Erste Hilfe: Neuerungen bei der Herzdruckmassage

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Eine sofortige Herzdruckmassage ist bei Menschen mit einem Kreislaufstillstand überlebenswichtig.

Würzburg - Bei einem Herzstillstand sollen Patienten nicht mehr mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung, sondern mit einer Herzdruckmassage wiederbelebt werden.

“Wenn jemand bewusstlos ist und nicht mehr richtig atmet, soll zuerst mit der Herzdruckmassage begonnen werden“, sagte der Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes, Prof. Peter Sefrin, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Überlebenschancen stiegen damit.

Die Atemspende tritt nach den neuen Erste-Hilfe Vorschriften in den Hintergrund. Die Herzdruckmassage ist wichtiger.

Die seit dem 18. Oktober weltweit geltenden neuen medizinischen Vorschriften sollen daher im nächsten Jahr in allen Erste-Hilfe- Kursen gelehrt werden, sagte Sefrin in Würzburg. Derzeit werden in Deutschland von 120 000 Patienten im Jahr rund 10 000 Menschen durch Reanimation gerettet.

“Mit der richtigen Ausbildung und der sofortigen Herzdruckmassage könnten es 60 000 sein“, schätzt der Mediziner. “Bei einem Herzkreislaufstillstand enthält das Blut des Patienten noch ausreichend Sauerstoffreserven“, sagte Sefrin. Daher sei zunächst wichtiger, mit der Herzdruckmassage einen künstlichen Kreislauf in Bewegung zu bringen.

Dafür müssen die Handballen übereinander auf die Mitte des Brustkorbs gelegt werden. Mit durchgestreckten Armen sollte der Brustkorb mindestens fünf Zentimeter eingedrückt werden, rund hundertmal pro Minute. Entscheidend sei, die Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Notarztes fortzusetzen. “Der Rettungsdienst braucht in der Regel sieben bis zehn Minuten, doch mit jeder verstrichenen Minute sinkt die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Reanimation um zehn Prozent“, betonte Sefrin.

Prof. Dr. Peter Sefrin

Werde hingegen erst nach zehn Minuten mit der Herzmassage begonnen, sei bereits jede Chance auf eine Wiederbelebung vertan. Ein Vorteil der neuen Richtlinien sei vor allem die Vereinfachung der Rettungsmaßnahmen. “Vielleicht wird nun häufiger Erste Hilfe geleistet, weil der Laie weiß, wie er sich in Notfällen verhalten soll“, sagte Sefrin. Augenzeugen seien oftmals verunsichert, weil ihre Ausbildung schon lange zurückliege. “Nach zwei Jahren sind die meisten Kursinhalte nicht mehr präsent.“

Sefrin rät daher zu einer Auffrischung der Erste-Hilfe-Schulung nach mindestens drei bis fünf Jahren.

Gespräch: Arne Meyer

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