Frau stundenlang bedroht

Geiselnehmer von Pfaffenhofen: Haft oder Psychiatrie? Arzt hat entschieden

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SEK-Kräfte konnten den Geiselnehmer überwältigen und festnehmen.

Eine Angestellte des Jugendamts im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm wurde am Montag über Stunden von einem Mann mit einem Messer bedroht. Die Polizei war mit einem Großeinsatz vor Ort. Wir informieren im Live-Ticker.

Pfaffenhofen - Die Polizei ist am Montagmorgen mit einem Großaufgebot ins Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm im gleichnamigen Landkreis in Oberbayern geeilt. Im dortigen Jugendamt wurde eine Angestellte laut Polizei von einem Täter mit einer Waffe bedroht. 

  • Geiselnahme in Pfaffenhofen an der Ilm: Im Jugendamt hatte ein 28-Jähriger am Montagmorgen (8.30 Uhr) eine Angestellte (31) mit einem Messer bedroht. Er hielt sie als Geisel.
  • Anwohner wurden gebeten, den Bereich rund um die Ingolstädter Straße zu meiden.
  • Seit etwa 13.45 Uhr ist die Geiselnahme beendet. Der Jugendamtsmitarbeiterin geht es den Umständen entsprechend gut.
  • Am Dienstag wird die psychische Gesundheit des Geiselnehmers untersucht. Danach wird entschieden, ob er in Haft oder in eine psychiatrische Klinik kommt. 

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Dienstag, 7. November:

12.31 Uhr: Der Geiselnehmer von Pfaffenhofen an der Ilm wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Einen Tag nach dem Verbrechen in der oberbayerischen Kreisstadt ordnete ein Ermittlungsrichter am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Unterbringung des mutmaßlichen Täters in der geschlossenen Abteilung einer Nervenklinik an. Zuvor war der 28-Jährige nach Polizeiangaben vom Landgerichtsarzt in Ingolstadt auf seine Schuldfähigkeit untersucht worden, die nach der Entscheidung des Gerichts fraglich ist. Die Anklagebehörde hält ihn für zumindest psychisch labil.

10.43 Uhr: Der Geiselnehmer von Pfaffenhofen an der Ilm wird vor der Entscheidung über die Haftfrage auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Der Ingolstädter Landgerichtsarzt müsse sich bei der Begutachtung am Dienstag ein Bild davon machen,ob der 28-Jährige womöglich psychisch krank ist, sagte eine Polizeisprecherin. Erst danach werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie beim Ermittlungsrichter Antrag auf Haftbefehl wegen Geiselnahme stellt oder die Unterbringung des mutmaßlichen Täters in die geschlossene Abteilung einer Nervenklinik beantragen wird.

18.36 Uhr: Und wie geht es der Frau, die als Geisel genommen wurde? Wie die Polizei mitteilte, sei das Opfer zwar seelisch nach dem über fünfstündigen Psychodrama angegriffen, körperlich aber nicht weiter verletzt.

Geiselnahme in Pfaffenhofen: Das forderte der Geiselnehmer 

17 Uhr: Klar ist nun auch die Forderung des Geiselnehmers: Der Mann wollte erreichen, dass seine eineinhalbjährige Tochter, die derzeit in einer Pflegefamilie lebt, zurück zur Mutter kommt.

16.55 Uhr: Die Tat konnte durch einen Zugriff der Polizei mithilfe eines Tasers beendet werden. Das Gerät soll bei der Polizei in Bayern mehr und mehr zum Einsatz kommen.  

16.48 Uhr: Der Geiselnehmer ist der Polizei bekannt - unter anderem wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

16.45 Uhr: Zuletzt hatte der 28-Jährige laut dpa eine scharfe Waffe, Wasser und einen Arzt für die Geisel gefordert. An diesem Punkt sei ein Zugriff möglich gewesen. „Die Spezialeinsatzkräften nutzten eine günstige Gelegenheit“, beschrieb Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer das Einsatzszenario.

16.45 Uhr: Der Geiselnehmer wollte die Frau nach Einschätzung der Polizei nicht ernsthaft verletzen. Dazu wäre er emotional nicht in der Lage gewesen.

16.41 Uhr: Laut dpa soll der Täter psychische Probleme haben. Es werde geprüft, ob er in Haft komme oder in eine Spezialklinik. 

