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Duftmarke vor Corona-Gipfel: Söder verrät, was Bayern „nicht mittragen wird“ - Lockerungen bahnen sich an

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Die Inzidenz in Bayern schießt weiter nach oben. Vor dem Corona-Gipfel kündigt Söder Lockerungen an.

Update vom 23. Januar, 20.51 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich kurz vor dem Gipfel klar geäußert, was die weiteren Schritte für den Freistaat angeht. „Bayern wird in der Ministerpräsidentenkonferenz keine Verschärfungen mittragen“, sagte Söder am Sonntag der Augsburger Allgemeinen. Er wolle die Regeln stattdessen an einigen Stellen lockern.

Omikron sei nicht Delta, daher könne man die Maßnahmen nicht eins zu eins übernehmen, sagte Söder der Zeitung. „Wir wollen in der Kultur, beim Sport und in der Jugendarbeit wieder mehr Teilhabe ermöglichen.“ Bereits am Dienstag (18. Januar) nach der Kabinettssitzung hatten Söders Minister angekündigt, in der nächsten Woche gewisse Lockerungen in diesen Bereichen zu beschließen.

Für Kunst und Kultur sei im Falle einer Lockerung eine Anpassung der Kapazitätsbeschränkung von bisher 25 Prozent auf 50 Prozent vorstellbar. Für den Sport wäre ebenfalls eine Anpassung möglich. Wie genau diese aussehen kann, ist noch nicht ganz klar. Bei der Jugendarbeit wolle man anstatt der geltenden 2G-Regel eine 3G Regel einführen.

Corona in Bayern: Inzidenz steigt weiter sprunghaft

Update vom 23. Januar, 8.52 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern liegt am Sonntag bei 836,9. Dies geht aus den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) von 3.26 Uhr hervor. Am Vortag hatte sie bei 822 gelegen. Den bundesweiten Schnitt von 806,8 überschreitet der Freistaat damit deutlich. Binnen 24 Stunden wurden 15925 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Bayern registriert. Zehn Menschen starben an oder mit dem Virus.

Die Liste der höchsten Inzidenzen wird angeführt vom Landkreis Erding (1473,1), gefolgt vom Landkreis Ebersberg (1339,4) und dem Stadtgebiet der Landeshauptstadt München (1336). Doch auch die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau und Freising liegen weit über der 1000er Marke. Insgesamt überschreiten bayernweit 20 Städte und Landkreise die Inzidenz, bei der bis vor wenigen Monaten noch eine Lockdown-Pflicht angesetzt war. Der Chefarzt Clemens Wendtner der Infektiologie am Klinikum Schwabing hält bei hohen Infektionszahlen Einschränkungen weiter für notwendig und plädiert für ein Beibehalten der Regelung zu regionalen Lockdowns ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000.

Jedoch betonte Ministerpräsident Markus Söder bereits im Vorfeld auf die am Montag (24. Januar) anstehende Ministerpräsidenten-Konferenz, dass man die Omikron-Variante nicht mit den Maßnahmen bekämpfen könne, die für die Delta-Variante entwickelt worden seien. Bayern werde, so Söder, am Montag keine Verschärfung von Maßnahmen mittragen und sogar in einigen Bereichen baldige Lockerungen vornehmen. Die Plötzliche Abkehr von der harten Linie des „Teams Vorsicht“, zu dem Söder sich seit Anfang der Pandemie zählte, hatte bereits in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt.

Update 22. Januar, 12.18 Uhr: Die Inzidenzwerte in Bayern sind noch einmal gestiegen. Der Freistaat liegt jetzt bei 822 (Stand: 22. Januar, RKI). Es haben sich in den vergangenen 24 Stunden 20.500 Menschen neu infiziert, 32 sind an den Folgen ihrer Covid-Erkrankung gestorben. Derzeit liegen laut Divi 334 Menschen auf einer Intensivstation - das sind neun weniger als noch am Tag zuvor.

Die Landkreise mit den höchsten Inzidenzen liegen alle in Oberbayern. Auf Platz eins liegt Dachau (1393), gefolgt von Erding (1341) und Bad Tölz-Wolfratshausen (1290). München liegt nicht mehr weit dahinter mit 1237,7.

