Wisent-Attacke im Sauerland

Seltene Riesen-Tiere attackieren Hund - Besitzer kann ihn nicht retten

Wisente sind vom Aussterben bedroht: In NRW leben sie in freier Wildbahn und haben nun Nachwuchs. Zu große Nähe endete für einen Hund jetzt tödlich.
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Wisente sind vom Aussterben bedroht: In NRW leben sie in freier Wildbahn und haben nun Nachwuchs. Zu große Nähe endete für einen Hund jetzt tödlich. Symbolbild.

Ein Hund ist im Sauerland (NRW) getötet worden, obwohl ihn sein Besitzer noch an der Leine hatte. Wildlebende Wisente griffen ihn an.

  • Im Sauerland haben zwei Wisente am Mittwoch einen angeleinten Hund getötet.
  • Der Halter hatte zuvor seinen Hund samt Leine losgelassen.
  • Der Wisent-Verein spricht von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“.

Schmallenberg - Zwei Tiere aus der freilebenden Wisent-Herde im Sauerland haben einen Hund angegriffen und getötet. Der Trägerverein der Herde spricht von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“.


Wisent

Art

Rind 

wissenschaftlicher Name

Bos bona

Auswilderung in Deutschland

2013 im Kreis Siegen-Wittgenstein

Alles hatte ungefährlich begonnen: Der Hunde-Halter hatte im Sauerland am Mittwoch zuvor einige der freilaufenden Wisente in etwa 200 Metern Entfernung in der Nähe des Albrechtsplatzes zwischen Schmallenberg und Winterberg gesehen. Als er zurück zu seinem Auto gehen wollte, kam er aber den Tieren und deren jungen Kälbern aber offenbar zu nah. Über den Vorfall berichtet sauerlandkurier.de.*

Laut Wisent-Verein in NRW habe der Hundehalter die Wisente in „ungefähr fünf Metern Abstand“ passiert, woraufhin zwei der knapp 1,80 Meter großen und bis zu 190 Kilogramm schweren Tiere den Hund attackierten. Der Hundehalter wollte den Hund zwar noch an der langen Rollleine wegziehen, ließ ihn aber schließlich samt Leine los. 

Angeleinter Hund getötet: Wisente attackieren aufgrund der Nähe zu ihren Kälbern

Doch der bereits zwölf Jahre alte Hund konnte den deutlich größeren Wisenten nicht mehr entkommen, da sich zu allem Überfluss die Leineauch noch in Gestrüpp verfing. Der Wisent-Verein betont: „Die Tiere nahmen den Hund als Bedrohung ihrer neu geborenen Kälber wahr und verteidigten ihren Nachwuchs entsprechend. Für den Hund endete dies tödlich.“

Der Wisent-Verein im Sauerland weist darauf hin, dass gerade in der Zeit, in der Kälber geboren werden, Hunde von Wisenten als Bedrohung gesehen werden können. 

Daher sollten Hundehalter einen Abstand von mindestens 50 Metern zu den  Wisenten einhalten: „Hunde sollten in solch einer Situation grundsätzlich nur ohne oder mit flexiblem reißfähigem Halsband losgelassen werden.“

Bereits vor getötetem Hund: Wisent-Projekt ist seit Jahren ein Streitthema

Das Wisent-Projekt ist seit Jahren Streitthema: Insbesondere Waldschäden und die zu geringe Größe des Areals, in dem die Tiere leben, werden als Kritikpunkte angeführt. Das gilt besonders nach einem tödlichen Wisent-Unfall Ende des vergangenen Jahres. 

Die Begegnung mit zwei freilebenden Wisenten endete für einen angeleinten Hund im Sauerland (NRW) tödlich. (Symbolfoto)

Dass Wisente in freier Wildnis leben ist - wie es ihnen das Wisent-Projekt in NRW ermöglicht - ist einmalig in Westeuropa. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Seit 2013 wurden sie im südwestfälischen Bad Berlebugr und der Umgebung im Rothaargebirge ausgewildert.

Die damals ausgewilderte Herde des Wisent-Projekts bestand aus acht Tieren, die in Nordrhein-Westfalen freigelassen wurden. Im Kreis Siegen-Wittgenstein wurde der Bulle mit fünf Kühen und zwei Jungtieren ausgewildert. Stand Dezember 2019 gibt es in der Region etwa 25 Tiere. 

In Westeuropa werden auch weitere Auswilderungsprojekte von Wisenten diskutiert. Wiederansiedlungsprojekte laufen etwa in den Niederlanden, in Dänemark und in Frankreich.

Ebenfalls in NRW wird ein weiteres Projekt diskutiert. So sollen Wisente in dem Naturschutzgebiet Borkenberg bei Haltern am See wiederangesiedelt werden. Dort gibt es ein etwa 20km2 großes Gelände - ein ehemaliges Übungsgelände des britischen Militärs - auf dem die Tiere angesiedelt werden könnten. Hier sollen auch Wildpferde und Rotwild weiden - beobachtbar von Besuchern.

Wirbel um einen Wisent gab es auch im Kreis Olpe: Dort wurde im Oktober ein freilaufendes Tier gesehen - die Polizei sprach daraufhin eine Warnung aus. - *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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