1. wa.de
  2. Deutschland & Welt

Verwirrung um Blackout-Risiko im Winter – BBK stellt Aussagen klar

Erstellt:

Von: Marcel Guboff

Kommentare

Ist er nun wahrscheinlich oder nicht, der Blackout in Deutschland im Winter? Das BBK stellt eine „missverständliche“ Formulierung zum möglichen Stromausfall klar.

Hamm - Ganz gleich, ob Unwetter, eine Überlastung des hiesigen Stromnetzes oder gar gezielte Angriffe auf die Netzinfrastruktur in Deutschland. In den vergangenen Wochen und Monaten kursierten immer wieder diverse Szenarien eines möglichen Blackouts im Winter 2022 in NRW und Deutschland – also von flächendeckenden und lang anhaltenden Stromausfällen.

Verwirrung um Blackout-Wahrscheinlichkeit im Winter – BBK stellt Aussagen klar

Doch wie wahrscheinlich ist das? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hält einen solchen großflächigen Stromausfall für „äußerst unwahrscheinlich“. Damit rückte die Behörde am Sonntag (20. November) Aussagen von BBK-Chef Ralph Tiesler gerade, der zuvor für Verwirrung und in gewisser Weise auch für Panik gesorgt hatte. Er hatte der Welt am Sonntag gesagt: „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird.“ Dies bezog er auf eine „regional und zeitlich begrenzte Unterbrechung der Stromversorgung“.

Seine Behörde schritt daraufhin ein. Eine BBK-Sprecherin erklärte dazu, Ralph Tiesler habe sich auf ein solches Szenario bezogen, „um die grundsätzliche Bedeutung von Vorsorgemaßnahmen hervorzuheben“.

Wie die BBK-Sprecherin darüber hinaus betonte, sei das elektrische Energieversorgungssystem „mehrfach redundant ausgelegt“ und verfüge „über zahlreiche Sicherungsmechanismen, um das Stromnetz bei Störungen zu stabilisieren“. Und weiter: „Ebenso wird die Wahrscheinlichkeit als gering angesehen, dass es regional und zeitlich begrenzt zu erzwungenen Abschaltungen kommt, um die Gesamtversorgung weiter sicherzustellen.“ Die Behörde bedauere „die missverständliche Formulierung“ Tieslers und stelle diese hiermit klar.

Bundesnetzagentur: Deutschland hat „eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme“

Auch die Bundesnetzagentur hatte zuvor den Äußerungen widersprochen. „Deutschland verfügt über eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme“, sagte ein Sprecher den Funke-Zeitungen. „Es gibt zahlreiche Mechanismen und Reserven zur Stabilisierung des Stromnetzes in angespannten Situationen.“

Die Bundesnetzagentur halte die Wahrscheinlichkeit für gering, dass erzwungene Abschaltungen im kommenden Winter erforderlich werden. Ende September schätzte ein anderer Experte das Risiko eines Blackouts noch etwas anders sein. Der Chef des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sagte seinerzeit der Welt am Sonntag: „Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben. Wir können flächendeckende Stromausfälle nicht ausschließen“, sagte er der Welt am Sonntag. Er bekräftige diese Aussagen aktuell im Handelsblatt. Sollte es im unwahrscheinlichen Fall tatsächlich zu einem Blackout kommen, hilft eine Liste mit Lebensmitteln für zehn Tage

Doch wie kam überhaupt BBK-Chef Ralph Tiesler zu seiner Theorie? Er hatte in dem Interview gesagt, Ursache für einen möglichen Blackout in Deutschland sei dann nicht nur Energieknappheit, sondern auch das gezielte, zeitweise Abschalten der Netze durch die Betreiber, um die Netze zu schützen und die Gesamtversorgung nicht zu gefährden. „Das Risiko dafür steigt ab Januar und Februar, so dass wir davon ausgehen, dass es von da an stellenweise für eine gewisse Zeit zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt“, hatte der BBK-Präsident gesagt.

Blackout in Deutschland: Städte müssen besser vorbereitet sein

In diesem Zusammenhang kritisierte Ralph Tiesler, dass staatliche Stellen nicht immer ausreichend für Krisenlagen wie Stromausfälle gewappnet seien. Ein Teil der Kommunen und Behörden sei „wirklich mustergültig“ aufgestellt, mit genauen Plänen und einer Sicherstellung der Stromversorgung durch Notstromaggregate vor Ort. Der BKK-Präsdient: „Andere stehen deutlich schlechter.“

Der Deutsche Städtetag forderte derweil eine bessere Vorbereitung auf Blackouts. „Es kann im Winter passieren, dass der Strom in bestimmten Regionen vorübergehend ausfällt“, sagte der Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU), den Funke-Zeitungen vom Sonntag. „Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass es längere Blackouts gibt“. Es werde „nicht tagelang in ganz Deutschland der Strom weg sein“. Doch es gehe darum, „auf besondere Krisensituationen vorbereitet zu sein, die Menschen wie die Städte“.

Auch interessant

Kommentare