Im Schwarzen Meer

Flugschreiber von abgestürzter russischer Maschine gefunden

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Rettungskräfte suchen mit Schiffen im Schwarzen Meer nach Opfern des Flugzeugabsturzes und nach Trümmerteilen.

Moskau - Zwei Tage nach dem Absturz einer russischen Militärmaschine über dem Schwarzen Meer haben Suchmannschaften den Flugschreiber gefunden. Das Gerät wurde in einer Tiefe von 17 Metern unter der Meeresoberfläche geortet.

Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Von der Auswertung des Flugschreibers erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die genaue Absturzursache. Der Flugschreiber wird nun in Moskau analysiert. Bis Ergebnisse vorliegen, könne es mehrere Wochen dauern, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Interfax zitierte eine Quelle, wonach es sich bei dem gefundenen Gerät um den Flugdatenschreiber handelt, der in "gutem Zustand" sei.

An Bord eines Flugzeugs befinden sich zwei Aufzeichnungsgeräte: der Flugdatenschreiber, der die technischen Daten während des Fluges registriert, sowie der Stimmenrekorder, der alle Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet.

Die Maschine war am Sonntag auf dem Weg von Sotschi nach Syrien mit 92 Menschen an Bord abgestürzt. Bislang wurden zwölf Leichen und 156 Leichenteile geborgen, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Außerdem seien acht Teile der abgestürzten Tupolew Tu-154 gefunden worden, darunter Fragmente des Rumpfs und des Triebwerks.

Nach Angaben der Suchmannschaften sind die Trümmerteile über einen Radius von 500 Metern verstreut. Insgesamt sind mehr als 3500 Helfer, 45 Schiffe, 15 U-Boote, zwölf Flugzeuge, fünf Hubschrauber sowie zahlreiche Drohnen im Einsatz.

„Terrorakt“ unwahrscheinlich

Weder an Trümmerteilen noch an den Toten seien Spuren von Sprengstoff gefunden worden, zitierte Interfax am Dienstag einen nicht genannten Behördenvertreter. „Deshalb gibt es derzeit nichts, worauf sich die Version eines Terroranschlags stützen könnte“, sagte der Experte. Die Ermittler gehen eher von technischem Versagen oder einem Pilotenfehler aus. Auch schlechter Treibstoff oder ein Fremdobjekt im Triebwerk könnte der Grund gewesen sein. 

Weitere Hinweise erhoffen sich die Behörden durch die Befragung von Zeugen. Einer von ihnen habe den "Start, den Flug und den Absturz des Flugzeugs ins Meer gefilmt", erklärten die Ermittler. Die Zeitung „Kommersant“ zitierte am Dienstag einen Beobachter auf einem Grenzschutzboot nahe Adler als Augenzeugen. Er will gesehen haben, dass die Tupolew nach dem Abheben in einen Steilflug gesteuert wurde und daraufhin abstürzte.

Tupolews vorerst stillgelegt

Als Auswirkung auf den russischen Syrien-Einsatz legte das Verteidigungsministerium seine anderen Passagiermaschinen vom Typ Tu-154 bis zur Klärung der Unglücksursache still. Die Personentransporte zur Luftwaffenbasis Hamaimim in Syrien würden von anderen Flugzeugen übernommen. In der russischen Zivilluftfahrt fliegen die alternden Tu-154 seit einigen Jahren nicht mehr.

An Bord der Maschine war ein großer Teil des Armeechors, der bei den Neujahrsfeiern auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien auftreten sollte. Russland unterstützt die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad seit September 2015 auch durch Luftangriffe im Bürgerkrieg.

Vorsingen für neue Mitglieder des Armee-Chors

Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte mit Blick auf den Armeechor an, das Alexandrow-Ensemble solle "so schnell wie möglich" wiederaufgebaut werden. Dafür sollten mögliche Kandidaten zum Vorsingen eingeladen werden, "um die besten Leute auszuwählen". Zudem werde er 70 Wohnungen für das Ensemble anmieten lassen, die den neuen Mitgliedern angeboten werden würden, erklärte Schoigu.

Das Alexandrow-Ensemble verlor durch das Unglück seinen Dirigenten Waleri Chalilow und rund ein Drittel seiner Mitglieder. Das Ensemble ist als Chor der Roten Armee bekannt und gilt als wichtiges russisches Nationalsymbol. Präsident Wladimir Putin hatte nach dem Absturz für Montag eine eintägige Staatstrauer angeordnet. Die Stadt Sotschi sagte ihre Neujahrsfeier auf dem zentralen Platz wegen des Unglücks ab.

AFP/dpa

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