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Neue Corona-Regeln in der EU: Impfzertifikat nur noch einige Monate gültig?

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Die Europäische Kommission will die Corona-Regeln in der EU ändern. Das Impfzertifikat soll dann nur noch für wenige Monate gültig sein - ohne Booster-Impfung.

Hamm - Ohne Auffrischungsimpfung kein Impfzertifikat mehr - mit diesem Vorschlag will die Europäische Kommission einen zu großen Flickenteppich in der Bekämpfung der Corona-Pandemie in allen Mitgliedsländern herbeiführen. Das soll unter anderem ein einheitliches Vorgehen beim Reisen innerhalb von Europa ermöglichen.

GremiumEuropäische Kommission
Gründung1. Januar 1958
VorsitzUrsula von der Leyen

EU will Corona-Regeln ändern: Impfzertifikat soll nur noch Monate gültig sein

In Deutschland nimmt die Pandemie weiter Fahrt auf, der Inzidenz-Wert ist am Freitag (26. November) bundesweit auf 438,2 geklettert, in NRW erreicht er mittlerweile fast die 300er-Marke. Auch die wichtige Hospitalisierungsrate - der neue wichtige Maßstab für Corona-Maßnahmen - ist in NRW gestiegen. In vielen anderen EU-Ländern ist die 7-Tage-Inzidenz aber noch deutlich dramatischer. Österreich (1.111,8) und Tschechien (1.064,2) wiesen am Donnerstag (25. November) Werte über der 1000er-Marke auf. In vielen weiteren EU-Staaten liegt der Wert ebenfalls deutlich höher als in Deutschland - darunter Belgien, die Niederlande oder Kroatien.

Mit der Anpassung des Impfzertifikats sollen vor allem Geimpfte weiter geschützt bleiben, heißt es von der EU-Kommission. Eine Auffrischungsimpfung soll künftig die Voraussetzung für die weitere Gültigkeit des digitalen Covid-Zertifikats sein. „Seit Beginn der Pandemie hat sich die Kommission intensiv um Lösungen bemüht, um den sicheren freien Personenverkehr auf koordinierte Weise zu gewährleisten“, sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders in Brüssel. Die EU-Kommission koordiniert die Corona-Krisenreaktion in den Mitgliedsstaaten. Das Covid-Zertifikat sei dabei das gemeinsame Instrument. Hauptziel sei es, abweichende Maßnahmen in der EU zu vermeiden. Dies gelte auch für die Frage der Booster-Impfungen, die für die Bekämpfung des Virus unerlässlich seien.

Mit der Booster-Impfung soll auch die vierte Corona-Welle in Deutschland langfristig gebrochen werden. Geimpft werden soll bei der Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff - möglich sind Biontech oder Moderna. Doch nicht beide Impfstoffe werden für jeden empfohlen.

EU will Corona-Regeln ändern: Mitgliedsstaaten entscheiden selbst

„Wir schlagen eine Gültigkeitsdauer von neun Monaten für den EU-weiten Impfpass vor, danach würde er ohne den Nachweis einer Auffrischungsimpfung seine Gültigkeit verlieren“, so Didier Reynders. Der Zeitraum berücksichtige die Empfehlung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zur Auffrischungsdosis nach sechs Monaten. Drei Monaten bleiben anschließend, um sich in der Regel ein drittes Mal impfen zu lassen.

Allerdings handelt es sich lediglich um einen Vorschlag der EU-Kommission. Die Mitgliedsstaaten haben die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie sie mit dem digitalen Impfpass umgehen wollen. Die Kommission schlägt vor, die neuen Regeln am 10. Januar 2022 einzuführen.

Mit dem Vorstoß will die Behörde die Reisefreiheit in der EU gewährleisten. „Wir sehen ein klares Risiko, dass unterschiedliche Ansätze in den Ländern das Vertrauen in das System des Corona-Impfzertifikats gefährden und die Freizügigkeit innerhalb der Union behindern könnten“, sagte Reynders. Mehr als 65 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung seien mittlerweile geimpft, fügte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hinzu. Das reiche aber längst nicht aus. Es gebe immer noch zu viele Menschen, die nicht geschützt seien.

Green Consumption Pledge
EU-Julstizkommissar Didier Reynders schlägt neue Corona-Regeln vor. © John Thys/dpa

Damit jeder möglichst sicher reisen und leben könne, müsse dringend eine deutlich höhere Impfquote erreicht werden. Dazu gehöre, dass die Immunität durch eine Booster-Impfung gestärkt werde. Der EU-Vertrag mit Biontech/Pfizer über 1,8 Milliarden Impfdosen ermögliche flächendeckende Boosterimpfungen in der ganzen EU.

Aber nicht nur innerhalb der EU sollen die Regelungen angeglichen werden, auch für die Einreise aus Drittstaaten sollen sie gelten. Für Privatreisen in die EU soll dann ebenfalls die Gültigkeitsdauer von neun Monaten bis zu einer Auffrischungsimpfung verpflichtend sein. Für diese Reisenden aus Ländern außerhalb der EU schlug die Europäische Kommission weitere Corona-Regeln vor. Demnach muss das Zertifikat von der EU oder Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassen sein. Reisende, die mit einem Impfstoff geimpft sind, der nicht von der Europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) zugelassen ist, benötigen künftig einen zusätzlichen negativen PCR-Test.

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