Gesetz soll Verbraucher schützen

Döner darf jetzt nicht mehr Döner heißen: Reinheitsgebot ärgert Kebab-Verkäufer - „Schikane“

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Braucht jetzt neue Werbeschilder: Murat Dinsel (47) vor seiner Döner-Bude am Moosburger Bahnhof.

Was genau ist ein Döner? Das hat ein Reinheitsgebot klar definiert. Positiv für Kunden - ärgerlich für die Kebab-Verkäufer. Denn die haben nun ein Problem.

  • Ein Reinheitsgebot definiert klar, was sich Döner nennen darf.
  • Kunden werden so eher vor schlechter Qualität bewahrt.
  • Viele Kebab-Verkäufer stellt die Durchsetzung der Regel allerdings vor ein Problem.


Moosburg – Er ist des Deutschen liebstes Fast Food, noch weit vor Pizza und Currywurst: Döner. Doch genau wegen dieses Namen befindet sich nun bundesweit eine ganze Branche in Aufruhr.

Murat Dinsel ist kein gewöhnlicher Döner-Verkäufer. Mit geschicktem Marketing hat er immer wieder von sich und seinem türkischen Imbisswagen am Moosburger Bahnhof (Kreis Freising) Reden gemacht – etwa, weil er Kebab an Bedürftige verschenkt. Entsprechend groß ist seine Fangemeinde bei Facebook – und auch die Resonanz auf seinen jüngsten Post auf der Plattform.

Reinheitsgebot für Döner: Kebab-Verkäufer macht seinem Ärger Luft

„Liebe Kunden. Leider hat es mich auch getroffen“, verkündet er dort. Lebensmittelkontrolleure hätten ihm mitgeteilt, dass sein Döner nicht mehr Döner heißen dürfe, sondern „Hähnchen-Puten-Drehspieß im Brot“. „Ich muss in vier Wochen alles ändern, wo Döner draufsteht“, beklagt sich Dinsel, der dazu ein Foto vom amtlichen Merkblatt hochgeladen hat. Die Kommentare der User reichen von Schimpftiraden auf die Behörden bis hin zu Verständnis und Dankbarkeit für Verbraucherschutz-Regeln.

Mit diesem Post machte Murat Dinsel in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Moosburg für Jung und Alt“ auf sein Problem aufmerksam.

Dass zuletzt in der ganzen Republik Imbissbetreiber und oft auch Kunden den Kopf schütteln, lässt sich auf einen Leitsatz für Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs zurückführen. Dort ist geregelt, was unter welcher Speise zu verstehen ist. Danach enthält Döner Kebab als Ausgangsmaterial nur grob entsehntes Schaf- und/oder Rindfleisch, das in dünnen Scheiben auf einen Drehspieß gesteckt wird. Ein mitverarbeiteter Hackfleischanteil aus grob entsehntem Rind- oder Schaffleisch darf maximal 60 Prozent betragen.

Döner-Reinheitsgebot: Strenge Auflagen für Inhaltsstoffe empört Buden-Besitzer

Neben Gewürzen, Eiern, Zwiebeln, Öl, Milch und Joghurt dürfen keine weiteren Zutaten enthalten sein. Nach einem Bundesländer-Beschluss gelten diese Anforderungen inzwischen für alle Erzeugnisse, die als „Döner“ bezeichnet sind. Gerichte, deren Inhalt davon abweicht, müssen deshalb auf der Speisekarte klar benannt werden. Im drastischsten Fall heißt das dann „Hackfleischdrehspieß vom Rind mit Paniermehl, Fleischanteil zum Teil fein zerkleinert“. So steht es im Merkblatt des Landesamts für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit, das auch Döner-Mann Murat Dinsel ausgehändigt wurde.

Dieses Merkblatt wird derzeit an Imbissen verteilt.

Passend zum Thema: Es gibt so viele Dönerläden, dass die Auswahl häufig schwerfällt. Da ist es praktisch, ein paar Hinweise zu haben, woran man einen wirklich guten Döner erkennen kann, wie merkur.de* berichtet.

Was sich in hiesigen Buden am Spieß dreht, hat nur noch selten etwas mit dem ursprünglichen Rezept zu tun. Grund dafür ist vor allem der Preisdruck, mit dem Produzenten und Verkäufer kämpfen. Wer heute einen Döner bestellt, dem wird ins Brot hauptsächlich Hackfleisch mit hohem Fettanteil geschnitten, das meist noch mit künstlichen Geschmacksverstärkern und Bindemitteln versehen ist.

Empörter Kebab-Verkäufer: „Meine Kunden sind Feinschmecker“

Preisdruck verspürt der 47-jährige Dinsel zwar keinen, wie er betont. „Meine Kunden sind Feinschmecker, für die spielt der Preis keine Rolle.“ Mehr als vier Euro – das kostet sein Döner am Moosburger Bahnhof – wolle er aber aus sozialen Gründen nicht verlangen. „Zu mir kommen viele Schüler.“ Die Behördenorder wolle er befolgen, empfinde sie jedoch als „Schikane“, wie er sagt. „Wenn es nach Reinheitsgeboten ginge, dann dürfte heute unter Pizza auch nur die ursprüngliche Margherita verkauft werden.“ Zusätze wie Bindemittel hält Dinsel für notwendig: „Sonst würde der Fleischspieß zusammenfallen.“ Dafür, dass niemand für ihn schädliche Stoffe aufnehme, sorge doch bereits der Aushang in seiner Imbissbude.

Dass Kontrolleure des zuständigen Landratsamts Freising noch viele seiner Kollegen besuchen werden, sorge laut dem Moosburger für mächtig Ärger in seinem Berufsstand. „Da können 2000 Euro Kosten entstehen, wenn die ihre Leuchttafeln, Flyer und Internetseiten ändern müssen.“ Murat Dinsel bleibt davon weitgehend verschont: „Ich bin Grafikdesigner, ich mache alles Werbetechnische selbst.“

Lesen Sie dazu: Im Jahr 2018 wurde im EU-Parlament über eine neue Regelung zum Thema Döner gesprochen. Es ging um die Verwendung von Phosphat in Tiefkühl-Dönerspießen. Vor dieser Regelung hatten die Buden-Besitzer aus einer ganz bestimmten Sorge heraus Angst.

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