Hamsterkäufe und einsame Weihnachten?

Corona-Lockdown: Was der Shutdown mit unserer Psyche macht - Mentaltrainer gibt Tipps

Der Corona-Lockdown ist beschlossen. Das hat auch Folgen für die Psyche des Menschen. Wie lassen sich Depressionen vermeiden? Mentalcoach Matthias Herzog gibt Tipps.

Hamm - Die schlimmste Befürchtung vieler Menschen ist eingetroffen. Wegen der immer weiter steigenden Coronavirus-Zahlen kommt im November der leichte Lockdown. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Das öffentliche Leben wird ab dem 2. November heruntergefahren. Darauf einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder während ihres Corona-Gipfels.

Corona-Lockdown und die Folgen für die Psyche: Darum ist der Mensch verunsichert

Für die Menschen ist es eine schwierige Zeit. Auch für den Kopf. Das „Problem“ - neben den gesundheitlichen Aspekten, versteht sich - ist das Nachdenken. Die Psyche und die Folgen. „Man weiß nicht, was kommt. Es ist kein Ende in Sicht, du bist komplett unsicher“, erklärt Motivations- und Mentaltrainer Matthias Herzog im Gespräch mit wa.de: „Der Mensch, vor allem wir Deutschen sind strukturiert und wissen, wie wir mit Regeln umzugehen haben.“

Und diese Struktur wird ihm durch die Corona-Welle ein Stück weit genommen. Deshalb neige er nach Ansicht des Experten als Folge unter anderem zu anderen Verhaltensmustern.

Eine dieser Änderungen sind die Hamsterkäufe. Wie im Frühjahr sind andere Kaufverhalten zu beobachten - vor allem mit Blick aufs Toilettenpapier. Aber wieso? „Der Mensch neigt zu Routinen und Gewohnheiten“, sagt Herzog: „Wenn gewisse Strukturen nicht da sind, kommen Ohnmachtsgefühl und Hilflosigkeit ins Spiel. Plötzlich wird einem das weggenommen. Und wie holt sich der Mensch Sicherheiten, wenn man Dinge nicht beeinflussen kann? Indem er sich mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln eindeckt. „

Corona-Lockdown und die Folgen für die Psyche: Mentaltrainer erklärt Hang zu Hamsterkäufen

Während der Franzose - so war es im Frühjahr der Fall - eher zu Rotwein-Hamsterkäufen neigte, war es beim Deutschen das Klopapier. „Die wichtigsten Motivatoren, die wir haben und die der Mensch am ehesten braucht, sind Essen, Trinken - und eben Hygieneartikel wie Klopapier“, sagt der Mentalcoach: „Wir sehen durch Corona die Gefahr gestärkt, bald eventuell nichts mehr davon zu bekommen.“

Eine der größten Befürchtungen, die nun also im November mit neuen Corona-Regeln eintritt, ist der Lockdown und seine Folgen: Kontakte einschränken. Keine Restaurants. Kein Fitnessstudio. Kein Kino. Im Grunde kein soziales Leben.

Die Gefahren von Lagerkoller und sogar Depressionen nehmen in solch einer Phase zu. Was also tun? Herzog rät mit Blick auf die Psyche: „Es ist wichtig, sich zu beschäftigen. Ich empfehle dabei jedem, nicht darauf zu schauen, was man nicht kann oder nicht darf, sondern zu gucken: Was sind die positiven Dinge? Welche Möglichkeiten habe ich?“

Corona-Lockdown und die Folgen für die Psyche: Tipps gegen den Lagerkoller

Die Situation ist keine neue, schließlich gab es schon während der ersten Corona-Welle eine Art Lockdown. Der Unterschied: Diesmal drückt auch noch das herbstliche Wetter die Stimmung. „Da war es einfacher, das stimmt“, sagt Herzog und empfiehlt - um Depressionen vorzubeugen - schlichtweg gemeinsame Tagespläne, „die dem Tag Struktur geben in einer Zeit, in der einem wegen Corona gefühlt die Kontrolle entgleitet.“

Es helfe zu schauen, was man trotz aller Einschränkungen mit der Familie oder Freunde machen könne. „Alternativ kann man sich auch einfach die Zeit nehmen, um zu lernen, entspannen, meditieren oder Sport zu machen.“

Mentaltrainer Matthias Herzog.

Noch ein entscheidender Unterschied zum Frühjahr: Der Lockdown im November ist ein zeitlich begrenzter. Die negativen Folgen für die Psyche der Menschen sind diesmal im Idealfall geringer. „Das gibt dem Menschen Sicherheit, weil er weiß, dass es einen Rahmen gibt“, erläutert Mentalcoach Herzog. „Das ist wie Weihnachten, wenn man weiß, dass die Geschäften an den beiden Weihnachtsfeiertagen geschlossen sind. Darauf kann man sich einstellen und vorbereiten.“

Corona-Lockdown und die Folgen für die Psyche: Befristeter Shutdown von Vorteil

Dies sei für die Psyche viel entspannter. „Der Mensch sieht das Licht am Ende des Tunnels, das ist der entscheidende Faktor“, sagt Herzog, denn: „Wenn du nicht weißt, wann das Licht kommt, bringt das unnötige Sorgen und sorgt für Horror-Szenarien im Kopf.“

Ein solches könnte im schlimmsten Fall auch an Weihnachten drohen. Zwar sollen die aktuellen Corona-Regeln für Entspannung bei der Zahl der Infizierten sorgen. Doch gelingt das nicht, drohen als Folge auch für die Feiertage im Dezember einschränkende Maßnahmen.

Corona-Lockdown und die Folgen für die Psyche: Empfehlung für Weihnachten

Weihnachten ist ein gefährliches Thema. Es ist das Fest der Liebe, Liebe heißt Umarmungen. Gerade bei älteren Menschen kommt das Thema Einsamkeit auf – das führt zu Depressionen oder sogar Suizidgefahr“, sagt Herzog über mögliche Folgen: „Umso wichtiger ist es, sich da vorzubereiten.“

Der Weg könne nur sein, früh nach Lösungen zu suchen - im Zweifel mit Online-Video-Diensten. „Dann ist der Schock nicht mehr so groß, wenn alles so kurzfristig kommt wie im Frühjahr“, sagt Mentaltrainer Herzog: „Sollte es dann doch besser kommen und mehr möglich sein als erwartet, ist das Weihnachtsfest natürlich umso schöner. Das ist dann sehr gut für die Psyche.“ Und gut für ein besinnliches Weihnachtsfest.

  

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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