Zwei Verdächtige in U-Haft

Video zeigt Entführung mitten in Hagen - viele Zeugen, aber kein einziger Notruf

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Nach einer mutmaßlichen Entführung mitten in Hagen in NRW sind zwei Tatverdächtige (23/26) in Hagen und Aachen festgenommen worden. Sie sitzen jetzt in Untersuchungshaft (Symbolbild).

Nach einer spektakulären Entführung mitten in Hagen in NRW sitzen zwei Verdächtige in Untersuchungshaft. Es ging offenbar um Drogengeschäfte im Rockermilieu.

  • Ein Mann (22) ist in Hagen mit Waffengewalt auf offener Straße entführt worden.
  • Die Ermittlungen führen offenbar ins Hagener Rockermilieu.
  • Videos zeigen, dass Zeugen die Tat beobachteten, aber nicht den Notruf wählten.

Hagen - Mit dem Abstand von mehr als einer Woche haben Staatsanwaltschaft und Polizei Hagen am Freitagmorgen gemeinsam über die Entführung auf offener Straße in der Stadt in NRW informiert, wie WA.de* berichtet.

Im Zusammenhang mit dem Verbrechen waren demnach am Montag (20. Januar) zwei Männer (23/26) "im Rahmen eines gezielt vorbereiteten Polizeieinsatzes" in Hagen und Aachen festgenommen worden. Sie seien dem Haftrichter vorgeführt worden, der Untersuchungshaft angeordnet habe.

Hagen: Opfer der Entführung wirkte glaubwürdig 

Das mutmaßliche Opfer der Entführung - ein 22-jähriger Syrer - habe abends am 16. Januar auf der Polizeiwache eine räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung im Bereich einer Spielhalle mitten in der NRW-Stadt Hagen angezeigt.

Der Syrer habe bei seiner Vernehmung zur Entführung glaubwürdig gewirkt. Im Rahmen der Ermittlungen seien dann Videos von Kameras, die in und vor der betreffenden Spielhalle angebracht sind, gesichert und ausgewertet worden.

Videomaterial zeigt Szenen der Entführung in Hagen

"Auf dem gesicherten Material konnteneindeutige Filmsequenzen festgestellt werden, die den Tathergang bis zum Einladen des bewusstlosen Geschädigten in einen Pkw zeigten", so Staatsanwaltschaft und Polizei in ihrer Mitteilung zur Entführung in NRW.

Erschreckend sei allerdings gewesen, dass die Videos nicht nur Täter und Opfer während der Entführung zeigten, sondern auch fünf Unbeteiligte, die mindestens zeitweise dem Geschehen zugeschaut, aber weder eingegriffen noch die Polizei gerufen hätten.

Hagen: Tatort der Entführung liegt zentral

"Der Ort des Geschehens liegt an stark befahrenen Straßen sowie einem zentral gelegenen großen Parkplatz, an dem zu dem Zeitpunkt noch Publikumsverkehr geherrscht haben dürfte. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Vorkommnisse von wesentlich mehr Personen beobachtet wurden.

Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft Hagen, ob gegen die Beobachter des Geschehens wegen unterlassener Hilfeleistung Strafverfahren eingeleitet werden. Die Ermittlungen werden fortgeführt", hieß es am Freitagmorgen weiter zu der Entführung.

Die Auswertung der Videos habe zur Identifizierung von zwei 23- und 26-jährigen Haupttätern in NRW geführt. Der 23-Jährige sei Mitglied des Hagener Motorradclubs, in dessen Vereinsheim das Opfer entführt worden sei.

Hagen: Das soll Ablauf der Entführung gewesen sein

Der 22-jährige Syrer hatte in seiner Vernehmung zur Entführung angegeben, dass er sich am Mittwoch, 15. Januar 2020 gegen 23 Uhr in einer Spielhalle in Hagen am Emilienplatz in der Innenstadt aufgehalten habe.

Dann habe ein ihm vom Sehen und mit Vornamen bekannter Beschuldigter die Spielhalle betreten, sei auf ihn zugegangen und habe ihn aufgefordert, mit nach draußen vor die Tür zu kommen.

Der Geschädigte sei dem Beschuldigten gefolgt und sei draußen auf weitere Personen, die sich an der dann folgenden Tathandlung beteiligten, getroffen. Er sei vor der Spielhalle in den Schwitzkasten genommen und bis zur Ohnmacht gewürgt worden.

Bei Entführung in Hagen Pistole in den Rücken gedrückt

Unter Drohung mit einem Messer sei er in einem Pkw zum Vereinsheim eines örtlich bekannten Motorradclubs verbracht worden, wo ein 23-jähriger Beschuldigter ihm eine Pistole in den Rücken gedrückt und ihn zum Betreten des Vereinsheims gezwungen habe. 

Dort sei ihm eine Geldforderung in Höhe von 4000 Euro eröffnet worden, die er bis zum nächsten Tag zu zahlen habe. 

"Der Geschädigte war nach eigenem Bekunden mit den Beschuldigten in Drogengeschäfte verwickelt und hatte daraus Schulden, die man versuchte einzutreiben. Da er die Summe nicht auftreiben konnte und Angst vor den Tätern hatte, entschied er sich zur Anzeige bei der Polizei", so die Hagener Ermittler.

Ebenfalls mit Hilfe von Videos konnte der Ablauf eines grausamen Verbrechens bei Hagen rekonstruiert* werden, bei dem ein Mann seine Ex-Frau und deren neuen Partner erstochen hatte. Erst kürzlich hatte der brutale Angriff eines Jungen auf einer Gruppe Kinder mit einer Metallstange* in Hagen für Entsetzen gesorgt.

*WA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digitial-Redaktionsnetzwerkes.

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