Bestürzung über Mord an Helfern in Afghanistan

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Provinz Badakhshan im Nordosten von Afghanistan.

Kabul - Die Ermordung von christlichen Helfern in Afghanistan hat Bestürzung ausgelöst. Die Bundesregierung verurteilte den “feigen Mord“ am Samstag und forderte die Bestrafung der Täter.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner sprach von einem “ganz besonders feigen und grausamen Akt“. Er zeuge von einer tiefen Missachtung menschlichen Lebens. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Es handelte sich um einen der folgenschwersten Angriffe der Taliban in jüngster Zeit auf Zivilisten. Nach Polizeiangaben wurden im Nordosten Afghanistans zehn Menschen getötet. Die Opfer arbeiteten für die Augenklinik Noor in Kabul. Sie gehörten zur christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM). IAM-Direktor Dirk Frans sagte, vermutlich seien sechs Amerikaner, ein Deutscher, ein Brite und zwei Afghanen getötet worden. Sie hätten in der Region medizinische Hilfe geleistet.

Offiziell bestätigen könne IAM den Tod aber erst nach einer vollständigen Untersuchung. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich bei dem deutschen Opfer um eine Frau. Die deutsche Christoffel- Blindenmission, die mit der IAM zusammenarbeitet, will ihre Projekte in dem Land zunächst aussetzen. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der dpa per Telefon, es habe sich um “christliche Missionare“ gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. “Wir haben Spionagedokumente bei ihnen gefunden.“

Zu dem Vorfall kam es nach Angaben der Polizei am Donnerstag in einer entlegenen Bergregion im Grenzgebiet zwischen der relativ ruhigen Provinz Badachschan und der weitaus gefährlicheren Provinz Nuristan. Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte, der brutale Akt zeige, dass die Lage in Afghanistan noch immer schwierig und gefährlich sei. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte die Bundesregierung auf, klar zu machen, woran sie bis zum Abzug der internationalen Kampftruppen 2013/2014 in Afghanistan interessiert sei - “an zivilem Aufbau, an Polizeiausbildung - und zu welchen Bedingungen sie einen politischen Kompromiss mit den Taliban schließen“ wolle. Der Vorfall unterstreiche die Notwendigkeit, “weiter zielstrebig auf eine Stabilisierung der Lage in Afghanistan hinzuwirken“, sagte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach.

dpa

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