Mordversuch statt Scheidung

Ulm - Eine Ehe scheitert. Doch statt sich scheiden zu lassen, beschließt eine 36-Jährige, ihren Mann aus dem Weg zu schaffen und es als Suizid zu tarnen. Nun muss sie für lange Zeit hinter Gitter - und ihr Geliebter gleich mit.

Als ihr Ehemann fand, dass der Sekt eigenartig schmeckte, feuerte sie ihn an, das Glas “auf Ex“ zu trinken. So setzte eine 36-Jährige aus Schelklingen ihn mit K.o.-Tropfen außer Gefecht. Was dann folgte, sollte wie sein Selbstmord aussehen. Doch ihr Mann wachte auf und entkam. Das Landgericht Ulm hat die 36-Jährige am Freitag zu zehn Jahren Gefängnis wegen versuchten Mordes verurteilt. Ihr 33 Jahre alter Komplize und Geliebter muss für fünf Jahre hinter Gitter. Er hatte die K.o.-Tropfen besorgt.

“Eine Ehe, die als normaler als normal anzusehen ist“, so beschreibt Richter Gerd Gugenhan die Beziehung in seiner Urteilsbegründung und erzählt, wie sie zerbrach. Der 41 Jahre alte Mann arbeitete sehr viel, ein Hausbau im kleinen Ort bei Blaubeuren war anstrengend, drei Kinder forderten Aufmerksamkeit. “Bei ihr kam das Gefühl einer mangelnden Anerkennung als Hausfrau dazu“, befand der Richter.

Geliebter aus dem Internet besorgte K.o.-Tropfen

Schließlich lebten beide zwar noch im gleichen Haus, aber in verschiedenen Stockwerken. Als klar wurde, dass der Mann die Scheidung wollte, kam der 36-Jährigen die Idee, ihn aus dem Weg zu schaffen, es aber als Selbstmord zu tarnen. Das hatte sie in einer schriftlichen Erklärung im Verfahren auch zugegeben. Im Internet suchte sie nach “Selbstmordmethoden“ - wie die Ermittler später feststellten.

Im Netz hatte sie auch ihren Geliebten, einen 33-Jährigen mit Drogenproblemen, kennengelernt. Er besorgt ihr K.o.-Tropfen - was er vor Gericht zugab. Die 36-Jährige streute vor der Tat Gerüchte, ihr Mann sei von Depressionen geplagt und spiele mit dem Gedanken, sich umzubringen.

Am 24. Mai 2010 mixte die Frau dann das Narkosemittel in den Sekt. Der Vater ihrer drei Kinder trank, brach zusammen - und sie versuchte, ihm die Pulsadern zu durchschneiden. Doch der Mann erwachte und konnte zu Nachbarn fliehen.

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über die Forderungen der Anklage von acht Jahren für sie und vier für den Komplizen hinaus. Verteidiger Alfred Nübling kündigte an, in die Revision zu gehen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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