Dänen rätseln über einbeinigen Bombenleger

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Die Dänen rätseln über einbeinigen Bombenleger .

Kopenhagen - Vier Tage nach der mysteriösen Explosion in einem Kopenhagener Hotel gibt der danach festgenommene einbeinige Mann der Kripo Rätsel auf.

Terrorist, “normaler“ Krimineller, Spion oder Verrückter? Kopenhagen rätselt weiter über einen mysteriösen Mann mit Beinprothese, der sich am Freitag beim Hantieren mit Sprengstoff in seinem Hotel selbst verletzt hat.

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Auch vier Tage nach der Festnahme des etwa 40-Jährigen konnte die Polizei die Identität nicht klären. “Wir haben keine Ahnung, wer dieser Mann ist“, sagte ein Kripo-Sprecher am Dienstag in der dänischen Hauptstadt. Der Einbeinige war leicht verletzt aus dem “Hotel Jørgensen“ geflohen, nachdem ihm eine relativ kleine Sprengladung in einer Toilette explodiert war.

“Er hatte Papiere für drei falsche Identitäten bei sich“, teilte die Polizei mit. Aus seiner Hightech-Prothese für das rechte Bein unterhalb des Knies hatte der fließend Französisch, Deutsch und Englisch sprechende Mann sogar die Seriennummer weggefeilt. “So gut wie alle europäischen Länder haben uns mitgeteilt, dass seine Fingerabdrücke dort unbekannt sind“, musste Fahndungssprecher Svend Foldager einräumen.

Die Polizei machte es auskunftswilligen Bürgern nicht unbedingt leichter, als sie das Aussehen des Mannes mit den Worten “europäisch oder nordafrikanisch“ umschrieb. Der Mann verweigert bisher jede Aussage und bat in der Untersuchungshaft sowohl um einen Koran als auch um eine Bibel. “Will er sich über uns lustig machen?“, fragten die ratlosen Ermittler.

Dänische Terror- und Kriminalexperten waren sich einig: Hier versucht ein kaltblütig operierender Profi mit allen möglichen Finessen, seine Spuren zu verwischen und gleichzeitig Zeit zu gewinnen. Schon vor der nicht geplanten Detonation hatte der “Mystery Man“ ein Busticket von Kopenhagen nach Brüssel für Freitagnachmittag gelöst. Statt im Bus saß er dann aber in Untersuchungshaft.

Ob der Mann, wie einige vermuteten, eine Paketbombe an die islamischkritische Zeitung “Jyllands-Posten“ schicken wollte, ob er als eine Art “Auftrags-Täter“ irgendeinen Racheakt für Kriminelle ausführen sollte, oder ob er irgendwelche anderen bizarren Pläne im Kopf hatte, als der Sprengstoff in der Hoteltoilette detonierte - niemand als er selbst scheint das vorerst zu wissen.

Schon fast komisch wirkte sein Auftritt vor der Überwachungskamera eines Kopenhagener Postschalters, den die Polizei im Internet veröffentlichte: Mit Schirmmütze, gewaltiger Sonnenbrille bei grauem Herbstwetter und mit einem Bart, den er kurz danach abrasierte, wirkte er hier eher wie eine Film-Figur aus einem unfreiwillig komischen Thriller.

Mit absolut ernsten Absichten: Im Hotel hatte der Mann eine scharf geladene Pistole deponiert.

dpa

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