In Schwerin vor Gericht

Falscher Polizist gesteht Vergewaltigung von Schüler

Ein Mann hat im Dezember 2015 einen Jungen auf einem Spielplatz bei Schwerin vergewaltigt. Nun gestand er die Tat vor dem Landgericht Schwerin.

Schwerin - Zum Auftakt eines Prozesses vor dem Landgericht Schwerin hat ein 41-jähriger Altenpfleger gestanden, im Dezember 2015 einen elfjährigen Jungen auf einem Spielplatz vergewaltigt zu haben. Dies teilte sein Verteidiger am Donnerstag am Rande der Verhandlung mit. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Jungen schloss das Gericht die Öffentlichkeit von der Verlesung der detaillierten Anklage wie auch der Erklärung des Verteidigers aus, die dieser zum Geständnis abgab. 

Der gelernte Gas- und Elektrotechniker ist unter anderem wegen Vergewaltigung, Kindesmissbrauchs und Amtsanmaßung angeklagt. Er hatte den Jungen Mitte Dezember 2015 auf dem Weg zur Schule angesprochen, sich mit einem gefälschten Ausweis als Polizist ausgegeben und das Kind aufgefordert, zu einem Drogentest mitzukommen. Er führte den Jungen zu einem Spielplatz in der Nähe des Schweriner Sees, wo er ihn vergewaltigte. Danach drohte der Täter dem Jungen, ihn zu töten, falls er zur Polizei gehe. 

Dennoch informierte das Kind kurz nach der Tat seine Eltern und die Polizei. Die Fahndung nach dem Täter verlief vorerst im Sande, obwohl DNA-Spuren des Täters am Opfer und am Tatort gesichert wurden. Der Mann war aber nicht polizeibekannt. Auch eine Auswertung der in den umliegenden Funkzellen registrierten Handys brachte die Ermittler nicht weiter. 

Ein Jahr nach Tat verhaftet

Knapp ein Jahr nach der Tat erkannte der Junge seinen Peiniger jedoch auf einer Straße in Schwerin. Eine neuerliche Funkzellenauswertung und ein DNA-Test halfen der Polizei, den Mann zu identifizieren und ihn ihm Januar 2017 festzunehmen. Eine Psychiaterin berichtete vor Gericht, der Angeklagte habe ihr gegenüber ausgesagt, er habe die Nacht vor der Tat in einem Bordell verbracht und Kokain genommen. Wenn er Kokain nehme, habe er homosexuelle Phantasien. 

Die Ärztin beurteilte den Angeklagten als voll schuldfähig. Er sei nicht pädophil, aber "wahllos" in der Wahl seiner Sexualpartner. Seine Sexualität lebe er teilweise "hemmungslos" aus. Die Vergewaltigung des Jungen will der Angeklagte eine Zeitlang verdrängt haben, bis über den Fall in einer Fernsehsendung berichtet wurde. Danach habe er viele Nachtschichten gearbeitet und tagsüber geschlafen, um das Risiko zu senken, in der Stadt erkannt zu werden. Zusätzlich zu seinem Geständnis zahlte der Angeklagte laut seinem Verteidiger an die Familie des Jungen bereits ein Schmerzensgeld in vierstelliger Höhe. Das Urteil will das Gericht spätestens Anfang Juli fällen.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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