30 Jahre Haft

Zehn Jahre nach Duisburg-Morden: Mafia-Boss gefasst

Rom/Duisburg - Fast zehn Jahre nach den Mafiamorden von Duisburg ist ein flüchtiger verdächtigter Mittäter in Italien gefasst worden. Ihn erwarten in Deutschland 30 Jahre Haft.

Fast zehn Jahre nach den Mafiamorden von Duisburg ist ein flüchtiger Boss in Italien gefasst worden. Santo Vottari von der 'Ndrangheta wurde in einem Bunker-Versteck in Kalabrien entdeckt und verhaftet, wie die Polizei am Mittwoch im süditalienischen Reggio Calabria mitteilte. Der 44-Jährige wurde seit dem Mord an sechs Menschen im August in Duisburg gesucht. Welche Rolle er dabei allerdings spielte, blieb am Mittwoch zunächst unklar. Laut Europol gehörte er zu den meistgesuchten Verbrechern in Europa.

Er soll 2006 laut Europol und italienischer Polizei an Weihnachten die Frau eines Bosses eines verfeindeten Mafia-Clans in Italien umgebracht zu haben. Der Mord an Maria Strangio gilt als Auslöser für die Tat im August 2007 in Duisburg, bei der vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen wurden.

Informationen widersprüchlich

Wie einer der damaligen Ermittler dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) bestätigte, gehörte der jetzt gefasste Vottari nicht zu den Beschuldigten der Duisburger Tat. Auf der Europol-Website heißt es allerdings, er sei an den Morden beteiligt gewesen - inwiefern, blieb offen. Auch laut Informationen der Anti-Mafia-Kommission in Italien soll er bei der Tat eine wichtige Rolle gespielt haben.

Der Tod der Frau und die sechs getöteten Mafiosi von Duisburg sollen Folge einer langen Fehde zwischen den kalabrischen 'Ndrangheta-Familienclans Pelle-Vottari und Nirta-Strangio sein. Der Haupttäter Giovanni Strangio wurde 2011 in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt.

Strangio und zwei Mitglieder des Nirta-Clans sollen in Duisburg auf offener Straße auf die sechs verfeindeten Mafiosi geschossen haben. Die Nirtas wurden aber letztlich nur wegen ihrer Mafia-Mitgliedschaft verurteilt.

Der nun gefasst Vottari war laut Europol zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. In Italien heißt es dagegen, er sei zu knapp elf Jahren verurteilt worden.

Die in der Region Kalabrien beheimatete 'Ndrangheta gilt als die mächtigste der italienischen Mafiaorganisationen, die mittlerweile auch in Deutschland und im Rest der Welt sehr aktiv ist. Italiens Verteidigungsministerin Roberta Pinotti gratulierte den Einsatzkräften für die „brillante Operation“.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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