Neue Details zur Verbreitung

Corona-Mutationen in Deutschland - RKI-Präsident Wieler warnt: „Virus hat einen Boost bekommen“

Es gibt neue Details zur Gefahr und Verbreitung der Corona-Mutationen in Deutschland: Sie sollen ansteckender sein und offenbar gefährlicher. Geht der Lockdown in die Verlängerung?

Hamm - Die Corona-Zahlen in Deutschland gehen vielerorts nach unten. Das interpretieren sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als auch Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), als positives Zeichen. Doch es sei kein Grund für voreilige Lockerungen im Corona-Lockdown. Das liegt vor allem an den in Deutschland mit steigender Tendenz nachgewiesenen Corona-Mutationen. (News zum Coronavirus)

Corona-MutationB.1.1.7
UrsprungGroßbritannien
Häufigkeit in Deutschlandknapp 6 Prozent
r-Wertum 0,5 höher als herkömmliches Coronavirus

Corona-Mutationen in Deutschland: Britische Mutation B.1.1.7 ansteckender und weit verbreitet

Es dauerte nicht lange, bis die Corona-Mutationen auch in NRW nachgewiesen wurden. Doch wie sieht die Lage aktuell in Deutschland aus? Lothar Wieler und Jens Spahn haben am Freitag bei einer Bundespressekonferenz des Gesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts über die Corona-Lage und die Virus-Mutationen in Deutschland informiert. Demnach gibt es erste Details, wie häufig die Corona-Mutationen in Deutschland nachgewiesen wurde. Die Erkenntnisse schüren nicht gerade Hoffnungen auf ein schnelles Lockdown-Ende. Es sieht eher nach Verlängerung aus.

Zunächst stellte Wieler klar, dass in Deutschland vor allem um die Virus-Mutationen B.1.1.7, B.1351 und B1.1.28 nachgewiesen wurden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf B.1.1.7. - diese Mutation ist in Deutschland vor allem als britische Corona-Variante bekannt.

Von allen Corona-Mutationen in Deutschland ist B.1.1.7 am weitesten verbreitet, wie Wieler mitteilte. Einer ad-hoc-Erhebung zufolge wurde diese Variante bis dato in 13 Bundesländern nachgewiesen. Der Stand ist von Anfang dieser Woche.

Corona-Mutationen in Deutschland: B.1.1.7 weit verbreitet - Variationen laut Spahn auch gutes Zeichen

Zudem liegen belastbare Daten vor, welchen Prozentsatz die B.1.1.7-Mutation in Deutschland insgesamt ausmacht. Gemessen an allen Corona-Infektionen in Deutschland nimmt die britische Mutation demnach einen Anteil von knapp 6 Prozent in Anspruch. „Die Mutation dominiert noch nicht. Aber SARS-Cov2 ist gefährlicher geworden. Das Virus hat einen Boost bekommen“, bilanziert Wieler.

Insbesondere ist es wahrscheinlich, dass die Mutation bald einen höheren Anteil aufweist. Denn die Corona-Mutation ist ansteckender als das „herkömmliche“ Virus. „Der r-Wert ist um 0,5 höher“, erklärt Wieler und weist damit auf eine „neue Qualität“ der Coronavirus-Variante hin. Außerdem deute bereits jetzt viel darauf hin, dass die Mutation B.1.1.7 vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führt. Die Erkenntnisse bestärken den Eindruck, dass beim nächsten Bund-Länder-Treffen wohl keine Lockerungen beschlossen werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wertet die Mutationen grundsätzlich aber auch als positives Zeichen. Es falle dem Virus offenbar schwerer, sich zu verbreiten. Die Mutationen seien aus biologischer Perspektive eine natürliche Reaktion auf die Maßnahmen zur Eindämmung. „Das kann sich auch durch das Impfen ergeben“, betont Spahn.

Corona in Deutschland: Spahn hofft auf Lockdown-Ende - Schulen und Kitas sollen den Start machen

Bei der Pressekonferenz gaben Spahn und Wieler auch neue Informationen zur Impfung in Deutschland, deren Terminvergabe ja zunächst schleppend angelaufen war. Mit der Zulassung von AstraZeneca gebe es nun weitere Hoffnung - der Impfstoff soll aufgrund mangelnder Studienergebnisse erwartungsgemäß nur für 18 bis 64-Jährige verimpft werden.

Lothar Wieler bezog am Freitagmorgen Stellung zur Corona-Lage in Deutschland. Die Mutation bereitet ihm Sorgen.

Schon vor wenigen Tagen sprach sich Jens Spahn für Lockerungen im Corona-Lockdown aus - wenn auch bedingt. Der Bundesgesundheitsminister erneuerte bei der Pressekonferenz seine Ansicht. Die Regierung prüfe derzeit den richtigen Zeitpunkt und die richtige Strategie zum Weg aus dem Stillstand. „Wir sind auf dem Weg raus aus der Krise. Den gehen wir entschlossen, aber auch vorsichtig“, so Spahn.

Für Spahn steht jedoch fest: Wenn geöffnet wird, dann zuerst Schulen und Kitas. Eltern sind im Corona-Lockdown mit der Betreuung ihrer Kinder oftmals überfordert*. Virologe Klaus Stöhr aus München kritisierte deshalb die Schließung von Schulen und Kitas mit der Begründung, dass die Kollateralschäden für Kinder-und Jugendliche nicht im Verhältnis zu den Vorteilen aus einem Lockdown fürs Infektionsgeschehen stünden. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld / dpa

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