Trauer um Eisbärenbaby

Fritz ist tot: Ein schwarzer Tag für den Tierpark Berlin

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Das Eisbärenbaby Fritz aus dem Berliner Zoo ist leider gestorben.

Berlin - Nach dem plötzlichen Tod des Eisbärenbabys Fritz im Berliner Zoo, stehen die verantwortlichen ein bisschen unter Schock. Erst gestern war bei dem Jungbären eine Infektion entdeckt worden.

Er ist mehr als 14 Kilogramm schwer und etwa 70 Zentimeter groß: Mit vier Monaten ist Eisbär Fritz schon aus dem kritischen Kleinkindalter raus, als er sich am Montagmorgen unter Bauchschmerzen auf dem Boden windet und schreit. Es ist der Beginn "dramatischer Stunden", wie Berlins Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Tagnach dem plötzlichen Tod des Eisbärenjungen berichtet. Er spricht von einem "schwarzen Tag".

Eigentlich sollte Fritz in dieser Woche zum ersten Mal seine Höhle verlassen und die Außenanlage erkunden. Berlins klammer Tierpark Friedrichsfelde hatte das Gehege eigens angepasst, die Stufen ein wenig abgesenkt. Eine Vorsichtsmaßnahme. Eisbärenmütter machten sich meistens "mehr Sorgen, als sie müssten", weiß Knieriem von früheren Arbeitsstationen. Hätte sich Fritz draußen wohlgefühlt, wäre er noch im März der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

"Letzte Woche war er noch quicklebendig", sagt Knieriem. "Er war gut genährt, hatte ein kräftiges Gebiss und große Paddelpranken". Knieriem hatte am Sonntag seine Frau mit in den Tierpark genommen, um ihr die neue Sensation in seinem Haus zu zeigen. Schon da habe sich Fritz auffällig verhalten, bis zum Abend aber Zeichen der Besserung gezeigt.

Keine Besserung nach Antibiotika

Als sich Fritz' Zustand am Montagmorgen rapide verschlechtert, kommt das Tier in das nahe Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Hier untersuchen Spezialisten den kleinen Bären mit einer Vielzahl moderner Geräte. Doch eindeutig ist nur die Entzündung der Leber. Das Organ ist so stark angeschwollen, dass es durch die Rippen drückt. Der Tierarzt Knieriem bekommt die höchsten Entzündungswerte seiner bisherigen Laufbahn gezeigt.

Die Mediziner verabreichen Fritz Antibiotika und Schmerzmittel. Als er - zurück im Tierpark - aus der Narkose aufwacht, zeigt er die gleichen Symptome, leidet noch immer unter Bauchschmerzen. "Wir haben kein klares Krankheitsgeschehen", sagt Knierim am Tag danach. Eine so schnell voranschreitende Erkrankung sei extrem selten. Er vermutet eine Infektion. Genaues wird man womöglich erst nach wochenlangen Untersuchungen wissen.

Am Montagnachmittag sind Tierärzte und Pfleger frustriert, weil sie nicht helfen können. Zur Vorbereitung auf den schlimmsten Fall informiert Knieriem nun die Öffentlichkeit: Es könne sein, dass Fritz die Nacht nicht überlebe. Noch am frühen Abend hört das Herz des kleinen Bären auf zu schlagen. Er lässt sich nicht wiederbeleben. Eisbärenmutter Tonja verliert nach Fritz' Zwillingsbruder, der die Geburt nicht überlebte, auch ihr zweites Kind.

Mit Fritz starb auch ein Teil der PR-Arbeit

Knieriem macht keinen Hehl daraus, dass der Tod von Fritz mehr als nur den Verlust eines lieb gewonnenen Tiers bedeutet. Kritiker der Zoohaltung verschicken einen halben Tag nach dem Tod Pressemitteilungen, in denen die Haltung und Zucht der Eisbären grundsätzlich abgelehnt wird. "In der Natur überlebt kaum ein Eisbär", sagt Knieriem. Er muss sich nun wieder auseinandersetzen mit Kritikern, die er "Tierrechtspopulisten" nennt.

Doch der Tierpark hat nun von seiner sorgsamen Öffentlichkeitsarbeit ohnehin nichts mehr. Ein Namensfindungswettbewerb wurde zusammen mit einem Berliner Radiosender ausgelobt, zahlreiche Videos von Fritz und seiner Mutter im Internet verbreitet. Fritz hätte so beliebt werden können wie Knut, der verstorbene Eisbär aus dem Berliner Zoo. Niedliche Publikumsmagneten bringen Geld, von dem alle Zoobewohner profitieren könnten.

"Dass er monetär nicht unwichtig ist, ist uns auch klar", sagt Knieriem. Er würde gerne mittelfristig ein neues Eisbärengehege bauen. Zugleich betont der Direktor, dass Fritz "nicht in unseren Finanzplan eingepflegt" worden sei. "Uns war klar, dass immer auch ein Restrisiko besteht." Dieses Restrisiko schlug am Montag mit voller Wucht zu Buche.

dpa

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