Aus den USA

Corona-Studie: Ergebnis zeichnet Horror-Szenario für Restaurants und Fitnessstudios - RKI untersucht selbst

Eine Studie der Stanford University zeichnet mit Blick auf das Corona-Infektionsrisiko ein Horror-Szenario für Restaurants und Fitnessstudios. Das RKI untersucht selbst.

Hamm - Deutschland hat das öffentliche Leben wieder weitgehend heruntergefahren. Seit Anfang November ist das Land wegen der Coronavirus-Lage im Lockdown. Um das Geschehen wieder in den Griff zu bekommen und die Verbreitung von Covid-19 wieder zu bremsen. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19\tBezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Corona-Studie: Fitnessstudios, Restaurants und Hotels gelten als „Superspreader“-Orte

Aus diesem Grund haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder entschieden, dass Fitnessstudios, Restaurants, Bars und andere gastronomische Einrichtungen wie auch Kosmetikstudios während des befristeten Lockdowns geschlossen bleiben müssen. Und vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen machte Bayerns Landeschef Markus Söder nur wenig Hoffnung auf Lockerungen.

Aus gutem Grund? Eine Studie der Stanford University und der Northern University zeigt nun, dass das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus in Restaurants, Fitnessstudios oder auch Hotels besonders groß sei. In der Wiedereröffnung solcher Einrichtungen birgt daher eine riesige Gefahr, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde.

Die Forscher haben dafür die anonymen Handy-Daten von 98 Millionen Menschen aus zehn US-Metropolen wie New York oder Chicago analysiert. Sie stammen aus dem Zeitraum vom 1. März bis zum 2. Mai 2020. So kamen sie mittels Computer-Simulationen zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Coronavirus-Infektionen auf solche „Superspreader“-Orte zurückzuführen sei.

Corona-Studie zeichnet Horror-Szenario auf: Drastische Infektionsanstieg durch Öffnung von Restaurants

Dabei schreibt die Studie auch von einem Horror-Szenario. Am Beispiel von Chicago kamen die Forscher zu dem Resultat: Hätte die Stadt Restaurant oder Bars vorzeitig wieder geöffnet und die Lockdown-Regeln gelockert, wären nach den Berechnungen in diesem Monat rund 600.000 Corona-Infektionen mehr zu beklagen gewesen. Im Falle der Fitnessstudios wären es 149.000 Fälle mehr gewesen.

In die Begutachtung fielen eine halbe Million verschiedene Orte ein. Dazu zählten Kirchen, Parks, Restaurants, Geschäfte, Fitnessstudios, Autohäuser oder auch Tierhandlungen.  „Bis zu 80 Prozent der Infektionen waren auf nur zehn Prozent der Orte zurückzuführen“, erklärte Doktorandin Serina Chang.

Corona-Studie: SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach findet Idee von Gast-Reduzierung gut

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach seien die Ergebnisse dieser Studie zu den Corona-Infektionsrisiken durchaus wichtig. Er verweist auf einen Rückfall, sollten Restaurants, Fitnessstudios und andere Einrichtungen zu schnell wieder geöffnet werden, wie auch merkur.de* berichtet.

Lauterbach sieht es ähnlich wie das Ergebnis der Studie und meint, dass zum Beispiel Restaurants wahrscheinlich nur bei einer Senkung der Gäste-Zahl auf rund 20 Prozent sicher seien. „Wir dürfen nicht im Dezember in Tagen verspielen, was im ganzen November erreicht wird“, schrieb Lauterbach auf Twitter.

Doch die betroffenen Einrichtungen wehren sich dagegen. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband verweist darauf, dass die Ergebnisse der US-Studie nicht einfach auf Deutschland übertragbar seien. „Anders als die USA haben wir Hygienekonzepte entworfen und damit aus vermeintlich unsicheren sichere Orte gemacht“, sagt Landesgeschäftsführer Thomas Geppert. „Die Vergleichbarkeit ist deshalb nicht gegeben.“

Restaurants und Fitnessstudios auch in Deutschland Corona-Hotsports? RKI arbeitet an Corona-Studie

Ob das tatsächlich stimmt, wird wohl bald das Robert-Koch-Institut (RKI) belegen, das derzeit an einer eigenen Studie mit Bezug auf Deutschland arbeitet. Darin untersuchen die Forscher, „in welchen Situationen das Risiko, sich mit Sars-Cov-2 zu infizieren, erhöht ist“, schreibt das RKI. Auch die Frage, ob und inwieweit bestimmte Verhaltensweisen oder Umstände das Corona-Ansteckungsrisiko beeinflussen, steht auf der Agenda der „CoViRiS-Studie“.

Die RKI-Studie soll Antworten unter anderem auf folgende Fragen geben:

  • Sind Kneipen- und Restaurantbesuche mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden?
  • Macht es einen Unterschied, ob man sich mit Freund*innen drinnen oder draußen trifft?
  • Bei Veranstaltungen welcher Art besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko und bei welchen nicht?

Das RKI hat im November 2020 mit der Corona-Studie begonnen und werde so lange fortgesetzt, bis 1200 Teilnehmer befragt wurden. Das Institut geht von einer Dauer bis Frühjahr 2021 aus. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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