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„Ein für alle Mal“: Umwelthilfe fordert Böllerverbot zu Silvester

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Neue Diskussion um ein Böllerverbot: Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein endgültiges Aus für Silvester-Feuerwerk. Das Bundesinnenministerium reagiert.

Berlin - Gut zwei Monate vor dem Jahreswechsel 2022/23 hat die Deutsche Umwelthilfe Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) aufgefordert, die Böllerei in diesem Jahr „ein für alle Mal“ zu beenden. Durch wenige und einfache Änderungen der Sprengstoffverordnung könne die Ministerin umweltschädlichem Feuerwerk schnell ein Ende setzen, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Umwelthilfe verwies dabei auf eine Umfrage, wonach die Mehrheit der Deutschen für ein Böllerverbot zu Silvester sei.

„Ein für alle Mal“: Umwelthilfe fordert Böllerverbot zu Silvester

In einer repräsentativen Umfrage des Instituts Insa Consulere im Auftrag der Verbraucherzentrale Brandenburg stimmten 53 Prozent der Befragten dafür, privates Feuerwerk zu verbieten - 39 Prozent waren dagegen. Die Zustimmung für ein Verbot war im Westen Deutschlands mit 54 Prozent höher als im Osten mit 50 Prozent. Zuerst berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über die Forderung der Umwelthilfe.

„Die Argumente für ein Verbot der Schwarzpulver-Raketen und Böller sind vielfältig: Luftverschmutzung und Tausende Tonnen Abfälle, Millionen verschreckte und leidende Tiere, Häuserbrände und viele Tausend verletzte Kinder wie Erwachsene“, sagte Resch. Auch Städte und Gemeinden sollten auf klassisches Feuerwerk verzichten. „Kommunen können auch über kreative Licht- und Lasershows oder gar eine Drohnenshow für einen bunten Jahreswechsel sorgen.“

Bereits im vergangenen Jahr seien mehr als eine halbe Million Unterschriften an Bundesinnenministerin Faeser übergeben worden mit der Forderung, der „sinnlosen Knallerei dauerhaft ein Ende zu bereiten“, sagte der Bundesgeschäftsführer weiter.

Bundesinnenministerium plant kein Verbot für Feuerwerk an Silvester

Das Bundesinnenministerium hat die Forderung der Deutschen Umwelthilfe nach einem generellen Böllerverbot an Silvester jedoch mittlerweile zurückgewiesen. Eine Sprecherin sagte auf Nachfrage, ein entsprechendes Verbot sei zum Jahreswechsel 2020/2021 und 2021/2022 jeweils von Bund und Ländern aufgrund der Corona-Pandemie beschlossen worden. „Ob erneut eine Situation entstehen wird, die einen vergleichbaren Beschluss erforderlich macht, ist derzeit nicht absehbar“, fügte sie hinzu.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Konstantin Kuhle, stellte sich gegen den Vorschlag der Umweltschützer. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das jährliche Feuerwerk ist für viele Menschen eine wichtige Tradition zum Jahreswechsel.“ 

Umwelthilfe fordert Böllerverbot zu Silvester: Städte und Landkreise entscheiden

Nach Auskunft des Bundesumweltministeriums liegt die Entscheidung über ein Böllerverbot zu Silvester bei den Städten und Landkreisen. „Das jährliche Feuerwerk zu Silvester kann die Feinstaubbelastung in Kommunen temporär erhöhen. Wie hoch diese Belastung vor Ort tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab“, hatte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums dem RND mitgeteilt. Dazu gehörten etwa die Wetterverhältnisse vor Ort und die Zahl der abgebrannten Feuerwerkskörper. „Ob ein „Böllerverbot“ verhängt werden muss, entscheiden daher sinnvollerweise die Städte und Landkreise selbst.“

In den vergangenen beiden Jahren war das Silvester-Feuerwerk wegen Corona-Auflagen zumeist abgesagt worden. Es galt zudem vielerorts in NRW und Deutschland ein Böllerverbot. In diesem Jahr gab es bislang keine größeren Corona-Beschränkungen. Laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) wurden 2019 rund 130 Millionen Euro Umsatz erzielt. (dpa)

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