Münchner Virologe warnt davor, Omikron als „mild“ abzustempeln

Da die Inzidenz bei vielen Entscheidern und Wissenschaftlern ausgedient hat, setzt man jetzt voll auf die Nicht-Überlastung des Gesundheitssystems. Gut, dass die sich immer weiter durchsetzende Omikron-Variante seltener schwere Verläufe nach sich zieht. Die Krankenhäuser können nach Delta erst einmal ein wenig entspannen. Der Virologe Oliver Keppler, von der Ludwig-Maximilian-Universität München*, sieht allerdings schon eine neue Welle anrollen. „Eine Verharmlosung von Omikron wäre daher fatal, die häufig zu lesende Einordnung als ‚mild‘ halte ich für brandgefährlich“, sagte er der dpa. Deutschland stünde aufgrund des hohen Altersdurchschnitts und der vielen Ungeimpften schlechter da, als andere Länder.

Der Münchner Virologe Oliver Keppler warnt davor, Omikron als „mild“ abzustempeln.
Der Münchner Virologe Oliver Keppler warnt davor, Omikron als „mild“ abzustempeln. © MvP-Institut/dpa

In Amerika würde man sehen, was Omikron anrichte, so Keppler, der auch Vorstand des Max-von-Pettenkofer-Instituts ist. „In den USA sehen wir ein monströses Infektionsgeschehen mit bis zu einer Million neuer Infektionsfälle am Tag. Dort sind mehr Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern als jemals zuvor in der Pandemie, und auch die Todesfallzahlen nehmen in den letzten Wochen wieder deutlich zu. Das ist nun alles andere als ‚mild‘.“ Vorläufige Untersuchungen aus Großbritannien und den USA deuteten darauf hin, dass Omikron-Infektionen in der Breite etwa zwei bis dreimal seltener zur Einweisung ins Krankenhaus führten als Delta-Infektionen. „Aber diese neue Variante erzeugt ja eine viel höhere Infektionsdynamik mit Neuinfektionszahlen, die zehn- bis zwanzigfach höher liegen als in der Delta-Welle zu einem vergleichbaren Zeitpunkt.“ Weiter gibt Keppler zu bedenken, dass die Langzeitfolgen von Omikron noch nicht ausreichend untersucht worden sind. Es könnten beispielsweise mehr Fälle von Long-Covid auftreten.

Corona in München: Hat Deutschland bald 400.000 Neuinfektionen am Tag?

Noch habe Deutschland Zeit, auf die Situation zu reagieren, so der Virologe. In den USA und Großbritannien sei die Omikron-Welle vier bis fünf Wochen voraus. „Auch in Deutschland werden wir bald 200.000 bis 400.000 Neuinfektionen am Tag sehen. Das wird ohne Zweifel unsere Normalstationen in den Kliniken stark belasten und den Regelbetrieb einschränken.“ Keppler weiter: „Wir haben etwa 17 Millionen Ungeimpfte, die meisten davon sind wahrscheinlich auch ungenesen. Davon sind etwa 2,5 Millionen über 60, haben also ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, die eine Behandlung auf der Intensivstation zur Folge haben können. Das unterscheidet uns von anderen Ländern.“ 

Der Münchner Virologe warnt auch vor Menschen, die die Pandemie* schon für beendet erklären. „Basierend auf den Erkenntnissen der letzten zwei Jahre müssen wir aber davon ausgehen, dass Menschen, die sich jetzt mit Omikron infizieren und eine Impfung ablehnen, im Herbst bereits fast keinen Immunschutz gegen eine neue SARS-CoV-2-Variante mehr haben werden.“

Froh ist der Experte allerdings über die Kooperationsbereitschaft der Bürger. „Da ist Deutschland zum Glück eher auf der vorsichtigen Seite, mit Regeln, die ständig an die Infektionsdynamik und die Belastung des Gesundheitssystems angepasst werden. Auch die Disziplin in der Bevölkerung hinsichtlich des Tragens von Masken ist bei uns im Verhältnis zu anderen Ländern sehr gut.“

Söder will in puncto Omikron mit Augenmaß reagieren

Update 21. Januar, 12.40 Uhr: Nach einer CSU-Vorstandssitzung am Vormittag hat sich Bayerns Ministerpräsident bei einem Live-Statement erneut zur Pandemie-Lage im Freistaat geäußert. „Es ist wichtig in diesen Zeiten Geduld zu haben und Stabilität zu vermitteln“, erklärte Markus Söder. Die Belastung des Gesundheitssystems sei die einzige Legitimation für die Einschränkung bedeutender Grundrechte. „Ein Delta-Management kann nicht einfach auf Omikron übertragen werden“:

Gute Begründungen für jede einzelne Maßnahme seien wichtig. Mantraartig wiederholt Bayerns Ministerpräsident: Es müsse nun verstärkt der Faktor „Augenmaß“ in den Vordergrund gestellt werden.

