Zu wenig Intensivbetten?

Ministerpräsident warnt vor Kollaps in deutschen Krankenhäusern: „Es drohen italienische Verhältnisse“

Die Corona-Lage in Deutschland ist angespannt. Doch wie sehen die Kapazitäten in den Krankenhäusern aus? Saarlands Ministerpräsident warnt vor „italienischen Verhältnissen“.

  • Die Welt befindet sich aktuell in einer zweiten Welle* der Corona*-Pandemie.
  • Auch die Belegung der Intensivbetten nimmt zu.
  • Ein Sprecher der Vereinigung für Intensivmedizin warnt nun vor einer Fehleinschätzung der Kapazitäten in Krankenhäusern.
  • Alle aktuellen Informationen zur Lage in Deutschland finden Sie hier, ebenso wie die aktuellen Infektionszahlen als Karte.

Berlin - Nicht nur in Ländern wie Spanien oder Frankreich steigen die Corona*-Neuinfektionen. Auch Deutschland meldet seit Wochen neue Rekordwerte. Am Samstag (31. Oktober) kratzte die Zahl knapp an der 20.000 Marke. Und auch die Belegung der Intensivbetten steigt stetig, wie Ulrike Demmer, stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung bei einer Presserunde mitteilte. Ab Montag gelten daher neue, verschärfte Regelungen in ganz Deutschland, ein Teil-Lockdown, um die Krankenhäuser zu entlasten. Doch wie sieht die Situation auf den Intensivstationen tatsächlich aus?

Coronavirus: Experte warnt vor Fehleinschätzung - „Wir wiegen uns in falscher Sicherheit“

„Wir wiegen uns bei der Zahl der freien Intensivbetten in falscher Sicherheit“, mahnte Christian Karagiannidis, Sprecher des DIVI-Intensivregisters der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin gegenüber der Welt am Sonntag. Viele Krankenhäuser würden Betten als verfügbar anmelden, die zwar frei wären, aufgrund des Personalmangels aber nicht genutzt werden könnten, so Karagiannidis. Deutschland habe also weniger Intensivbetten, als es aus dem Intensivregister der Vereinigung hervorginge.

Aufgefallen sei die Differenz in den letzten zwei bis drei Wochen. „Wir bekommen immer mehr Rückmeldungen von Notärzten quer aus Deutschland, die uns sagen: Ich habe Schwierigkeiten, meine Patienten in Kliniken unterzubringen, obwohl uns das Register in der Region Dutzende freie Betten anzeigt“, so der Intensivmediziner. Er rufe daher alle Krankenhäuser dazu auf, ihre freien Betten „ganz ehrlich“ zu melden. „Einigen Geschäftsführern ist nicht klar, welche große gesellschaftliche Verantwortung sie mit dieser Meldung tragen“, so Karagiannidis. Politische Entscheidungen würden danach getroffen.

Coronavirus: Kollaps in den Krankenhäusern? Minister ist alarmiert und spricht von „italienischen Verhältnissen“

Auch der erste Ministerpräsident warnt vor einem Corona*-Kollaps der Krankenhäuser. Tobias Hans, Saarlands Ministerpräsident, warnte gegenüber der Bild am Sonntag: „Die Situation ist erschreckend und alarmierend: Schon bald kann es zu einem Kollaps in vielen der 1900 Krankenhäuser in Deutschland kommen.“ Auch er sieht das fehlende Personal als Problem. Stationen würden geschlossen und Notaufnahmen abgemeldet, da Personal krankgemeldet oder schlicht zu wenig vorhanden sei, wie bereits Karagiannidis warnte.

Es drohen eine Triage und italienische Verhältnisse, wenn wir nicht jetzt auch hier gegensteuern“, wird der Ministerpräsident deutlich. In Berlin seien bereits nur noch 14 Prozent der Intensivbetten frei, so bild.de. Doch die Regierung plant bereits vor. Innerhalb Deutschlands soll ein Transfer von Corona-Intensivpatienten möglich sein, sollten die Intensivbetten knapp werden, berichtet der Spiegel. Dies soll laut der EU-Kommission auch europaweit möglich sein. (chd) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare