenhaus ihre Zeugenaussage abgegeben. „Und sie sagte mir, dass die Täter bei lebendigem Leibe verbrannt werden sollten“, erzählte ihr Begleiter. Seinen eigenen Auftritt im Fernsehen begründete er damit, Opfer ähnlicher Verbrechen ermutigen zu wollen, über ihr Leid zu sprechen und derlei Verbrechen ans Licht zu bringen. „Die Menschen sollten gemeinsam dafür kämpfen, dass ein solches Verbrechen nie wieder passiert - in Anerkennung an sie.“

Indiens Regierung will nun tatsächlich ein Zeichen setzen. Die grassierende Gewalt gegen Frauen müsse „mit eiserner Hand“ bekämpft werden, erklärte Innenminister Sushilkumar Shinde. Überdies solle das gesamte Justiz- und Polizeisystem nach dem jüngsten Vergewaltigungsskandal auf den Prüfstand gestellt werden. Die Verfolgung von Missbrauchsfällen dürfe nicht länger verschleppt werden, sagte er auf einer Konferenz indischer Regierungsvertreter zum besseren Schutz von Frauenrechten.

Am Samstag wurden fünf Männer, die des Verbrechens schuldig sein sollen, von einem eigens eingerichteten Schnellgericht vorgeladen. Die Polizei wirft ihnen unter anderem Mord vor, was im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe nach sich ziehen könnte. Ein sechster Verdächtiger ist wohl noch minderjährig und dürfte deshalb vor einem Jugendgericht landen.

Proteste in Indien gegen Gruppenvergewaltigung brutal niedergeschlagen

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dapd

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