Söder kündigt konkrete Corona-Lockerungen für Bayern an

Vor der anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) Verschärfungen zu fordern, sei laut Söder „nicht angebracht“. Für Bayern deutet er erneut Lockerungen für die Bereiche Kultur und Sport an. 2G-plus soll bleiben, die Kapazitäten aber deutlich erhöht werden: „Es kann nicht sein, dass etwa in Hamburg deutlich mehr Zuschauer dabei sind.“

Angaben, wie hoch die Auslastung konkret sein könnte, wollte Söder zunächst nicht machen. Auch einen konkreten Zeitpunkt für entsprechende Lockerungen nannte er nicht. Für die Gastronomie sind keine Änderungen vorgesehen, die 2G-Regel für den Einzelhandel wird - wie per Gerichtsurteil vorgegeben - nicht mehr angewendet.

Corona: Söder bekräftigt live im ZDF Kurswechsel - „Nicht auf Verdacht zusperren“

Ursprungsmeldung:

München - Die Corona-Pandemie, den reinen Infektionszahlen nach, befindet sich derzeit auf ihrem vorläufigen Höhepunkt*. Viele Experten, so etwa Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) befürchten gar, dass erst Mitte Februar der „Piek“ erreicht werden könnte - mit Hunderttausenden Neu-Infektionen pro Tag. Dennoch schleicht sich der Gedanke nach einem neuen Umgang mit dem Virus ein. Der Hauptgrund: Die Omikron-Variante sei zwar Experten zufolge viel ansteckender als die bisherigen, gilt aber auch als milder in ihren Verläufen. CSU-Chef Markus Söder, seit Beginn der Pandemie bekannt als Anführer des „Team Vorsicht“, bekräftigte nun seine Absicht, einen Kurswechsel einlegen zu wollen*.

CSU-Chef Markus Söder spricht in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ über die aktuelle Corona-Situation in Bayern und Deutschland.
CSU-Chef Markus Söder spricht in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ über die aktuelle Corona-Situation in Bayern und Deutschland. © Screenshot ZDF: „Maybrit Illner“

In der Talksendung „Maybrit Illner“ im ZDF sprach der Ministerpräsident, zugeschaltet aus München*, über den aktuellen Stand der Dinge in der Corona-Politik. Die Bayerische Staatsregierung hatte in ihrer jüngsten Erklärung bereits angedeutet, einige Lockerungen möglich machen zu wollen - immer abhängig vom Infektionsgeschehen, freilich. Darunter könne etwa das Aufstocken der Zuschauerkapazität in der Kultur fallen, aber auch die Rückkehr der Zuschauer in die Fußballstadien. Der Bayerische Verwaltungsgericht hatte erst am Dienstag, 18. Januar, die 2-G-Regel für den Einzelhandel gekippt*. Nun bekräftige Söder bei Maybrit Illner den sich andeuteten Kurswechsel.

Corona: Söder spricht von „neuer Situation“ - und deutet trotz Omikron mildere Regeln an

„Wir haben immer auf die Experten gehört. Wenn Omikron jetzt tatsächlich eine höhere Ansteckung, aber mildere Verläufe hat, dann müssen wir insbesondere die Frage stellen, ob es gerechtfertigt ist, das gleiche Management machen, mit großen Eingriffen in die Freiheit der Menschen“, so Söder. „Ich glaube, dass wir auf Omikron nicht allein mit Zusperren, allein mit der strengsten Variante reagieren können und müssen“, sagte Söder. „Wir müssen ein atmendes System finden.“ Man dürfe nicht „auf Verdacht zusperren“, man habe jetzt eine „neue“ Situation. Entscheidend sei wie immer, eine Überlastung des Gesundheitsystems zu verhindern. Welche Maßnahmen jedoch konkret in Zukunft in Frage kommen, verriet der CSU-Chef dabei nicht. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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