16.26 Uhr: Der Täter hat laut Donaukurier am Morgen spontan um einen Termin gebeten und die Sachbearbeiterin dann als Geisel genommen. 

16.20 Uhr: Das Kind des Mannes sei jetzt in einer Pflegefamilie untergebracht. Es sollte vom Vater weg in die Obhut der Mutter übergeben werden.

Geiselnahme in Pfaffenhofen: Details im Video

16.17 Uhr: Der Täter sei Deutscher, laut Polizei wohnt er in Ingolstadt. Geboren ist er in Kasachstan. Er wurde vorläufig festgenommen und werde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt.

16.15 Uhr: Bei dem Zugriff sei ein Taser (Elektroschockpistole) zum Einsatz gekommen. Die Geisel habe leichte Schnittverletzungen am Hals erlitten. Lebensgefahr habe nie bestanden. Im Einsatz waren mehr als 300 Beamte.

16.12 Uhr: In diesen Minuten beginnt die Pressekonferenz zur Geiselnahme. Laut Donaukurier habe der Täter die Sachbearbeiterin als Geisel genommen, um zu erpressen, dass seine Tochter (18 Monate) in die Obhut der Mutter kommt. Sie ist derzeit in einer Pflegefamilie untergebracht.

15.42 Uhr: Laut Donaukurier steht die Geisel derzeit unter Schock. Lebensgefahr habe aber zu keiner Zeit bestanden.

15.16 Uhr: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will nach der Geiselnahme von Pfaffenhofen die Sicherheitskonzepte für Behörden erneut auf den Prüfstand stellen. „Wir werden natürlich auch nach diesem Vorfall noch mal überprüfen, welche zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen gegebenenfalls noch zu treffen sind“, sagte er am Montag in Nürnberg. Gleichzeitig betonte er, dass die Verwaltungen bürgernah bleiben sollten: „Wir können nicht hinter jedem Bürger einen potenziellen Täter sehen - dann würde davon nicht viel übrig bleiben.“

14.57 Uhr: Die Absperrungen rund um das Landratsamt, in dem sich die Tat abgespielt hatte, sind inzwischen beseitigt.

Hintergrund der Tat ist jetzt bestätigt

14.35 Uhr: Die Polizei bestätigt nun das Motiv der Tat: Der Mann soll in einen Sorgerechtsstreit verwickelt sein.

14.26 Uhr: Der Jugendsamtsmitarbeiterin geht es den Umständen entsprechend gut. Sie habe augenscheinlich eine Schnittwunde am Oberkörper. Sie wird derzeit von einem Notarzt vor Ort versorgt. Der Geiselnehmer hatte sie die ganze Zeit über mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge bedroht.

14.21 Uhr: Laut Donaukurier konnte der Zugriff auf den Geiselnehmer erfolgen, nachdem das Opfer nach einem Arzt verlangt hatte. Es sei ihr etwas schlechter gegangen. In diesem günstigen Moment konnte die Polizei den Mann überwältigen. Er hatte zuvor die Versorgung der Geisel durch einen Arzt zugelassen.

14.06 Uhr: Die Polizei hat den 28-jährigen Geiselnehmer überwältigt, die Geiselnahme wurde unblutig beendet. 

13.28 Uhr: Die Polizei zeigt den Bereich um das Jugendamt, der geräumt ist, in einer Karte.

13.20 Uhr: Geiselnahmen in Ämtern sind leider keine Ausnahme. Drei Fälle aus der Vergangenheit finden Sie hier zusammengefasst: 

Ingolstadt (Bayern), August 2013: Nach stundenlangem Nervenkrieg beenden Polizisten eine Geiselnahme im Rathaus. Ein mit Messer und Spielzeugpistole bewaffneter 24-Jähriger hielt dort vier Menschen fest. Einer der Geiseln hatte er jahrelang nachgestellt.

Gerolstein (Rheinland-Pfalz), Februar 2011: Um die kaputte Heizung in seiner Sozialwohnung repariert zu bekommen, nimmt ein mit einer Machete bewaffneter 54-Jähriger im Rathaus einen Verwaltungsbeamten als Geisel. Die Polizei kann ihn nach wenigen Minuten festnehmen.

Aache n (NRW), September 2007: Mit einer defekten Luftpistole bewaffnet hält eine 46-Jährige einen Mitarbeiter der Arbeitsagentur fest und fordert Sozialhilfe oder Essensmarken. Die Behörde hatte die Zahlungen kurz zuvor gestoppt. Nach zwei Stunden gibt die Frau auf.

