800 Polizisten im Einsatz

Kontakte zur Reichsbürgerszene: Großrazzia gegen mutmaßliche Schleuserbande

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Etwa 800 Polizisten haben an der Razzia gegen eine Schleuserbande in verschiedenen Bundesländern teilgenommen.

Bei einer Großrazzia in mehreren Bundesländern sind 800 Beamte in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen eine mutmaßliche Schleuserbande mit Kontakten zur Reichsbürgerszene vorgegangen.

Hamburg - Bei einer Großrazzia in mehreren Bundesländern ist die Bundespolizei gegen eine mutmaßliche Schleuserbande mit Kontakten zur Reichsbürgerszene vorgegangen. Rund 800 Beamte gingen am Montagabend und Dienstagmorgen in Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen unter anderem gegen die Köpfe des Netzwerks vor, wie die Bundespolizei in Pirna mitteilte. Die Bande soll zahlreiche Moldauer illegal zum Arbeiten nach Deutschland geholt haben.

Drei Festnahmen

Dabei wurden die drei Hauptverdächtigen im Alter von 30 bis 43 Jahren in Hamburg festgenommen, bei ihnen handelt es sich um zwei Deutsche und einen Russen. Zusätzlich durchsuchten die Beamten nach eigenen Angaben auch Wohnungen und Geschäftsräume sowie zahlreiche Wohnquartiere mutmaßlich illegal eingeschleuster Arbeiter. Insgesamt vollstreckten sie 21 Durchsuchungsbeschlüsse.

Auch Kontakte zur Reichsbürgerszene

Die Ermittlungen richten sich demnach in Sachsen-Anhalt auch gegen Menschen, die zur Reichsbürgerszene gehören. Bei mehreren Razzien seien aufgrund der Erkenntnisse zu Gewaltbereitschaft und Bewaffnung von Verdächtigen auch Spezialkräfte eingesetzt worden.

Die Ermittlungen gegen die insgesamt mindestens achtköpfige Bande aus Deutschen, Russen und Ukrainern laufen schon seit Monaten, es besteht der Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern. Sie begannen laut Bundespolizei damit, dass auf den Autobahnen 4 und 17 geschleuste Moldauer mit gefälschten rumänischen Personalausweisen bei Kontrollen aufgegriffen wurden.

Die drei mutmaßlichen Drahtzieher und ihre Komplizen brachten die Menschen nach Erkenntnissen der Ermittler nach Deutschland, um sie unter anderem im Wachschutzgewerbe als Securitymitarbeiter einzusetzen. Der Schwerpunkt der Durchsuchungen lag in Hamburg, wo 16 Objekte kontrolliert wurden. Bei ihren Razzien entdeckten die Beamten auch 49 Menschen in Wohnquartieren. Mindestens 35 von ihnen seien illegal eingereist, erklärte die Bundespolizei weiter.

Derzeit werde mit den Ausländerbehörden geklärt, wie mit ihnen weiter verfahren werden soll. Parallel prüfe die für den Fall zuständige Staatsanwaltschaft, ob sie Haftbefehle für die drei bei der Aktion festgenommenen Hauptverdächtigen beantrage werde.

Österreichische Familie involviert

Bei den Durchsuchungen beschlagnahmten die Beamten darüber hinaus Beweismittel wie gefälschte Ausweise, Mobiltelefone, Computer und schriftliche Unterlagen. Zudem stellten sie Bargeld und Gold im Wert eines mittleren fünfstelligen Eurobetrags sicher und fanden scharfe Patronen für eine Neunmillimeterpistole. Die Ermittlungen führen die Bundespolizeidirektion in Halle in Sachsen-Anhalt sowie die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Lüneburg.

Nach einem Bericht von "Süddeutscher Zeitung", Nord- und Westdeutschem Rundfunk soll auch eine österreichische Familie zu der Bande gehören. Diese betreibe eine Sicherheitsfirma, bei der Moldauer eingesetzt wurden. Buchhalterin dieses Unternehmens ist demnach eine Frau, die Chefin einer regionalen Initiative von Reichsbürgern in Sachsen-Anhalt ist. Die Szene der Reichsbürger lehnt die Bundesrepublik, ihre Gesetze und Institutionen ab.

afp

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