„Sads-CoV“ befällt vor allem Schweine

Neues „Hochrisiko-Virus“ aus China? Variante könnte auf Menschen überspringen - Forscher warnen vor möglicher Gefahr

Während die Sars-CoV-2-Pandemie andauert untersuchen Forscher in China momentan, ob ein weiteres Coronavirus für Menschen gefährlich werden könnte. Bisher sind vor allem Schweine betroffen.

  • Forscher untersuchen derzeit das neuartige Coronavirus Sads-CoV, welches in China bei Schweinen entdeckt wurde.
  • Ähnlich wie bei Sars-CoV-2 scheint ein Übersprung des Erregers auf den Menschen möglich.
  • Wissenschaftler mahnen zur vorischtigen Beobachtung.

Peking - Das Coronavirus Sars-CoV-2* bestimmt seit Anfang des Jahres nicht nur die Nachrichtenlage, sondern auch den Alltag eines Großteils der Menschen weltweit. Während sich weite Teile von Deutschland und dem Rest der Welt* inmitten der zweiten Corona-Welle* befinden, richten sich die Augen mancher Forscher nun nach China, wo ein weiteres Coronavirus in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen geraten ist.

Weiteres Coronavirus in China: Extrem hohe Sterblichkeitrate bei betroffenen Ferkeln

Der Erreger Swine Acute Diarrhea Syndrome Coronavirus (Sads-CoV) sorgte in China bereits in den vergangenen Jahren für mehrere Krankheitsausbrüche bei Schweinen. Sads-CoV verursacht bei den betroffenen Tieren einen starken Brechdurchfall und führt gerade bei Ferkeln, die weniger als sechs Tage alt waren, in 90 Prozent der Fälle zum Tod. Ähnlich wie bei Sars-CoV-2 gehen die Forscher davon aus, dass der Erreger ursprünglich Fledermäuse befallen hat.

Wohl auch aufgrund der momentan andauernden Pandemie* haben sich US-amerikanische Forscher nun der Frage gewidmet, ob Sads-CoV auch für den Menschen eine Gefahr darstellen könnte. Wie focus.de berichtet, haben Caitlin Edwards und ihr Team von der University of North Caroline at Chapel Hill (UNC) dafür verschiedene Zellkulturen von Affen, Katzen und eben auch Menschen mit Sads-CoV infiziert und untersucht.

Sads-CoV: „potenzielles Hochrisiko-Coronavirus“ - auch Menschen gefährdet?

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich nahezu alle getesteten Zellkulturen als anfällig für das neuartige Virus erwiesen. Vor allem in Zelllinien aus Leber, Magen und Darm konnten die Forscher nach 48 Stunden eine Vermehrung von aktiven Viren feststellen. „Diese Daten demonstrieren, dass das Wirtsspektrum von Sads-CoV sehr breit ist und auch den Menschen umfasst“, hält Edwards fest. Die University of North Caroline at Chapel Hill schreibt zu den Erkenntnissen ihrer Forscher auf Twitter: „Neue Untersuchungen der UNC legen nahe, dass ein Coronavirus-Erreger, der Schweineherde in China befallen hatte, das Potenzial hat, auf Menschen überzuspringen.“

Unklar ist bei der Untersuchung jedoch noch welchen Eintrittspunkt Sads-CoV nutzt. Das Virus infiziert den Körper nicht über Rezeptoren oder Andockstellen, die von anderen bekannten Coronaviren benutzt werden. „Antikörper, die diese Rezeptoren blockieren, hemmten die Virenvermehrung in den menschlichen Zellen nicht“, so der Schluss der Wissenschaftler. Da das Virus jedoch bereits zwischen Fledermäusen und Schweinen übertragen wurde, mahnen die Forscher zur Vorsicht. „Damit manifestiert sich Sads-CoV als potenzielles Hochrisiko-Coronavirus, das die globale Gesundheit und Wirtschaft beeinträchtigen könnte.“

Coronavirus Sads-CoV: Keine registrierten Fälle bei Menschen - Forscher mahnen dennoch zu Vorsicht

Bislang gab es in China noch keine registrierten Fälle, bei denen sich Menschen mit Sads-CoV infiziert hatten. Das Forscherteam um Caitlin Edwards rät jedoch dazu, die Lage in Schweinezuchten genau zu beobachten und vor allem die Mitarbeiter dort regelmäßig zu untersuchen*. Damit könnte ein Ausbruch dieses Coronavirus bereits frühzeitig erkannt werden. Dies könnte vor allem im Zusammenspiel mit einer weiteren Erkenntnis der Wissenschaftler entscheidend sein.

In Zellkulturtests erwies sich das Mittel Remdesivir*, das bereits auch bei der Behandlung von Covid-19-Patienten benutzt wurde, als äußerst wirksam gegen Sads-CoV. Sollte der Erreger also tatsächlich auf Menschen überspringen, hätte man bereits die erste Behandlungsstrategie in der Hinterhand und könnte so die Verbreitung des Virus vielleicht noch im Keim ersticken.

Auch bei dem Sars-Cov2-Erreger, der erstmals in der chinesischen Metropole Wuhan bei einem Menschen entdeckt wurde, handelt es sich nach den Erkenntnissen der Forscher um ein Coronavirus, das zuvor vor allem Fledermäuse befallen hatte. Durch Mutationen können solchen Viren jedoch auch für den Menschen gefährlich werden. Dieses „Überspringen“ eines Virus von einem Tier auf den Menschen nennt man Zoonose. (fd) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / dpa

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