Hausärzte fürchten Verunsicherung

Corona-Inzidenz in Deutschland steigt erneut – Kinder- und Jugendärzte fordern neue Stiko-Empfehlung

Die Inzidenz in Deutschland ist erneut leicht angestiegen. Zudem nimmt die Debatte um die Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen weiter an Fahrt auf.

Berlin - Das Impftempo sinkt, die Zahl der Infektionen steigt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut leicht angestiegen und liegt nun bei 17,9 (Vortag: 17,8). Das geht aus den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagmorgen (3. August) unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter hervor. Vor einer Woche lag die Inzidenz noch bei 14,5. Innerhalb eines Tages wurden 1766 Corona-Neuinfektionen sowie 19 weitere Todesfälle registriert.

Corona: Gesundheitsminister wollen allen Jugendlichen Impfung anbieten

Mit einem breiteren Impfangebot für Kinder und Jugendliche wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern mehr Schwung in den Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus* in Deutschland bringen. Am Montagabend (2. August) beschlossen die Ressortchefs einstimmig, in allen Ländern Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in regionalen Impfzentren anzubieten - so wie es in Arztpraxen bereits möglich ist. Ab September sollen Risikogruppen wie Alte und Pflegebedürftige zudem erste Auffrisch-Impfungen bekommen können.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat sowohl den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer* als auch den von Moderna* für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. In Deutschland empfiehlt die unabhängige Ständige Impfkommission (Stiko) Impfungen von Kindern bisher aber nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona*-Verläufe. Mit ärztlicher Beratung sind Impfungen jedoch möglich.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Stiko-Chef kündigt neue Empfehlung an

Die Stiko begründete ihre Position unter anderem mit der Datenlage, die aus ihrer Sicht bislang nicht ausreiche, um mögliche Folgeschäden auszuschließen. In anderen Ländern wie Israel laufen hingegen bereits Impfkampagnen von Kindern und Jugendlichen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hielt der Stiko im Deutschlandfunk zuletzt eine „Außenseiterposition“ vor.

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens erklärte am Montag (1. August) in einem Interview mit dem Radiosender NDR Info: „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben.“ Mit Blick auf eine neue Empfehlung sagte er dem Spiegel: „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Tagen schaffen.“ Den Inhalt könne er aber nicht vorausnehmen.

Die Debatte um die Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen nimmt in Deutschland weiter an Fahrt auf.

Corona-Impfung: Kinderärzte fordern Stiko zur Neubewertung auf - Hausärzteverband kritisiert Politik

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, wünschte sich eine schnelle Neubewertung der Stiko-Position. „Bereits heute dürfen Ärztinnen und Ärzte entsprechend der aktuell gültigen Stiko-Empfehlung nach intensiver Aufklärung Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen“, sagte er der Rheinischen Post. „Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung ist extrem gering, das zeigen alle Daten aus anderen Ländern“, so Fischbach.

Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte hingegen, dass die Stiko in der politischen Diskussion außen vor gelassen wurde. „Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft“, sagte der Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse“, so seine Einschätzung. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner

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