Polizei nimmt per Telefon Kontakt zum Täter auf

12.23 Uhr: Zum Motiv des Täters äußert sich die Polizei derzeit nur vage. Es bestehe lediglich ein Verdacht, dass es um einen Sorgerechtsstreit geht.

12.21 Uhr: Die Verhandlungsgruppe der Polizei ist im Gespräch mit dem 28- Jährigen. „Der Täter spricht mit uns“, sagt Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Die speziell für Geiselnahmen geschulten Beamten versuchten, deeskalierend auf den Mann einzuwirken. Die 31-Jährige ist nach den Angaben psychisch stabil. Sie habe lediglich eine leichte Schürfwunde. Es könne derzeit nicht eingeordnet werden, woher die Verletzung rührt.

12.16 Uhr: Laut dpa hat sich der Täter mit seinem Opfer in dessen Büro verbarrikadiert, der Rollladen ist heruntergelassen. Der Mann und die Sachbearbeiterin hatten vor der Tat berufsmäßig Kontakt.

11.59 Uhr: Laut Polizei wurde die Geiselnahme gegen 8.30 Uhr gemeldet. Die Räume, in denen sich der Täter und sein Opfer aufhalten, sind im dritten Stock gelegen.

11.12 Uhr: Das SEK ist laut Pfaffenhofener Kurier etwa zehn Mann stark. Die Einsatzkräfte haben Kontakt zum Geiselnehmer aufgenommen. Die Tat spielt sich in einer Außenstelle des Landratsamtes ab. Das Amt wird im Moment generalsaniert, weshalb das Jugendamt in einem anderen Gebäude untergebracht wurde.

SEK eilt nach Pfaffenhofen

11.03 Uhr: Die Polizei hat eine wichtige Bitte: Fotos und Videos vom Tatort sollen nicht verbreitet werden. Sie könnten dem Geiselnehmer helfen.

11.02 Uhr: Die Polizei hat jetzt Kontakt zu dem Geiselnehmer und versucht ihn zur Aufgabe zu bringen.

10.42 Uhr: Fotos vom laufenden Einsatz in Pfaffenhofen finden Sie hier.

10.31 Uhr: Der Täter soll laut Polizei 28 Jahre alt sein. 

Geiselnahme in Pfaffenhofen: Fotos vom Tatort

10.21 Uhr: Die Polizei twittert, dass betroffene Gebäudeteile des Landratsamtes, in dem das Jugendamt untergebracht ist, geräumt wurden.

10.19 Uhr: Das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei ist jetzt in Pfaffenhofen eingetroffen. Es soll Kontakt zum Täter aufnehmen.

10.18 Uhr: Weitere Details zur Geisel werden bekannt: Laut dpa handelt es sich um eine 31-jährige Sachbearbeiterin.

10.10 Uhr: Laut Pfaffenhofener Kurier soll der Mann die Sachbearbeiterin mit einem Messer verletzt haben.

10.06 Uhr: Die Polizeisprecherin will derzeit nicht von einer Geiselnahme sprechen. Es handele sich um eine Bedrohungslage, die weiter andauere. Bei dem Täter handelt es sich laut Sprecherin um einen jungen Mann.

Bereich um Jugendamt weiträumig abgesperrt

10.02 Uhr: Bei dem Geiselnehmer handelt es sich wohl um einen Vater, dem das Sorgerecht für sein Kind entzogen worden war.

9.56 Uhr: Laut Donau Kurier soll der Täter eine Sachbearbeiterin in seiner Gewalt haben. Offenbar ist ein Sorgerechtsstreit Auslöser für die Tat.

9.54 Uhr: Im Moment ist ein Spezialeinsatzkommando der Polizei unterwegs nach Pfaffenhofen an der Ilm. Es soll versuchen, Kontakt zu dem Täter aufzunehmen.

9.51 Uhr: Der Bereich rund um das Jugendamt ist großräumig abgesperrt. Das Jugendamt befindet sich in der Nähe des Landratsamtes.

9.50 Uhr: Das Geschlecht der Geisel ist bislang nicht bekannt. Klar ist jetzt aber: Der Geiselnehmer ist mindestens mit einem Messer bewaffnet. 

9.44 Uhr: Die Polizei Oberbayern Nord bittet aktuell auf Twitter Anwohner, die Ingolstädter Straße zu meiden.

dpa

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