Virologe Hendrik Streeck warnt

Erwartet uns schon die Vierte Corona-Welle? Virologe macht knallharte TV-Ansage

Hendrik Streeck warnte im Talk bei „maischberger. die woche“ vor einer vierten Corona-Welle im Herbst. (Archivbild)
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Hendrik Streeck warnte im Talk bei „maischberger. die woche“ vor einer vierten Corona-Welle im Herbst. (Archivbild)

Die Corona-Zahlen gehen langsam zurück - doch ist die Pandemie mit dem Ende der dritten Welle überstanden? Virologe Hendrik Streeck hat dazu eine klare Meinung.

Die Temperaturen in Deutschland werden immer sommerlicher - am Sonntag (9. Mai) kratzte das Thermometer vielerorts an der 30-Grad-Marke und es zieht die Menschen raus in die Natur. Außerdem gibt es immer mehr Lockerungen für Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind*. Deshalb fühlt es sich langsam so an, als ob es bald überstanden wäre - die Pandemie scheint sich zurückzuziehen. Doch wie echo24.de* berichtet, warnte Virologe Prof. Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn jetzt vor einer vierten Welle im Herbst.

Am Mittwoch war Streeck in der ARD Talksendung maischberger. die woche zu Gast. Dort wurde er mit der Frage konfrontiert, ob wir nun angesichts der sinkenden Infektionszahlen in die Endphase der Pandemie eingetreten seien. Darauf antwortete Streeck allerdings ausweichend. Denn seiner Meinung nach hat der Rückgang der Corona-Neuinfektionen verschiedenste Gründe.

Vierte Corona-Welle im Herbst? Virologe Hendrik Streeck mit harter Prognose

Einer davon ist wohl die typische Saisonalität der Coronaviren. Das bedeutet - das Virus breitet sich in kalten Jahreszeiten aus und wenn die Temperaturen steigen, dann gehen auch die Neuinfektionen zurück. Die erste Welle war demnach im Frühjahr 2020, die zweite im Herbst 2020 und nun, im Frühjahr 2021 ist Deutschland mit der dritten Welle konfrontiert. Dass diese nun noch heftiger ausgefallen ist als die Vergangenen, führt Streeck unter anderem auf den ungewöhnlich kalten April zurück.

Dass die Zahlen aktuell zurückgehen - dieser Trend kommt laut Streeck durch mehrere Faktoren. Erstens die oben genannte Saisonalität - es wird immer wärmer, das Virus breitet sich nicht mehr so schnell aus, zweitens die Impfkampagne, die immer weiter voranschreitet. Mittlerweile sind, Stand 10. Mai, 32,3 Prozent der Deutschen wenigstens ein Mal gegen das Coronavirus geimpft, 9,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ist sogar schon komplett durchgeimpft.

Vierte Corona-Welle im Herbst: Sind Ausgangssperren kontraproduktiv?

Laut Streeck tragen als dritter Faktor auch die Maßnahmen der Regierung mit der umstrittenen Ausgangssperre* teilweise dazu bei, dass die Infektionszahlen sinken - doch hier sieht der Virologe auch eine Schwierigkeit. Er beobachte gerade in ärmeren Vierteln ein sogenanntes „Lockdown-Paradoxon“, das zu erhöhten Infektionen führe - eben weil die Menschen nicht raus dürften. Große Familien drängten sich in engen Wohnungen zusammen und besonders in Hochhäusern könnten sich auch Nachbarn problemlos während der Ausgangssperre gegenseitig besuchen.

Trotzdem ist Streeck nicht generell dafür, Biergärten, Restaurants und Hotels wieder zu öffnen. Der Virologe findet stattdessen Modellprojekte wie das in Tübingen* extrem sinnvoll, um herauszufinden, ob Öffnungen grundsätzlich möglich sind, ohne dass die Neuinfektionen sofort in die Höhe schießen. Gerade in der baden-württembergischen Modellstadt habe man bereits gesehen, dass vorsichtige Öffnungen möglich sind, ohne dass die Infektionszahlen schneller steigen als in geschlossenen Nachbarregionen.

Vierte Corona-Welle: Wie kann sie noch verhindert werden?

Noch mehr solcher Modelle sind laut Streeck nötig - und mit ihnen groß angelegte Studien, die dann auch sichere Öffnungen für die breite Masse ermöglichen würden. Ein besonders spannendes Modellprojekt ist für den Virologen auch ein Konzert mit 5.000 Besuchern, das in der letzten Woche in Großbritannien stattgefunden hat. Dort feierten Geimpfte und Ungeimpfte dicht gedrängt ohne Masken eine riesige Party - mussten sich allerdings vor und nach der Veranstaltung auf Corona testen lassen. Streeck findet, genau solche Modellprojekte brauche es jetzt.

Wir wissen nicht genau, wo Infektionsgefahren noch drohen. Da sind jetzt Geimpfte und Getestete auf einem Rave und wir brauchen solche Modellprojekte, um herauszufinden, ob so etwas möglich ist - also, wie sieht die neue Normalität am Anfang aus?

Professor Hendrik Streeck, Virologe an der Uniklinik Bonn

Das Fazit des Virologen scheint also zu sein, dass es mehrere Faktoren braucht, um die Pandemie letzten Endes zu besiegen. Er machte aber wenig Hoffnung darauf, dass es schon bald so weit sein könnte. Zwar erklärte der Virologe Hendrik Streeck bei maischberger. die woche, dass es im Sommer vorerst wieder erfreulich niedrige Infektionsraten geben werde, doch dass es noch eine weitere Corona-Welle geben werde, da war sich der Experte relativ sicher. Er stellte sich eher die Frage, „wie stark eine vierte Welle im Herbst ausfallen wird.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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