42. Rang im Klima-Risiko-Index

Deutschland immer stärker von Extremwetter betroffen

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Auto auf einer bei einem schweren Unwetter mit Starkregen überfluteten Straße in Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte / Archiv

Egal ob Hitzewellen, Stürme, Dürren, Überschwemmungen - Entwicklungsländer sind die Hauptleidtragenden von Wetterkatastrophen. Aber auch in Deutschland steigt das Risiko. Forscher mahnen zum Umsteuern.

Bonn (dpa) - Stürme, Hitze, Überschwemmungen und Starkregen: In Deutschland nehmen extreme Wetterereignisse zu. Im vergangenen Jahr rückte die Bundesrepublik auf dem Klima-Risiko-Index der Umweltschutzorganisation Germanwatch vom 64. auf den 42. Platz der am meisten betroffenen Staaten vor.

15 Menschen starben demnach durch Extremwetter, der Schaden betrug fast vier Milliarden Dollar (etwa 3,5 Milliarden Euro). Die Zahlen wurden am Donnerstag bei der Weltklimakonferenz in Bonn veröffentlicht.

Forscher fordern deshalb von der nächsten Bundesregierung stärkere Anstrengungen beim Klimaschutz. "Die Koalitionsverhandler in Berlin haben es in der Hand, ob sie dem Klimachaos noch weiter die Tür öffnen - oder für Deutschland und die Welt Stabilität sichern", sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in Berlin. Dort nahm das Deutsche Klima-Konsortium (DKK), in dem führende Wissenschaftler zusammengeschlossen sind, zur Klimakonferenz Stellung.

Die Forscher wiesen darauf hin, dass sich schon die heutige Erderwärmung um 1 Grad weltweit auswirke. "Wetterextreme nehmen zu und treffen auch uns in Deutschland, etwa Starkregen", sagte Schellnhuber. Gerade in ärmeren Ländern könnten Dürren, Fluten oder Wirbelstürme ganze "Folgenkaskaden" auslösen. In Puerto Rico zum Beispiel habe einer der verheerenden Hurrikane dieses Herbstes innerhalb von Stunden die wirtschaftliche Entwicklung von Jahren zunichte gemacht.

Auf Platz 10 des Risiko-Klima-Index stehen die USA. "Sie sind also nicht nur einer der Verursacher des Klimawandels, sondern auch Leidtragender", sagte Vera Künzel, eine der Autorinnen des Berichts. Nach dem Klima-Risiko-Index kamen zwischen 1997 und 2016 mehr als eine halbe Million Menschen als direkte Konsequenz von 11 000 Extremwetter-Ereignissen zu Tode.

Kleine Insel-Staaten sind besonders verwundbar. So wurde Haiti 2016 vom stärksten Hurrikan seit 50 Jahren heimgesucht und Fidschi vom stärksten je dort gemessenen Wirbelsturm. Und das laufende Jahr 2017 könnte nach jetzigem Stand das mit den weltweit größten Schäden durch Extremwetter werden, wie Germanwatch weiter mitteilte.

Über die vergangenen 20 Jahre von 1997 bis 2016 betrachtet sind Honduras, Haiti und Myanmar demnach die am härtesten getroffenen Länder. Deutschland ist im Langfrist-Index seit 1997 eine der am stärksten betroffenen Industrienationen. Das Land litt demzufolge vor allem unter der langen Hitzewelle 2003, schweren Stürmen wie dem Orkan Kyrill 2007 und wiederholt aufgetretenen "Jahrhundert-Hochwassern" an Elbe, Donau und Oder.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gab am Donnerstag bekannt, dass er 50 Millionen Dollar (43 Millionen Euro) für den Klimaschutz spendet. Das Geld geht erstmals an Partner außerhalb der USA. Erst im vergangenen Monat hatte Bloomberg angekündigt, 64 Millionen Dollar für den Umweltschutz zu spenden, nachdem die Regierung von Donald Trump angekündigt hatte, ein Klimaprogramm Barack Obamas abzubauen. 

Germanwatch

Weltklimakonferenz - Hauptseite

UN-Informationen zum Pariser Klimaabkommen

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