European Railway Station Index

Zwei Ruhrgebiets-Hauptbahnhöfe gehören zu den schlechtesten in Europa

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Der Dortmunder Hauptbahnhof schneidet im europaweiten Vergleich miserabel ab.

Im Vergleich mit den Top-50-Bahnhäfen in Europa gehören die in Dortmund und Essen zu den schlechteren - besagt der "European Railway Station Index".

  • Das Consumer Choice Center hat Bahnhöfe in ganz Europa bewertet und miteinander verglichen.
  • Deutsche Bahnhöfe schneiden gut ab - allerdings nicht die im Ruhrgebiet.
  • In Dortmund fällt ein langjähriges Problem negativ auf.

Dortmund/Essen - Gehören die Hauptbahnhöfe in Dortmund und Essen zu den schlechteren unter den Top 50 in ganz Europa? Zu diesem Ergebnis ist jetzt zumindest das Consumer Choice Center (CCC) gekommen, eine US-amerikanische Non-Profit-Organisation. In ihrem "European Railway Station Index 2020" verglich das CCC die Top 50 Bahnhöfe Europas, berichtet RUHR24.de*

Dortmund und Essen: Hauptbahnhöfe könnten besser abschneiden

In den Vergleich mit einbezogen wurden zum Beispiel Faktoren wie Überfüllung der Bahnsteige, die Erreichbarkeit, die Anzahl der Ziele sowie die Sauberkeit. In allen Punkten könnten die Hauptbahnhöfe in Essen (170.000 Passagiere pro Tag) und Dortmund (130.000 Passagiere pro Tag) durchaus besser abschneiden.

Und so landet Essen im Ranking auf einem eher mittelmäßigen Platz 27 (mit 78 von 139 möglichen Punkten), wohingegen Dortmund mit seinem Hauptbahnhof auf Platz 44 von insgesamt 50 Plätzen abschmiert (mit 63 von 139 möglichen Punkten). Sieger ist übrigens der Bahnhof St. Pancras in London mit 116 möglichen Punkten von 139.

Unterdessen schneiden die deutschen Bahnhöfe im Allgemeinen gar nicht schlecht ab. Allein fünf Bahnhöfe aus der Bundesrepublik befinden sich mit Leipzig, München, Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main unter den Top 10 in Europa. Nur die zwei Ruhrgebiets-Bahnhöfe kommen nicht ganz so gut weg. Immerhin: Köln (Platz 18) und Düsseldorf (Platz 23) hat es nicht ganz so schlimm erwischt.

Am Hauptbahnhof Dortmund sind nicht alle Hinweisschilder ins Englische übersetzt

Und was hat man an Dortmund und Essen zu kritisieren? Da wären zum Beispiel die Übersetzung von Hinweisschildern am Hauptbahnhof in Dortmund. Nur 50 Prozent, merkt das Consumer Choice Center an, seien auch in Englisch und nicht nur in Deutsch zu finden. Und dann ist da noch das nicht unerhebliche Problem der Barrierefreiheit. So verfügen nur die Bahnsteige 2 bis 5 in Dortmund über Aufzüge. Bei den restlichen Bahnsteigen müssen Rollstuhlfahrer zusehen, wie sie zu ihrem Zug kommen. An manchen Gleisen gibt es zum Beispiel Lastenaufzüge, die aber nur mit Service-Personal zu erreichen sind. Und Rolltreppen sind auch nicht überall verfügbar in der BVB-Stadt.

Der Hauptbahnhof in Essen hat im Ranking mittelmäßig bis schlecht abgeschnitten.

Auch mies in Dortmund ist laut dem CCC die Sauberkeit des Hauptbahnhofs. Er kommt auf eine Sauberkeitsrate von nur 40 Prozent (möglich sind 100 Prozent). Das ist der schlechteste Wert unter den 50 getesteten europäischen Bahnhöfen. In Essen ist der Hauptbahnhof laut Index immerhin zu 70 Prozent sauber. Und dort haben es Rollstuhlfahrer aufgrund vorhandener Aufzüge auch leichter als in Dortmund. So sind zum Teil die Unterschiede in der Platzierung zu erklären.

Essen und Dortmund: Shops und Restaurants am Hauptbahnhof könnten mehr sein

Auch auf das Shopping- und Gastronomie-Angebot hat der Index ein Auge geworfen. Während es in Essen an 13 Shops die Möglichkeit gibt, sein Geld auszugeben, ist das in Dortmund nur in vier Läden möglich - zum Beispiel bei Rossmann. Zum Vergleich: Der Hauptbahnhof in Zürich (europaweit Platz 2) dürfte mit seinen 92 Läden als Shopping-Paradies gelten. Zu futtern gibt es sowohl in Essen als auch in Dortmund an acht Imbissen. Zürich kann dagegen mit sage und schreibe 62 Imbissen und Restaurants klotzen.

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Apropos klotzen: Was die First-Class-Kunden betrifft, sollte Dortmund bei seinem aktuellen Umbau (Fertigstellung 2024) den Bau einer Lounge anvisieren. Derzeit gibt es keinen separaten Bereich, wo Kunden aus der First-Class bei Zwischenstopps oder längeren Wartezeiten unterkommen können. In Essen ist das zumindest an einer Stelle der Fall. Zu den weiteren Faktoren, die das CCC unter die Lupe nahm, gehören die internationalen Ziele oder die Anzahl der Sharing-Anbieter - die Ergebnisse sind in einer PDF-Datei abrufbar.

Das sind die zehn besten Bahnhöfe in Europa (bester zuerst):

  • London (St. Pancras)
  • Zürich (Hauptbahnhof)
  • Leipzig (Hauptbahnhof)
  • Rom (Hauptbahnhof)
  • München (Hauptbahnhof)
  • Hamburg (Hauptbahnhof)
  • Berlin (Hauptbahnhof)
  • Mailand (Hauptbahnhof)
  • Moskau (Kazansky)
  • Frankfurt am Main (Hauptbahnhof)

Das sind die zehn schlechtesten Bahnhöfe in Europa (schlechtester zuerst):

  • Paris (Magenta) 
  • Kopenhagen (Nørreport)
  • Paris (Haussmann-Saint-Lazare) 
  • Paris (Châtelet-Les Halles) 
  • Turin (Porta Nuova) 
  • Oslo (Hauptbahnhof) 
  • Dortmund (Hauptbahnhof)
  • Berlin (Friedrichstraße) 
  • Wien (Mitte) 
  • Helsinki (Hauptbahnhof)

Eine Chance im nun jährlich stattfindenden Ranking weiter oben zu landen hat Dortmund künftig. So ist im Juli 2017 der Startschuss für den großen Umbau des Hauptbahnhofs gewesen. Bis 2024 werden die Bahnsteige umgebaut, Aufzüge errichtet, der Personentunnel verbreitet. Außerdem findet derzeit der Umbau der Stadtbahn-Station am Hauptbahnhof statt. Und für den Nordausgang des Hauptbahnhofs, der derzeit alles andere als einladend aussieht, gibt es schon Pläne für einen äußerst futuristischen Umbau.

Hauptbahnhof Essen hat Umbau hinter sich, in Dortmund ist er voll im Gange

In Essen dagegen hat der Umbau bereits vor einigen Jahren stattgefunden. Und was die Sauberkeit betrifft, lässt sich sicherlich auch noch was machen. Die Deutsche Bahn zumindest hat 2018 via WhatsApp einen Service gestartet, mit dem Kunden dreckige Stellen an Bahnhöfen melden können. Sie verspricht damit, die gemeldete Stelle innerhalb einer halben Stunde zu beseitigen.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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